Die drei häufigsten Fehler, die beim Taschengeld passieren

Genaue Regeln für Taschengeldsummen gibt es nicht, aber Tabellen bieten Richtwerte, an denen sich Eltern orientieren können.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Drei Fehler fallen dem Familientherapeuten Philip Streit auf Anhieb ein, die Eltern im Zusammenhang mit dem Taschengeld für ihre Kinder machen.

Erstens: Sie kürzen es strafweise – und das sei alles andere als sinnvoll, so der Experte. Denn Kinder sollen sich auf einen Betrag verlassen können, sonst sei ein stabiler Umgang mit Geld kaum gut erlernbar.

Fehler Nummer zwei geht in das andere Extrem: Besondere Verhaltensweisen werden extra belohnt. Dabei sollten Eltern Minimalpflichten wie Zimmer aufräumen oder Müll raustragen gar nicht mit Geld honorieren. „Solche einfachen Pflichten gehören zur Entwicklung der Kinder dazu“, sagt Streit.

Und drittens ist es nicht ratsam, wenn sich Eltern ständig auf Diskussionen über die Höhe des Taschengeldes einlassen: Die Summe sollte fix vereinbart sein, damit die Kinder damit rechnen können und lernen, mit dieser Summe auszukommen. Eltern sollten hier „Stärke und Souveränität“ zeigen – Eigenschaften, die Kinder übrigens auch schätzen würden.


Ab der Volksschule

Doch ab wann soll man Taschengeld geben – und vor allem wie viel? Die meisten Institutionen sagen, man sollte Kinder mit dem Eintritt in die Volksschule langsam an das Thema heranführen. Für die Höhe des Taschengeldes gibt es einen Index, der von Jugendämtern ausgearbeitet wurde (abrufbar etwa unter help.gv.at im Bereich Jugend und Finanzen). Demzufolge gilt in etwa: Unter sechs Jahren gibt man maximal 50 Cent pro Woche, dann kann man den Betrag langsam steigern. Bis zum zehnten Geburtstag sollten es nicht mehr als drei Euro wöchentlich sein.


Summe nach Alter gestaffelt

Ab dem zehnten Lebensjahr kann man von Woche auf Monat umstellen und etwa zehn Euro an Zehnjährige pro Monat, 25 Euro an 15-Jährige und über 50 Euro an 18-Jährige zahlen. Streit rät auch wohlhabenden Familien, sich ungefähr an diese Werte zu halten. Soll man schon Kindergartenkindern Taschengeld auszahlen? Sehr kleine Beträge seien in Ordnung, sagt Streit. Allerdings müsse das Kind, um mit Geld umgehen zu können, erst dessen Bedeutung und einige Regeln verstehen. Psychologen sprechen von Invarianz: dass etwas das Gleiche ist, auch wenn es anders aussieht. Etwa, dass zwei Mal drei dasselbe ist wie drei mal zwei. Das begreifen Kinder üblicherweise erst ab sechs Jahren.

Einen besonderen Stellenwert bekommt das Thema Geld für Kinder zwischen neun und zwölf Jahren. Denn in diesem Alter nehmen die Kinder ihre eigene Autonomie stärker wahr. Sie sollten dann ruhig selbst entscheiden, wofür und wie schnell sie ihr Geld ausgeben. Doch was, wenn ein Kind seine ganzen Ersparnisse etwa für Computerspiele ausgibt? Den Spielkonsum könnten und sollten Eltern durchaus begrenzen, sagt Streit. Der Kauf sei aber Sache des Kindes.

Zur Person

Philip Streit ist Psychologe, Psychotherapeut und Leiter des Institutes für Kind, Jugend und Familie in Graz, des größten Familientherapiezentrums der Steiermark. Seit 1994 arbeitet er mit Kindern und Jugendlichen in Familie und Schule.
?Beigestellt

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2017)

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