Kindergärten: Mehr Deutsch, weniger Kopftücher

Die Zahl der Schulanfänger, die nicht gut genug Deutsch können, sei zu hoch, sagt der Bildungsminister. Deshalb soll die Deutschförderung im Kindergarten ausgebaut werden.

Rund 20 Prozent der Schulanfänger können dem Unterricht auf Deutsch nicht folgen. Oft haben sie davor schon einen Kindergarten besucht.
Rund 20 Prozent der Schulanfänger können dem Unterricht auf Deutsch nicht folgen. Oft haben sie davor schon einen Kindergarten besucht.
Rund 20 Prozent der Schulanfänger können dem Unterricht auf Deutsch nicht folgen. Oft haben sie davor schon einen Kindergarten besucht. – (c) Clemens Fabry

Wien. Es ist etwa zwei Wochen her, da war die türkis-blaue Regierung zu Besuch in einem Kindergarten, um eine große Einigung zu verkündet: Bund und Länder, hieß es, hätten sich bei der Kinderbetreuung auf eine neue 15a-Vereinbarung geeinigt. Das galt, wie sich rasch herausstellte, nur für die schwarz-geführten Länder.

Die roten Länder Wien, Kärnten und das Burgenland haben von einer „ÖVP-PR-Show“ gesprochen und geben sich nicht zufrieden. Es geht nicht nur um die 142,5 Mio. Euro, die es für den Ausbau der Kinderbetreuung, die Sprachförderung und den Gratiskindergarten geben soll, sondern auch um die strengeren Vorgaben des Bundes. Er will die Länder zum Ausbau des Betreuungsangebots sowie zu mehr Qualität – insbesondere zu mehr Sprachförderung – zwingen.

1.Die Zahl der Schüler mit Deutschproblemen soll gesenkt werden.

Derzeit würden, rechnet Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) vor, jährlich rund 17.000 Kinder in die erste Klasse Volksschule kommen, die nicht gut genug Deutsch sprechen, um dem Unterricht zu folgen. Diese 20 Prozent werden als außerordentliche Schüler eingestuft und nicht benotet. Dabei haben viele dieser Schüler davor einen Kindergarten in Österreich besucht. Diese Zahl sei zu hoch. In den nächsten vier Jahren soll sie sich um mindestens 20 Prozent reduzieren. So steht es im 15a-Entwurf. Erreichen die Länder dieses Ziel nicht, müssen sie das Geld des Bundes zurückzahlen.

2. Deutschkenntnisse werden anhand eines einheitlichen Tests überprüft.

Schon jetzt werden die Deutschkenntnisse der Drei- bis Sechsjährigen im Kindergarten überprüft. Fast ein Drittel hat laut Erhebung zu Beginn des Kindergartenjahres einen Förderbedarf (siehe Grafik). Sie erhielten (auch schon bisher) Sprachförderung. Sie zeigte allerdings nicht immer Wirkung. Nur 38 Prozent der Kinder, die am Beginn des Kindergartenjahres einen Förderbedarf hatten, benötigten nach einem Jahr keine Förderung mehr. Die restlichen 62 Prozent waren weiter darauf angewiesen. Diese Wirkungskennzahl, wie es die Regierung nennt, soll auf 40 Prozent erhöht werden. Das wurde vertraglich als Ziel festgelegt. Hier wird es neue und erstmals österreichweit einheitliche Sprachstandstests geben. Diesen Beobachtungsbogen sollen Kindergartenpädagogen erstmals 2019/20 einsetzen.

 

3. Pädagogen brauchen ein Mindestmaß an Deutschkenntnissen.

Für die sprachliche Frühförderung sollen eigens ausgebildete Kindergartenpädagogen eingesetzt werden. Dafür werden erstmals Mindeststandards festgelegt. Die Pädagogen sollen Deutsch auf C1-Level beherrschen. Sie müssen also fachkundige Sprachkenntnisse besitzen. Das ist bisher nicht in allen Kindergärten gegeben. Berichten zufolge dürfte an manchen Standorten nicht oder kaum Deutsch gesprochen werden. Nun wird sogar die Absolvierung eines Lehrgangs vorgeschrieben. 15 Prozent der Pädagogen müssen diese Qualifikationen aufweisen. Sie sollen – wenn nötig – nachqualifiziert werden.

4. Die Kindergärten müssen sich an einen Wertekatalog halten.

In den Kindergärten wird ein Werte- und Orientierungsleitfaden eingeführt. Es geht dabei um Demokratie, Humanität, Solidarität, Gerechtigkeit, Toleranz und Offenheit und nicht um „Schnitzel oder Knödel“, sagt Faßmann. Die Pädagogen sollen den Kindern die Werte vermitteln. Gemeinsam mit den Eltern soll auch eine Vereinbarung zum Kopftuch erarbeitet werden. Das Kind soll das Kopftuch etwa an der Garderobe ablegen. Das scheint der Regierung offenbar einfacher umsetzbar als ein Kopftuchverbot. Dieses könnte gesetzlich nämlich schwierig sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2018)

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