Schön sprechen: Die Stimme als Werkzeug

Sprechtechnik. Manager, die nuscheln, näseln oder brummen, überzeugen weniger als jene, die klar und akzentuiert sagen, was sie wollen. von Alexia Weiss

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wenn die Aufregung steigt, geht oft auch die Stimme in die Höhe. Sie verrät viel über den Sprecher, manchmal mehr, als ihm lieb ist. Und manchmal sagt sie auch Dinge ganz anders, als man will, weil man nicht weiß, wie man die Stimme richtig einsetzt. Dann werden spannende Themen zu monotonen Vorträgen, und in Gesprächen regieren statt Zustimmung und Kopfnicken Missverständnisse und Konfusion. Nicht nur Schauspieler und professionelle Sprecher profitieren von Stimm- oder Sprechtrainern, sondern auch Führungskräfte. 90 Prozent der Klienten etwa, die bei der Sprechtrainerin Petra Maria Berger vom Institut „sprich mit mir“ ein Sprechcoaching absolvieren, kommen aus dem Mittel- bis Topmanagement.

 

Brummen, näseln, nuscheln

„Führungskräfte führen Menschen, und das vor allem auf der verbalen Ebene“, sagt Berger, „vieles, was man über Stimme, Satzmelodie und Betonung, über Tempo und Artikulation übermittelt, ist einem selbst gar nicht bewusst.“ Mit den Schallwellen schwingt nun mal viel mehr Information vom Sender zum Empfänger als bloße Worte.

Die Stimme ist ein machtvolles Instrument, mit dem man viel erreichen, aber auch viel zerstören kann. „Allein der Klang der Stimme kann mich nahbarer und somit sympathischer erscheinen lassen“, so Berger. Stimmtrainer Peter Wasservogel betont neben dem emphatischen Aspekt der Stimme vor allem die nötige Verständlichkeit. Genuscheltes, Genäseltes, Heiser-Verbrummtes sollte keinen Platz beim Sprechen haben. Wichtig ist „das Tragende einer Stimme“, so Wasservogel. Hier hakt auch Johannes Gasberger vom Trainingsinstitut x-sieben ein. „Je deutlicher und damit souveräner die Aussprache oder Ausdrucksweise bei Präsentationen, Meetings und im Umgang mit Mitarbeitern ist, desto einfacher und klarer ist die Kommunikation mit den Gesprächspartnern oder dem Auditorium.“

 

Sprechen vor Publikum

Speziell bei Präsentationen wird schnell klar, wer geübt ist und wer zum ersten Mal spricht. Und das womöglich noch ohne Sprechtraining. „Der Unterschied kann darin liegen, dass geübte und somit selbstbewusste Personen kompetenter wirken. Selbst wenn sie es nicht unbedingt sind“, sagt Gasberger.

Einig sind sich alle drei Experten darin, dass ein Manager nicht unbedingt immer Hochsprache sprechen muss. Zumindest beherrschen sollte er sie dennoch. „Am besten kommt meiner Meinung nach jemand rüber, der authentisch agiert. Das heißt: Man soll oder darf Dialekt sprechen, wenn man aus einem entsprechenden Umfeld kommt“, so Gasberger, „die Person muss dabei jedoch klar und deutlich verstanden werden können.“ Ähnlich sieht es Berger: „Gut sprechen kann ich in jeder Sprache und auch in jedem Dialekt.“

Professionelle Sprecher im Fernsehen, Radio und am Telefon werden auf Hochdeutsch geschult, erzählt Wasservogel, in „gemäßigter Hochlautung“, wie das im Sprechtechnik-Fachjargon heißt. Ein Manager muss diese Form des Hochdeutsch nicht perfekt beherrschen, „obwohl es sich auch für ihn manchmal gut macht“, wie Wasservogel meint. Wichtig sei es allerdings, sich dem Sprachniveau des Gesprächspartners anzupassen. Auf diese Weise könne man leichter überzeugen. „Sprechfehler, die jedoch auf Herkunft aus dem Unterschichtenmilieu schließen lassen, sollten austrainiert werden“, erklärt Wasservogel.

 

Falsch atmen, falsch sprechen

Mit einem Sprechtraining müssen Manager nicht unbedingt zu perfekten Sprechern werden. Dafür finden sie ihre eigene Wohlfühlstimme und eine klare Artikulation. Das funktioniert oft über eine ökonomische Atmung, betont Berger. Denn wer falsche Atemgewohnheiten hat, dessen Stimme kann schon einmal gepresst, gequetscht, gehaucht, piepsig oder schrill sein. Dass tiefe Stimmen kompetenter klingen als hohe, das stimme nur bedingt, meint Berger: „Wichtiger ist, dass die Stimme frei schwingt.“ Doch wer sich wohlfühlt, spricht immer tiefer als unter Stress. Ob man sich seinem Gegenüber unterlegen fühlt, gibt allzu oft die Stimme preis: „Sie wird leise, hoch und hauchig oder schnell, gepresst und monoton“, so Berger. Als Machtinstrument diene die Stimme vor allem durch die geübte Artikulation, weniger durch die Stimmlage.

 

Der richtige Trainer

Bei der Suche nach dem geeigneten Stimm- und Sprachcoach empfehlen die Experten, neben der Qualität und Kompetenz auf einen anderen wichtigen Faktor zu achten: die Empathie. „Ein Sprechtrainer arbeitet an dem persönlichen Ausdruck, an der individuellen Sprechweise“, erklärt Berger. „Ich meine daher, dass es von besonderer Wichtigkeit ist, der lehrenden Person Vertrauen und Sympathie entgegenbringen zu können.“ Wasservogel empfiehlt Führungskräften zudem, sich vor allem an solche Trainer zu wenden, die selbst über einen Managementbackground verfügen.
www.sprichmitmir.at
www.stimme.at
www.x-sieben.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2009)

Kommentar zu Artikel:

Schön sprechen: Die Stimme als Werkzeug

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen