Italien: "Religionsunterricht hat keinen Sinn mehr"

Italiens Bildungsminister will einen Kurs für Ethik oder Religionsgeschichte statt des Religionsunterrichts. Man dürfe am Inhalt nicht rütteln, sagt der vatikanische "Kulturminister".

Italiens Bildungsminister will Religionsunterricht
Italiens Bildungsminister will Religionsunterricht
(c) FABRY Clemens

Italiens Bildungsminister Francesco Profumo startet eine Kampagne zur Reform der Programme des Religionsunterrichts im italienischen Schulsystem und zieht sich somit scharfe Kritik aus katholischen Kreisen zu. "Der Religionsunterricht hat in der heutigen Form keinen Sinn mehr", so Profumo. Er müsse verändert werden und könnte zu einem Kurs für Ethik oder Geschichte der Religionen werden. "Italien hat sich verändert. Die Schulen werden von Jugendlichen aus verschiedenen Kulturen, Religionen und Ländern besucht. Man muss das Schulsystem offener gestalten", meinte Profumo.

Seine Worte lösten hitzige Reaktionen aus. Orazio Ruscica vom Gewerkschaftsverbands der italienischen Religionslehrer betonte, dass die heutigen Programme bereits multikulturellen Religionsunterricht vorsehen. Der Religionsunterricht sei vom Konkordat zwischen dem italienischen Staat und der Kirche geregelt, daran dürfe man nicht rütteln.

Wird nicht als Doktrin unterrichtet

Dieser Ansicht ist auch der Direktor des katholischen Vereins "Cultura Cattolica", Pater Gabriele Mangiarotti. "Religion wird in den italienischen Schulen nicht als Doktrin, sondern als Hilfe für Jugendliche unterrichtet, eine wichtige kulturelle Komponente unserer Geschichte und Gesellschaft zu begreifen. Der Religionsunterricht soll auch die Integration von Schülern aus verschiedenen Kulturkreisen und Religionen fördern", meinte Mangiarotti.

Gegen eine Revision des Religionsprogramms in der italienischen Schule erklärte sich der vatikanische "Kulturminister", Kardinal Gianfranco Ravasi. "Die Botschaft der Evangelien und die großen christlichen Lehren müssen Kindern beigebracht werden. Es besteht jedoch Raum, um sich der heutigen Kultur und den Änderungen in der Gesellschaft anzupassen. Es ist bestimmt wichtig, die Didaktik zu revidieren, an dem Inhalt darf jedoch nicht gerüttelt werden", erklärte Ravasi.

In Italien ist derzeit der Religionsunterricht ein ordentliches Lehrfach auch an den staatlichen Schulen, allerdings können sich Schüler auf eigenen Wunsch von der Teilnahme befreien lassen. Die Lehrkräfte sind speziell ausgebildete Laien oder Priester.

(APA)

Kommentar zu Artikel:

Italien: "Religionsunterricht hat keinen Sinn mehr"

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen