Wiener Kunstschule sperrt zu

Nächstes Jahr schließt die Ausbildungsstätte. Den schwarzen Peter dafür schieben sich Schule und die MA 13 gegenseitig zu.

(c) Clemens Fabry

Die Wiener Kunstschule stellt Ende 2014, im 60. Jahr ihres Bestehens, ihren Betrieb ein. Leiterin Nicoletta Blacher begründet das damit, dass die Stadt Wien "kurzfristig gänzlich" die Förderung einstellen wird. Dort weist man das zurück: "Nicht wir stellen die Förderung ein, sondern die Kunstschule hat beschlossen, den Betrieb einzustellen", so Bildungsabteilungsleiterin Brigitte Bauer-Sebek.

Die Wiener Kunstschule ist eine nicht-akademische Aus- und Weiterbildungsstätte für bildende und angewandte Künste und kann ab 17 Jahren besucht werden. Eine Aufnahmeprüfungen gab es nicht. Nach einem Orientierungsjahr quer durch alle Disziplinen und einer Übertrittsprüfung folgt die Spezialisierung in einem von neun Schwerpunkten, etwa Animation und Experimentalfilm, Bildhauerei oder Grafikdesign. Laut MA 13 starten jährlich rund 100 Studenten das Orientierungsjahr, 80 verteilen sich auf die restlichen Semester. Matura ist nicht Voraussetzung, der Abschluss ist ein Diplom.

Kein qualifizierter Abschluss

Mit diesem könnten die Absolventen allerdings nichts anfangen, verweist Bauer-Sebek auf eine entsprechende Bewertung durch das Unterrichtsministeriums aus dem Jahr 2011. Die Stadt Wien habe die Kunstschule deshalb dazu aufgefordert, sich um einen qualifizierten Abschluss - beispielsweise durch Umwandlung in ein Kolleg oder eine Fachhochschule - zu bemühen und bis Ende des Jahres ein Konzept für eine solche Reform vorzulegen.

Das sei allerdings nie passiert, so die MA-13-Leiterin. Dabei hätte die Kunstschule, die einen höheren Budgetbedarf angekündigt habe, dadurch gleichzeitig Zugang zu weiteren Fördermitteln etwa vom Unterrichts- bzw. Wissenschaftsministerium erhalten. Unabhängig davon habe die Stadt die Kunstschule aber weiterhin gefördert und hätte das auch über 2014 hinaus getan, wie Bauer-Seibek betont. Der Vorstand habe allerdings überraschend das Aus beschlossen.

Wurde Ende erzwungen oder nicht?

Der Vorstand der Kunstschule besteht unterdessen darauf, dass die Schließung erfolgt, weil er "wegen des angekündigten stufenweisen Rückzugs" der Stadt Wien aus der Finanzierung "kein seriöses Budget für 2014 erstellen konnte". Bisherige Bemühungen, die notwendige Finanzierung über zusätzliche Projekte und Angebote zu gewährleisten, seien nicht erfolgreich gewesen. Vorstand und Schulleitung hoffen zwar noch auf eine mögliche Weiterführung mit neuen Partnern aus Wirtschaft, Bildung und Kultur - "das kann aber nur parallel erfolgen und die gesetzten Maßnahmen werden derzeit dadurch nicht tangiert", heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Derzeit wird laut Vorstand und Schulleitung "auf Hochtouren" mit der Stadt verhandelt, um die Finanzierung bis Ende 2014 abzusichern. Damit soll ein "sozial verantwortliches und pädagogisch sinnvolles Ausstiegsszenario" ermöglicht werden, bei dem noch möglichst viele Studenten ein Abschlussdiplom oder aber zumindest ein Zwischenzeugnis oder ein Jahreszeugnis über das Orientierungsjahr erhalten, das den Übertritt in andere Institutionen ermöglicht.

(APA)

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