Töchter von Migranten werden in Schule diskriminiert

Laut einer Studie berichten Migrantinnen zweiter Generation von Diskriminierung. Höhere Bildung scheitert aber auch an den Eltern.

(c) Clemens Fabry

Töchter von Migranten sind in punkto Bildung häufig mit Diskriminierung konfrontiert - was auch zum Scheitern führen kann. Das zeigt eine Studie des Expertennetzwerks learn forver, die am Mittwoch präsentiert wurde. Konkret wurden dafür 37 Frauen mit Eltern aus der Türkei oder Ex-Jugoslawien im Detail befragt. Fast alle berichten demnach von diskriminierenden Erfahrungen in Kindergarten, Schule und am Arbeitsmarkt – jene mit türkischen Wurzeln noch mehr als die anderen.

Die Eltern der Befragten hatten zwar wie die Frauen selbst höhere Bildung als Ziel. Die Frauen trafen allerdings auf Hemmnisse wie etwa die Zuweisung in die Sonderschule, in schlechtere Leistungsgruppen oder die „automatische“ Empfehlung für die Hauptschule anstelle des Gymnasiums wegen (unterstellt) schlechter Deutschkenntnisse. Bei einigen Befragten führte laut Bericht auch Mobbing aufgrund ihrer Herkunft zu schlechteren Leistungen bzw. Schulabbruch.

Wenig Unterstützung durch Eltern

Unterstützung durch die Eltern ist oft an Sprachproblemen, zu wenig Geld für Nachhilfe oder zu geringer Kenntnis des österreichischen Schulsystems gescheitert, zeigt der Bericht. Demnach haben weder Eltern noch Schülerinnen erfasst, was der Besuch von Sonder- oder Hauptschule bedeutet und sie waren auch bei der Entscheidung für eine weiterführende Schule oder Berufsausbildung wegen Unkenntnis ihrer Möglichkeiten überfordert.

Bei der Lehrstellensuche berichten vor allem Frauen mit Kopftuch von Diskriminierung, die Berufsausbildung fand bei den Befragten oft in schlecht bezahlten Bereichen (Handel, Gastronomie) statt. Als Reaktion darauf, dass die Mehrheitsgesellschaft sie noch immer als Ausländerinnen sieht, obwohl sie selbst sich als Österreicherinnen definieren, ziehen sich die Frauen häufig in ihre Community zurück.

Bessere Verteilung von Migranten

Die Liste der Lösungsvorschläge, die die Wiener Non-Profit-Frauenorganisation abz*austria und das Bildungszentrum Saalfelden auf Basis der Befragung machen, ist lag. Sie umfasst u.a. mehr muttersprachliche Information der Eltern zum österreichischen Schulsystem, eine bessere Verteilung von Kindern mit Migrationshintergrund auf verschiedene Klassen und Schulungen von Lehrern sowie Schulleitern in interkultureller Kompetenz, um die wachsende Zahl von Migrantenkindern gut betreuen zu können.

Wichtig wäre laut den Empfehlungen auch ein leichterer Wechsel zwischen den Schultypen, bessere Angebote zur Berufsorientierung auch durch Berater mit Migrationshintergrund und Lobbying bei Lehrbetrieben und Unternehmen zu den Vorteilen von Mehrsprachigkeit. Um Frauen der Zweiten Generation mit niedriger Bildung zu erreichen, brauche es außerdem niederschwellige Strategien, um den Frauen den Nutzen von Weiterbildung zu vermitteln - etwa Informationen bei Eltern-Kind-Treffen, Familienberatungsstellen, in Kindergärten etc.

(APA)

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