Lärm in der Schule zerrt an Nerven der Lehrer

Die Lärmbelastung in Volksschulen entspricht laut einer Studie der durch einen Staubsauger. Für Lehrer eine "nervliche Zerreißprobe".

(c) Clemens Fabry

In den Klassenzimmern der steirischen Volksschulen gibt es offenbar ein gravierendes Lärmproblem: Wie eine Studie von Psychologen der Universität Graz gezeigt hat, liegt der mittlere Schalldruckpegel während des Unterrichts bei 68 Dezibel, was dem Lärm eines durchschnittlichen Staubsaugers in einem Meter Entfernung entspricht. Das wird nicht zuletzt von den Lehrern als belastend empfunden.

Wer etwas lernen will, muss zuhören können. Und dazu müssen in den Klassenzimmern auch die akustischen Verhältnisse stimmen. Die nun vorgestellte Studie, die in Kooperation des Psychologischen Instituts der Uni Graz mit dem Umwelt-Bildungs-Zentrum durchgeführt und von der steiermärkischen Landesregierung finanziert wurde, hat in vorerst 14 ausgewählten Volksschulen sowohl die akustische Bedingungen als auch das Hörvermögen der Lehrenden und deren subjektives Lärmempfinden erhoben.

Im Schnitt 68 Dezibel

Der in den Klassen gemessene Schalldruckpegel betrug im Mittel 68 Dezibel. "Das ist deutlich höher als der vorgeschriebene Grenzwert für 'überwiegend geistige Tätigkeiten' von 50 Dezibel", sagte der Grazer Psychologe Marc Andre Günther, der die Studie gemeinsam mit Petra Steinlechner abgewickelt hat. Auch die Nachhallzeiten liegen bei mehr als einem Drittel der getesteten Volksschulklassen über dem Toleranzbereich.

"Das sind weder für die Schüler - die dadurch weniger konzentriert arbeiten können - noch für die Arbeitstätigkeit der Volksschullehrer optimale Bedingungen", sagte Günther. Das bestätige auch ein eigens entwickelter Lehrer-Fragebogen: Insgesamt zeigte sich im Vergleich zu Lehrern in Höheren Technischen Lehranstalten "eine erhöhte subjektive Lärmbelästigung sowie ein erhöhtes Ruhebedürfnis".

"Nervliche Zerreißprobe"

Durch die anhaltende Geräuschkulisse aus scharrenden Füßen, Lachen und Schreien und hin- und hergeschobenen Tischen und Sesseln seien Lehrer anhaltend gefordert, ein ruhiges Arbeitsklima wiederherzustellen, was auf die Dauer zu einer "nervlichen Zerreißprobe" werden könne, so Günther. Immerhin: Gehörschäden wurden im Zuge der Höruntersuchung nicht festgestellt.

In einer Folgestudie will man jetzt - gekoppelt mit Lärmmessungen - untersuchen, ob und inwieweit der Lärm das Herz-Kreislaufsystem der Lehrenden belastet. Auch Zusammenhänge zwischen Lärmbelastung und verschiedenen Fächern und Unterrichtsstilen sollen genauer angeschaut werden. Schon jetzt aber wird von den Experten dringend eine Sensibilisierung der Schüler sowie die akustische Optimierung von Klassenzimmer durch Vorhänge, Teppiche oder Filzstopper an Tisch- und Sesselbeinen empfohlen.

(APA)

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