Jeder fünfte Schüler ist Mobbing-Opfer

Die Mehrheit der Schüler berichtet laut einer steirischen Schule von Mobbing. Experten warnen: "Die Situation scheint sich zu verschärfen."

(c) Clemens Fabry

Mobbing in der Schule nimmt zu und ist in immer diverseren Ausprägungen Realität. Zu diesem Schluss kommt eine von der Arbeiterkammer Steiermark in Auftrag gegebene Studie, die am Freitag in Graz präsentiert wurde. Sie erhob in 56 verschiedenen steirischen Schulen Antworten von knapp 1200 Kindern und Jugendlichen. "Die Ergebnisse sind alarmierend", betonte AK-Präsident Josef Pesserl.

Die Studie wurde im März in Volksschulen, Unterstufen- und Oberstufenklassen durchgeführt, berichtete Autorin Claudia Brandstätter. Die Ergebnisse legten nahe, dass "Mobbing, Bullying, Ärgern und Beleidigen mehrheitlich Realität" an steirischen Schulen sind. Bereits 61,7 Prozent der Volksschüler kannten den Begriff "Mobbing". Aus den Antworten aller 1182 eingesammelten Fragebögen ging hervor: 56,1 Prozent wissen von Mobbing in ihrer Klasse oder Schule und 61,1 Prozent würden auch etwas unternehmen - die Mehrheit von 30,3 Prozent stelle den "Täter" zur Rede.

"Mobbing beginnt in der Volksschule"

"Mobbing beginnt bereits in der Volksschule, in den Oberstufen wird die Angst davor weniger. Man lernt anscheinend während der Schulzeit damit umzugehen", meinte Brandstätter. 264 Schüler (22,6 Prozent) gaben an, selbst Opfer von Angriffen zu sein, fast die Hälfte von ihnen wird entweder jeden Tag oder zumindest mehrmals im Monat gemobbt. "Die Pausenzeit ist keine Erholzeit sondern Mobbingzeit", stellte die Studienautorin fest.

Im Gegensatz zu früher habe Intensität und die Vielfalt beim Mobbing zugenommen: "Heute gibt es ein ganzes Repertoire an Möglichkeiten, um andere zu ärgern oder beleidigen", schilderte Brandstätter. Mit 56,3 Prozent am häufigsten werden Schimpfwörter oder gemeine Spitznamen benutzt. Weit vorne in der Hitliste der Gemeinheiten rangieren auch verspotten (38,7 Prozent), schubsen, zwicken oder schlagen (26,1 Prozent) sowie das Schlechtmachen bei anderen (25,2 Prozent).

Handys und Smartphones würden Mobbing leichter machen, behauptete die Mehrheit der befragten Kinder und Jugendlichen, wobei 64,4 Prozent der Volksschüler angaben, selbst schon ein Mobiltelefon zu haben. Das sogenannte Cyber-Bullying (negative Nachrichten über andere auf Facebook hinterlassen, Anm.) sei bisweilen eher die Ausnahme, so die Autorin.

"Problematik scheint sich zu verschärfen"

Schulpsychologe Josef Zollneritsch meinte, dass im Gegensatz zu früher der Bewusstseinsstand gestiegen sei und oft eine bestimmte "Täter-Opfer-Struktur" zu erkennen sei: "Die Frage ist, schaut wer hin oder überlassen wir es den Kindern selbst?" Unisono gefordert wurde mehr Unterstützungspersonal in Schulen - zum Beispiel in Form von Psychologen wie etwa in Skandinavien. "Die Problematik scheint sich zu verschärfen. Wir müssen das ernst nehmen."

(APA)

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