Schuluniform: Jenseits von in und out

Einheitliches Erscheinungsbild statt bunte Vielfalt? Vor allem Privatschulen pflegen die Tradition der Schuluniform. Die „Presse“ hat sich in zwei Schulen umgesehen – und die Schüler nach ihrer Meinung gefragt.

(c) EPA (Stephen Pond)

WIEN. Ist man zwischen sieben und acht Uhr früh unterwegs und es begegnen einem viele Kinder und Jugendliche in dunkelblauen Röcken beziehungsweise dunklen Hosen ist eine Privatschule meist nicht weit entfernt. Es sind vor allem konfessionelle Schulen, die auch heute noch auf eine einheitliche Schulbekleidung setzen. Freilich hat auch hier die Zeit ihre Spuren hinterlassen. Denn was vor 30 Jahren beispielsweise an der katholischen Volksschule Notre Dame de Sion in Wien-Neubau noch undenkbar schien – Mädchen und Buben in Jeans! – ist auch dort heute gang und gäbe.

Anno 1975 trugen Mädchen an dieser Schule dunkelblaue Faltenröcke und Buben graue Flanellhosen. Hellblaue oder weiße Blusen beziehungsweise Hemden komplettierten die Alltagskleidung. Heute tummeln sich im weitläufigen Schulgarten Mädchen und Buben in dunklen Hosen beziehungsweise Röcken – und in Jeans.

 

Blaue Kapuzenjacken

Blusen und Hemden wurden durch mittelblaue Shirts mit aufgedrucktem Schullogo sowie dunkelblaue Pullover beziehungsweise Kapuzenjacken ersetzt. So können sich die Mädchen und Buben trotz Schulkleidung nach Lust und Laune und ohne Bewegungseinschränkung austoben – ob in der Sandkiste, auf dem Klettergerüst oder schlicht beim Fangenspielen. Für das jährliche Sommerfest wird jedes Jahr ein Kurzarmshirt in einer bunten Farbe produziert, erzählt Schuldirektorin Gabriele Großebner. Diese dürfen dann auch unter dem Jahr getragen werden und sorgen für Farbtupfer im Meer der hell- und dunkelblau gekleideten Kinder. Die Schulbekleidung sei in der Hausordnung verankert und werde von den Eltern „sehr positiv aufgenommen“, betont Großebner.

 

Shirts mit Schullogo

Wie aber beurteilen Schüler die vorgegebene Kleidung? Ortswechsel zu AHS-Schülern des Sacré Coeur am Rennweg. Auch hier dominiert die Farbe Blau. Hosen und Röcke haben dunkelblau zu sein, Oberteile hellblau oder weiß. Auch am Sacré Coeur werden eigens Shirts und Pullover mit dem Schullogo produziert.

Marie Bieber (15) sagt dazu: „Meiner Meinung nach ist die Schuluniform eine sehr gute Sache. Kein Schüler muss sich darüber Gedanken machen, ob er ein Outfit anhat, das im Moment in ist, oder ob er im Gegenteil etwas völlig Uncooles anhat, weswegen ihn seine Mitschüler auslachen würden. Natürlich ist es toll, cooles Gewand anziehen zu können und mit seinen Freunden oder Freundinnen shoppen zu gehen – aber ist es toll, wenn man verspottet und ausgelacht wird, nur weil die neueste Mode nicht nach dem eigenem Geschmack ist? Nicht wirklich, oder? Da ist es besser, wenn man zwar etwas Einheitliches anhat und sich dafür nicht sorgen muss, ob man bei den anderen auch gut ankommt.“

 

Eine Art Corporate Design

„Ich gehe seit der ersten Klasse Volksschule in das Sacré Coeur und die Schuluniform begleitet mich schon mein Schulleben lang“, erzählt die 15-jährige Aurelia Littig. „Sie macht uns alle zu einer Gemeinschaft, in allen Sacré-Coeur-Schulen auf der Welt. Sie ist etwas Besonderes. Die Festuniform gefällt mir besonders gut, denn die Krawatte der Burschen passt zu den Tüchern der Mädchen. Doch ich denke, dass sie auf die Dauer ein bisschen kostenaufwendig sein kann. Dennoch mag ich unsere Schuluniform sehr und ziehe sie auch gerne an.“

Den Gemeinschaftsaspekt streicht auch Bedirhan Boztepe (15) hervor: „Die Schulkleidung kann als Markenzeichen, als eine Art Corporate Design zum Erkennungsmerkmal der Schule werden, und trägt dazu bei, das Gemeinschaftsgefühl unter den Schülerinnen und Schülern zu stärken. Solange die Schulkleidung für alle leistbar bleibt, werden die sozialen Unterschiede, die ihren Niederschlag in Bekleidungsarten – zum Beispiel durch Prestigemarken – finden, durch die einheitliche Schulkleidung in den Hintergrund gerückt.“

Ähnlich formuliert es auch die 14-jährige Anna Hufnagl: „Die Schuluniform drückt aus, dass wir alle Teil einer Gemeinschaft sind. Unsere äußere Erscheinung soll nicht das Maß sein, nach dem wir beurteilt werden, sondern unser Gegenüber soll sich mit dem Charakter jedes Einzelnen von uns auseinandersetzen.“

 

Manchmal langweilig

„Schuluniform – das ist natürlich ein sehr kontroverses Thema“, meint dagegen Julian Kornprobst (16). „Anfangs eher ungewohnt, möchte man sie nach einiger Zeit allerdings nicht mehr missen. Nicht nur, dass es dadurch keine äußerlichen Unterschiede durch die Kleidung mehr gibt, wird auch die Gemeinschaft an der Schule unglaublich gestärkt. Es entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl, die Schüler wachsen als Mitglieder der Schule noch mehr zusammen.“ Er gibt aber doch zu, „natürlich ist es manchmal langweilig, immer nur dasselbe anzuziehen – doch mittlerweile ist die Uniform akzeptiert und wird gern getragen“.

www.privatschulen.at

 

www.sacre-coeur.at

SCHULKLEIDUNG

Innerhalb Europas gibt es nur in Polen eine Pflicht zur Schuluniform. Außer in Großbritannien und Irland sind Uniformen sonst kaum verbreitet.

Indien, Japan, Mexiko, Brasilien oder Kuba setzen auf streng einheitliche Kleidung. In Indien besteht an einigen Schulen auch für Lehrerinnen Schürzenpflicht – damit ihre Rundungen die Schüler nicht vom Lernen abhalten.

In Deutschland gibt es seit 2000 an einigen staatlichen Schulen eine Schulkleidung: Aus einer Kollektion können die Schüler wählen, was sie tragen wollen.

In arabischen Ländern sind Kopftücher für Schülerinnen Pflicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2008)

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