Heftige Kritik an einheitlichen Matura-Fragen

Mit einer standardisierten Matura will Ministerin Schmied die Reifeprüfung aussagekräftiger machen. Dabei werden alle Fragen zentral vorgegeben - was heftig kritisiert wird.

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)

"Im Juni 2014 wird es in den allgemeinbildenden höheren Schulen die erste standardisierte Reifeprüfung geben", sagte Unterrichtsministerin Claudia Schmied am Donnerstag. Und präsentierte dazu den Fahrplan. Derzeit würden die Qualitätsstandards ausgearbeitet, damit die österreichische Matura künftig aussagekräftiger und auch international anerkannt wird. Kritiker sagen,dabei könne nur "Minimalwissen" abgeprüft werden.

"Wir haben an den österreichischen Schulen ein Qualitätsproblem, deshalb müssen wir es schaffen, vom Neusiedlersee bis zum Bodensee einen einheitlich guten Unterricht anzubieten,", betonte Schmied. Diese Qualität könne sie österreichweit derzeit nicht garantieren.

Die neue Reifeprüfung soll in der AHS starten und dann auf weitere Schularten ausgeweitet werden. Im Frühling soll die Regelung vom Ministerrat beschlossen und im Laufe dieses Schuljahres mit den Schulpartnern diskutiert werden.

Pilotschulen treten heuer an


Bis zum Schuljahr 2013/14 wird die neue Reifeprüfung in Zusammenarbeit mit Praktikern und Pilotschulen für alle relevanten Klausurgegenstände (Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen, Darstellenende Geometrie, Physik, Biologie) erprobt. Bereits heuer sollen fast alle Schulen in Englisch antreten. Das Konzept wird an 80 Pilotschulen getestet.

Die Reifeprüfung soll sich aus drei voneinander unabhängigen Prüfungsteilen zusammensetzen: Die vorwissenschaftliche Arbeit soll die Studierfähigkeit der Absolventen, die Präsentationskompetenz und Diskursfähigkeit unter Beweis stellen. Die Klausurprüfung stellt in ihrer standardisierten Form das zentrale Element der Reifeprüfung dar und wird an österreichweit einheitlichen Prüfungsterminen abgelegt. Dritte Säule ist die mündliche Prüfung: Sie soll schulspezifische Elemente bewahren, die Prüfungsgebiete sind nach Maßgabe schulautonomer Lehrplanbestimmungen geringfügig variabel.

Für Gewerkschaft zu wenig "anspruchsvoll" 


"Enttäuscht" reagierte die AHS-Gewerkschaftsvorsitzende Eva Scholik auf die Pläne für die standardisierte Reifeprüfung. Sie kritisierte, dass bei der schriftlichen Prüfung nicht nur ein Teil der Fragen, sondern alle zentral vorgegebenen werden sollen. Ohne Berücksichtigung der verschiedenen AHS-Typen könne man aber nur "Minimalwissen" abprüfen. Eine solche Matura sei "zu wenig anspruchsvoll", so Scholik.

Ein weiterer Kritikpunkt, der nicht berücksichtigt worden sei: Negative schriftliche Klausuren können nicht mehr durch eine mündliche Prüfung ausgebessert werden. Begründet wird das vom dafür zuständigen Bundesinstitut für Bildungsforschung BIFIE damit, dass bei schriftlichen und mündlichen Aufgaben unterschiedliche Kompetenzen abgefragt würden. "Das steht nicht im Einklang mit der Leistungsbeurteilungsverordnung", so Scholik. Schließlich hätten Schüler während ihrer gesamten Schullaufbahn die Möglichkeit, negative Klausuren mündlich auszubessern.

Schülerunion ist "schockiert"


"Schockiert" zeigte sich die ÖVP-nahe Schülerunion über den Plan für eine zentrale Klausur mit identen Fragen. "Solange die Bildungsstandards nicht in ganz Österreich gleichgesetzt sind, wäre es fatal, allen Schülerinnen und Schülern zuzumuten, die gleiche Matura zu absolvieren" , sagte Bundesobmann Matthias Hansy.

(APA/Red.)

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