Khorchide-Studie: Islam-Lehrer als Problemfall

Jeder fünfte Religionslehrer lehnt Demokratie ab, 14,7 Prozent sind gegen die österreichische Verfassung. Das Bildungs-Ministerium fordert einen Bericht von der Islamischen Glaubensgemeinschaft.

Wiener Akademie f�r ISLAMISCHESTUDIEN ALAZHAR  Inern.  Vienna  DR. MOUSA Foto Harald Hofmeister
Wiener Akademie f�r ISLAMISCHESTUDIEN ALAZHAR  Inern.  Vienna  DR. MOUSA Foto Harald Hofmeister
(c) (Harald Hofmeister)

WIEN. Jeder fünfte islamische Religionslehrer (exakt 21,9 Prozent) hat ein Problem mit der Demokratie. Und das sagt er auch so. Zu diesem Ergebnis kommt der Soziologe und Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide in einer der „Presse“ vorliegenden, sorgfältig durchgeführten schriftlichen Umfrage im Rahmen seiner Dissertation. Und die enthält neben dieser Aussage noch weitere brisante Daten: So lehnen 14,7Prozent die österreichische Verfassung ab, 13,9Prozent halten die Teilnahme an Wahlen für nicht mit dem Islam vereinbar und 28,4Prozent sehen einen Widerspruch darin, gleichzeitig Moslem und Europäer zu sein.

Doch damit nicht genug: Unter den islamischen Religionslehrern halten auch 18,2 Prozent die Todesstrafe bei Apostasie – also dem Abfall vom Islam – für gerechtfertigt. Immerhin noch 8,5Prozent haben Verständnis dafür, wenn Gewalt zur Verbreitung des Islam angewendet wird.

 

 

Dass Einstellungen wie diese höchst problematisch sind, sieht auch Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), so. Direkte Konsequenzen könne man aus der Studie jedoch nicht ziehen, schließlich seien die Fragebögen anonymisiert gewesen. „Und gegen eine private Meinung, die ich nicht kenne, kann ich nicht vorgehen“, so Schakfeh. Sollte ein Lehrer derartige Aussagen in einer Klasse machen, würde es jedoch Konsequenzen geben.

Gerade die IGGiÖ ist es allerdings, die für die Bestellung der islamischen Religionslehrer verantwortlich ist – jenseits jeglicher staatlichen Aufsicht. Die Konsequenz daraus war, dass auch mangelhaft oder gar nicht entsprechend Ausgebildete plötzlich Lehrer werden durften: 37 Prozent der heute tätigen Religionslehrer haben keine theologische, 41 Prozent keine pädagogische Ausbildung – auch das ein Ergebnis der Studie.

In der Glaubensgemeinschaft führt man diese Zahlen, die die Stadtzeitung „Falter“ als Erster nannte, auf Altlasten zurück – bei der Einführung des islamischen Religionsunterrichts im Jahr 1982 gab es in Österreich keine dafür qualifizierten Lehrer, sie wurden unter anderem aus der Türkei importiert. Erst 1998 wurde mit der Islamischen Religionspädagogischen Akademie (IRPA) in Wien eine eigene Ausbildungseinrichtung gegründet.

Seither hat sich einiges gewandelt, meint auch Studienautor Khorchide: „Die zweite Generation von Religionslehrern identifiziert sich viel stärker mit Österreich. Bei denen gibt es diese Defizite kaum mehr.“ Allerdings: Die jüngeren Lehrer legen bei der Ausbildung weniger Wert auf kritische Reflexion als auf die Vermittlung von Ritualen und Gesetzen. Es bleibt also noch viel zu tun.

 

Ministerium fordert Bericht an

Die Reaktionen auf die Studie klingen alarmiert: Von „besserer Aufsicht“ (Grüne) über „eingreifen“ (ÖVP) bis „sofort suspendieren“ (FPÖ) und „Ausweisung von Lehrern“ (BZÖ) reichten die Stellungnahmen aus den Parteibüros. Auch im Unterrichtsministerium will man die IGGiÖ nun härter anfassen und fordert einen umfassenden Tätigkeitsbericht über die Arbeit der islamischen Religionslehrer an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2009)

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