AHS-Plätze: Wer entscheidet?

Ein neues Verfahren startet, der Direktor muss mehr beraten, aber: Wer das letzte Wort hat, bleibt weiter unklar.

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)

Wien. Kann ein AHS-Direktor all jene Eltern zufriedenstellend beraten, deren Kind er keinen Schulplatz im eigenen Haus anbieten konnte? Er kann. Oder besser gesagt: Er muss. Denn nach dem Modell „AHS-Aufnahme neu“ , das mit Beginn der Anmeldewoche heute, Montag, wirksam wird, liegt es an den Direktoren, für die Zufriedenheit aller Eltern zu sorgen.


Soll heißen: Der Schulleiter führt nicht nur Erstgespräche in der Anmeldewoche (dafür gab es heuer die Möglichkeit der Terminreservierung, um Wartezeiten zu vermeiden) – er hat auch danach Eltern abgewiesener Kinder zu beraten. Wenn klar ist, wie viele Kinder übrig bleiben, soll eine Steuerungsgruppe aus Direktoren, Eltern- und Stadtschulratsvertretern Lösungen erarbeiten. Aufnahmekriterien bleiben Zeugnisnoten, Wohnortnähe sowie G

eschwister des Kindes an der Wunschschule.
Die Beantwortung der Kernfrage hat der Stadtschulrat damit erfolgreich vermieden: Ob ein Direktor wirklich selbst entscheiden darf, wann seine Schule „voll“ ist (d. h. alle Schüler ablehnt, die die Klassenschülerzahl über 28 steigern sowie räumliche Kapazitäten überschreiten würden), ist unklar. Doch genau dieser Aspekt verursachte im Vorjahr massive Probleme, als Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl jedem Kind – ungeachtet der räumlichen Kapazitäten mancher Schulen – seine Wunschschule „versprach“.


„Sicher nicht so wie damals“ wolle man heuer agieren, so Stadtschulratssprecher Matias Meißner. Durch das Delegieren der Nachberatung an die Direktoren solle vermieden werden, dass beliebte Schulen „zu locker“ abweisen. Wenn sie jedoch voll belegt sind? „Dann muss es zu einer informellen Lösung kommen“ so Meißner.


„Es muss gehen“


Ob die „informelle“ Lösung, also das Beraten der abgewiesenen Eltern, für die Direktoren zeitlich bewältigbar ist, bleibt fraglich. „Es muss gehen“, meint Albert Schmalz, Direktor des Bernoulligymnasiums in Wien Donaustadt (BRG 22), „anderes muss eben zurückgestellt werden“. Die AHS-Plätze in Donaustadt sind traditionell knapp, das BRG 22 beliebt. Auf Abhilfe hofft Schmalz heuer durch die neue Schule am Contiweg: „Möglich, dass wir nur wenige Schüler abweisen müssen. Und wenn, dann versucht man Eltern schon vorher zu beraten, damit sie Konsequenzen ziehen“.


Genau hier setzt Peter Schönhubers Kritik an: Der Elternvereins-Obmann im Akademischen Gymnasium bezweifelt, dass sich alle Eltern durch Beratung von ihrem Schulwunsch abbringen lassen. Und: „Was, wenn viel mehr Eltern auftauchen, als bisher Termine reserviert wurden? Dürfen wir dann wirklich ablehnen?“. Derzeit stehen den 56 Schulplätzen 72 Anmeldungen zu Aufnahmegesprächen gegenüber – wie viele noch hinzukommen, wird sich erst im Lauf der Woche zeigen.

 

Run auf Neue Mittelschulen


Nach einer aktuellen Umfrage der Arbeiterkammer rechnet jede siebte Wiener Familie damit, ihr Kind nicht in der Wunschschule unterbringen zu können. Erleichterung verspricht sich der Stadtschulrat von der Neuen Mittelschule: An sechs AHS- und vierzehn Hauptschulstandorten können Schüler erstmals für dieses Schulmodell angemeldet werden.
Knapp sind Plätze jedoch auch hier: Das Gymnasium Kandlgasse in Neubau verzeichnet 200 Anmeldungen zum Erstgespräch – aufgenommen werden etwa 80 Kinder.

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