Eine Schülerin mit einer Mission: Lernen, wie es uns gefällt

Die 15-jährige Berlinerin Alma de Zárate hat mit zwei Mitschülerinnen ein Buch geschrieben. Sie wollen die Schule reformieren.

(c) BMWFW

Berlin. Es fällt schwer zu glauben, dass Alma de Zárate eben erst 15 Jahre alt geworden ist. Und zwar nicht nur, weil sie ein Buch geschrieben hat. Sondern auch, weil die Schülerin mit einer Ernsthaftigkeit spricht, die man einer 15-Jährigen gar nicht zutraut. Und vor einer Runde von Uni-Professoren und Politikern (aus Österreich) beschreibt, was sie an konventionellen Schulen so schrecklich findet. Frontalunterricht zum Beispiel: „Die eine Hälfte der Schüler ist schon fertig, die andere kommt überhaupt nicht klar“, sagt sie etwa. „Ich frage mich immer: Wer kommt denn auf so etwas?!“

Weil sie zeigen will, dass es auch ganz anders geht, hat sie mit ihren Mitschülerinnen Jamila (15) und Lara-Luna (16) – und mit der Unterstützung des „Stern“-Journalisten Uli Hauser – ein Buch geschrieben. „Wie wir Schule machen“ heißt es. Schon der Untertitel könnte manchen stutzig machen: „Lernen, wie es uns gefällt“, lautet er. 15-Jährigen gefällt es zu lernen?

 

Schüler als Ideengeber

An der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, die Alma, Jamila und Lara-Luna besuchen, offenbar schon – was man bereits bemerkt, wenn man durch die Räumlichkeiten geht: Die Atmosphäre ist entspannt. Die Schüler erarbeiten sich in altersgemischten Gruppen selbstständig den Stoff. (Alma: „Es ist ja total langweilig, wenn alle gleich sind“). Und sie schwärmen von Schulfächern wie „Herausforderung“ – ab 13 Jahren müssen die Schüler der Evangelischen Schule jedes Jahr drei Wochen lang mit 150 Euro irgendwo außerhalb von Berlin zurechtkommen.

Anstelle ihrer letzten Herausforderung hat Alma nun dieses Buch geschrieben, wie sie der „Presse“ erzählt. „Eigentlich wollten wir segeln gehen, aber der Skipper ist krank geworden. Und die Idee für das Buch war schon da, also haben wir einmal drauflosgeschrieben.“ Ursprünglich war das ein Einfall von Schulleiterin Margret Rasfeld, die ihren Schülern auch sonst viel Verantwortung übergibt: Die Schüler sind es, die Lehrern anderer Schulen bei Fortbildungen erzählen, was Sache ist. Seit einiger Zeit coachen sie sogar Manager. Zu sagen haben sie also etwas. „Nur: In der Bildungsdiskussion fragt eigentlich nie jemand, was die Schüler wirklich wollen“, sagt Alma.

 

„Wir wollten uns einmischen“

„Wir wollten uns in die Debatte einmischen und versuchen, ganz vielen Schülern eine Stimme zu geben“, so Alma. „Immer reden Lehrer, Politiker, Wissenschaftler über die Schule. Dabei kann Schule ohne Schüler doch nicht funktionieren.“ Ihr Ziel: „Wir wollen die Leute überzeugen, dass es auch anders geht.“ Wie konkret – ob wie an der Evangelischen Schule oder ganz anders –, das müsse jeder selbst überlegen. Übrigens auch ein Auftrag an Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP), der Alma bei seiner jüngsten Berlin-Visite traf: In das Buchexemplar, das die Schülerin ihm überreichte, schrieb sie: „Seien Sie mutig!“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2014)

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