Wirbel um Deutschpflicht an Mödlinger Schule

Die Vienna Business School in Mödling will mit der Maßnahme Konflikte vermeiden. Anlass sei ein "interkultureller Konflikt" mit dem Reinigungspersonal gewesen.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

„Amtssprache Deutsch“ ist der Titel des Schreibens einer Mödlinger Direktorin, das über die Grenzen Niederösterreichs hinaus für Wirbel sorgt. Demnach dürfen die Schüler der dortigen privaten Handelsakademie – sie ist ein Ableger der Vienna Business School – außer im Fremdsprachenunterricht ausschließlich Deutsch sprechen. Das gilt auch in Pausen und bei Telefonaten.

Sollten Schüler mit ihren Eltern nur in einer anderen Sprache als Deutsch kommunizieren können, dürften diese Gespräche nur in einem Bereich der Schule geführt werden, „wo sich keine anderen Personen aufhalten, die sich auf irgendeine Art beleidigt fühlen könnten“, heißt es in dem Schreiben, das in sozialen Medien kursierte.

„Interkultureller Konflikt“

Die Maßnahme ziele auf „Konfliktvermeidung“ ab, wie Direktorin Marina Röhrenbacher gegenüber dem „Kurier“ erläutert: Anlass soll ein „interkultureller Konflikt“ mit dem Reinigungspersonal gewesen sein. Ein albanischer Schüler und eine mazedonische Reinigungskraft hätten sich in ihrer jeweiligen Muttersprache beschimpft. Der Streit habe auf eine türkische Schülerin „übergegriffen“.

In den sozialen Medien sorgte das Verbot für Empörung. Auch der grüne Bildungssprecher Harald Walser ist aufgebracht. „Das ist absolut kontraproduktiv und es ist einer Schule mit internationaler Ausrichtung unwürdig“, sagt Walser gegenüber der „Presse“. Ein Verbot, die jeweilige Muttersprache zu verwenden, sei ein Eingriff in die Privatsphäre und würde den Schülern vermitteln, dass ihre Muttersprache nichts wert sei.

Rechtlich nicht zulässig?

Der Jurist Bernd-Christian Funk bezweifelt, ob ein Verbot überhaupt rechtens ist: Grundsätzlich könne eine (Privat-)Schule zwar hausrechtliche Regelung erlassen – auch solche, die die Kommunikation betreffen. In der Schule generell andere Sprachen zu verbieten, finde er aber problematisch.

„Es ist sicher zulässig zu verlangen, dass im Schulunterricht die deutsche Sprache verwendet wird“, sagt Funk im Gespräch mit der „Presse“. „Ein darüber hinausgehendes Verbot anderer Sprachen scheint mir ein Eingriff, der vom Schulrecht nicht gedeckt ist. Das greift in die Privatsphäre der Schüler ein.“

Aus dem niederösterreichischen Landesschulrat heißt es: Man werde prüfen, auf welcher Rechtsgrundlage das Verbot erlassen wurde.

>>> Zum Artikel im Kurier

(beba)

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