Rot-grüne Bildung in Wien: Krippengarantie und Gesamtschule

Kindergarten und Schule sind zentrale Themen im neuen rot-grünen Wiener Koalitionspakt. Einiges wird noch zu Debatten führen.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Die Forderung der Grünen nach einem garantierten Kindergartenplatz ab dem zweiten Lebensjahr hatte die SPÖ vor einem Jahr noch abgelehnt: Das ginge auf Kosten der Plätze für Jüngere. Nun dürfte man einen Kompromiss gefunden haben, der weiter geht: sozusagen eine Krippengarantie. „In Zukunft erhalten alle Kinder unabhängig von ihrem Alter und der Erwerbstätigkeit der Eltern einen Kinderbildungs- und Betreuungsplatz.“

Ab wann genau, ist in dem Papier nicht definiert – so, wie übrigens auch der Begriff „Garantie“ nicht wörtlich darin steht. Klar ist: Soll das funktionieren, braucht es einen (ebenfalls in dem Papier angekündigten) massiven Ausbau der Krippen und der Kindergärten. Für die Platzvergabe soll es übrigens ab dem Jahr 2016 ein neues kooperatives System geben, in dem öffentliche wie private Kindergärten berücksichtigt sind. Die Sprachförderung soll ein Jahr früher – bei den Vierjährigen – begonnen werden. Dafür soll die Zahl der Sprachförderpädagogen aufgestockt werden, von bisher 120 auf 240 Pädagogen.

Gesamtschulversuch wie Vorarlberg

Was noch für gröbere Debatten sorgen wird: Wien will Modellregion für die Gesamtschule werden. Ähnlich wie das schwarz-grüne Vorarlberg das kürzlich erst getan hat, will die Stadt in einer Studie die Bedingungen klären und dann bei der Regierung (von der man sich durch die Bildungsreform Lockerungen erwartet, was die Möglichkeit für solche Gesamtschulversuche angeht) anklopfen. Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) hatte das zuletzt bereits anklingen lassen. Er rechnet für die Umsetzung einer Modellregion Wien – auch da ähnlich wie Vorarlberg – mit einem Zeitrahmen von zehn Jahren.

Bei den 1000 Lehrern mehr für Wien – die die Grünen plakatierten – verlässt man sich auf die Demografie. Frei übersetzt: 2020 wird es wegen des Wachstums der Stadt ohnehin mehr Lehrer geben (müssen). Nur sollen sie gezielter in Brennpunktschulen eingesetzt werden. Verschränkte Ganztagsschulen und ganztägige Betreuung sollen ausgebaut werden.

Wo sich die SPÖ klar durchsetzte: Die umstrittene Gratisnachhilfe – im offiziellen Wording heißt sie Förderung 2.0 – soll es weiter geben.

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