Neue Oberstufe: Eltern befürchten mehr Schulabbrecher

Der neue Elternvertreter Georg Schreyer fordert eine Verschiebung der modularen Oberstufe. Er ortet Verunsicherung und zahlreiche Baustellen.

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(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

Der neue Präsident des Bundesverbands der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen (BEV), Gernot Schreyer, plädiert für eine Verschiebung des flächendeckenden Starts der neuen Oberstufe um ein Jahr. Angesichts der "hohen Verunsicherung" an den Schulen müsse ein späterer Beginn als 2017/18 "ernsthaft geprüft" werden, so Schreyer bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Die neue Oberstufe soll spätestens 2017/18 an allen mindestens dreijährigen Oberstufenformen ab der 10. Schulstufe (6. Klasse AHS bzw. zweiter Jahrgang oder zweite Klasse an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen, land- und forstwirtschaftlichen Schulen sowie Bundesanstalten für Kindergarten- bzw. Sozialpädagogik) starten. Der Lernstoff wird dabei in je ein Semester umfassende Module unterteilt.

Bei einer negativen Note in einem Fach muss nicht die ganze Klasse wiederholt werden, sondern nur das jeweilige Modul. Mit zwei "Nicht genügend" kann man aufsteigen, bis zur Matura müssen aber alle Module positiv abgeschlossen sein. An rund 200 Schulen wird das Modell bereits erprobt - es hat aber nichts mit Schulversuchen mit einem "echten" Modulsystem in der Oberstufe zu tun, bei dem etwa einzelne Fächer abgewählt und in anderen Vertiefungen belegt werden können.

"Gibt noch einige Baustellen"

"Wir haben Signale aus den Schulen, dass da noch einige Baustellen existieren", so Schreyer. So gebe es etwa noch zu wenige in der Reform vorgesehene "Lernbegleiter", die die Schüler im Fall einer Frühwarnung unterstützen sollen. Außerdem zeichne sich ein "hoher bürokratischer Aufwand" ab, da diese ihre Tätigkeit umfangreich dokumentieren müssten. Außerdem befürchten die Elternvertreter einen Anstieg der Dropout-Zahlen, da Schüler ihre "gesammelten" negativen Module vor der Matura noch positiv abschließen müssten, wenn sie sich eigentlich der vorwissenschaftlichen bzw. Diplomarbeit sowie der Maturavorbereitung widmen sollten.

Es sei auch nicht klar, ob die neue Oberstufe tatsächlich eine Erleichterung für die Schüler darstelle, so Schreyers Stellvertreterin Susanne Schmid. Bisher hätten sich Schüler ein negatives erstes Semester mit besseren Leistungen im zweiten Semester ausbessern können. Das sei künftig mit gleichberechtigten Semestern nicht mehr möglich.

"Keine Einheitsschule"

Weiteres Anliegen des BEV: "Wir wollen bei Reformen endlich in Planung und Umsetzung und nicht nur als Feigenblatt auf ein paar Gremien beschränkt eingebunden werden", so Schreyer. Schmid will auch eine stärkere gesetzliche Verankerung der Eltern-Mitarbeit. Außerdem sollen als Ersatz für die Kollegien bei den Landesschulräten Landes-Schulgemeinschaftsausschüsse eingerichtet werden. Diese sollten aber von den Elternvertretern selbst und nicht etwa von den Landesschulratspräsidenten bestimmt werden.

Weiter abgelehnt wird vom BEV eine Gesamtschule: "Die Reduktion auf eine Einheitsschule ist weder ein Verdienst am Land noch an unseren Kindern", so Schreyer. Ein Dorn im Auge ist ihm auch die Finanzsituation an den Schulen: "Es nützt nichts, wenn ich auf Bundesebene hehre Projekte vortrage und gleichzeitig an den Schulen gekürzt und Personal nicht nachbesetzt wird." Das betreffe vor allem das Verwaltungs- und Unterstützungspersonal, was zu einem Outsourcing vieler Tätigkeiten geführt habe.

(APA)

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