Lega Nord verlangt Dialekt-Prüfungen für Lehrer

In Norditalien sollen keine Lehrer aus Süditalien unterrichten. Nur so könne man die Traditionen bewahren, sagen Politiker der Lega Nord. Außerdem sollen Lehrer Heimatkunde unterrichten.

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ORF (Saskia Bezzenberger)

Italiens rechtsföderalistische Regierungspartei Lega Nord sorgt wieder mit einem provokativen Vorschlag für einen Eklat. Die Partei von Umberto Bossi forderte, dass alle Lehrer, die in Norditalien unterrichten, Dialekt-Prüfungen unterzogen werden. "Sie müssen beweisen, dass sie die lokale Tradition und Sprache kennen", heißt es im Vorschlag der Lega Nord, der der Kulturkommission der Abgeordnetenkammer vorgelegt wurde und für hitzige Debatten sorgte.

"Die meisten Lehrer, die in Norditalien unterrichten, kommen aus Süditalien und kennen die lokale Kultur und den Dialekt nicht, der hier gesprochen wird", sagte die Verfasserin des Gesetzentwurfs, Paola Goisis. Die Lega fordert seit Jahren, dass in Schulen des Nordens ausschließlich oberitalienische Lehrer unterrichten. Nur auf diese Weise könne man die Lokaltraditionen bewahren. Daher plädiert die norditalienische Partei dafür, dass Ausschreibungen für die Einstellung von Lehrern nicht auf nationaler, sondern auf regionaler Ebene organisiert werden.

Der Vorschlag sorgte für Entrüstung. "Die Lega versucht verfassungswidrige Gesetze durchzubringen, die aufgrund der geografischen Herkunft diskriminierend sind", kritisierte die Opposition.

Der Mailänder Stadtrat organisiert bereits seit einigen Jahren für Schüler im Alter von sechs bis 18 Jahren kostenlose Kurse über lombardische Traditionen, Lokalgeschichte- und -geographie sowie über den örtlichen Dialekt. Der Unterricht, der ein oder zwei Mal wöchentlich stattfindet und von Freiwilligen eines Verbands zum Schutz lombardischer Traditionen gehalten wird, wurde von der Lega Nord initiiert, die sich seit jeher für den Schutz lokaler Traditionen einsetzt und damit den stärker werdenden multikulturellen Einfluss auf Mailand einschränken will. Mehrere Klassen der Mailänder Pflichtschulen bestehen bis zu 50 Prozent aus Einwandererkindern.

"Man kann nicht mehr dulden, dass unsere Jugend in der Schule keine Möglichkeit hat, Geschichte, Geographie und Wirtschaft ihrer Gegend zu erlernen", betonte ein Mitglied der Lega Nord. Die Führung der Lega drängt die Regierung in Rom, künftig in den oberitalienischen Schulen zumindest eine Stunde pro Woche Heimatkunde unterrichten zu lassen. Auf diese Weise solle den Jugendlichen die Kultur ihrer Heimat näher gebracht werden.

(APA)

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