Schule trotz FPÖ-Häme nach NS-Opfer Zawrel benannt

Die NMS Hörnesgasse in Wien erinnert künftig an den 2015 verstorbenen Spiegelgrund-Überlebenden Friedrich Zawrel.

(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)

Üblicherweise sind Schulbenennungen in Wien eher Routineangelegenheiten - öffentliche Debatten gibt es darüber nur selten. Anders im Fall der Neuen Mittelschule Hörnesgasse in Wien-Landstraße. Sie feiert heute, Donnerstag, 130-jähriges Bestehen. Gleichzeitig erfolgt die Umbenennung in "Friedrich-Zawrel-Schule". Für Aufregung sorgte, dass sich die FPÖ darüber erbost hat.

Der im Vorjahr verstorbene Friedrich Zawrel überlebte als Kind die von den Nationalsozialisten eingerichtete Euthanasieanstalt "Am Spiegelgrund". Er galt als wichtiger Zeitzeuge, der über viele Jahre hinweg zur Aufarbeitung der damaligen Gräuel beitrug. Zawrel war etwa maßgeblich dafür verantwortlich, dass der NS-Arzt Heinrich Gross, dem vorgeworfen wurde, persönlich an der Ermordung zahlreicher Kinder verantwortlich zu sein, vor Gericht gestellt wurde.

FPÖ-Kritik sorgt für Wirbel

Der Beschluss in Sachen Schulbenennung erfolgte bereits im Mai. Doch erst jetzt, im Vorfeld des Festakts, meldeten sich die Freiheitlichen mit Kritik. Der Klubobmann der FPÖ-Landstraße, Werner Grebner, wies darauf hin, dass Zawrel in der Zweiten Republik "wegen Einbrüchen und Diebstählen vier Mal - und zwar 1946, 1958, 1965 und 1975/1976 vor Gericht stand - und dabei zu insgesamt 17,5 Jahren Haft verurteilt wurde, von denen er auch 13 Jahre abgesessen hat, zuletzt bis 1981".

Zur peniblen Auflistung kam der Hinweis, dass sich Zawrel zwischen 1972 und 1974 im Ausland auf der Flucht vor den österreichischen Behörden befand - "wo er sich ebenfalls mittels Straftaten über Wasser hielt". Als Namensgeber für eine öffentliche Pflichtschule sei man mit einer derartigen Biografie jedenfalls "völlig ungeeignet", zeigte sich auch der Landstraßer FPÖ-Gemeinderat Dietrich Kops überzeugt.

Dass Zawrel später auf den "rechten Weg" gefunden habe, lasse ihn "bestenfalls als Namenspatron für eine Bewährungshilfeeinrichtung geeignet erscheinen", meinten die Blauen. "Keinesfalls" könne man nach ihm jedoch eine Schule benennen.

"Spuckt NS-Opfern ins Grab"

Es folgten entsetzte Reaktionen. Der "Falter" konstatierte sogar: "Die FPÖ Landstraße spuckt sogar NS-Opfern ins Grab." Am Mittwoch meldete sich Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) zu Wort. Man solle und werde sich an Zawrel erinnern. "Friedrich Zawrel hat uns ein Vermächtnis hinterlassen, das uns und künftige Generationen in die Pflicht nimmt." Zawrel habe viel zu lange Unrecht ertragen müssen.

"Gerade jungen Menschen immer wieder die Ungerechtigkeiten und Gräuel der NS-Zeit näher zu bringen, ist enorm wichtig", hielt er weiters fest - wobei er auch auf die Tatsache verwies, dass man getilgte strafbare Handlungen niemanden vorwerfen dürfe. Dies sei laut Rechtsordnung "absolut unzulässig". Die Vorstrafen dürften vom früheren Bundespräsidenten Thomas Klestil getilgt worden sein.

Familie in ärmlichen Verhältnissen

Zawrel wurde 1929 in Lyon geboren, wo seine Mutter wegen der großen Arbeitslosigkeit in Wien in einer Seidenspinnerei arbeitete. Nach der Geburt des Kindes verlor sie den Job. Wieder zurück in Wien, lebte die Familie unter ärmlichen Bedingungen in Kaisermühlen. Als die Mutter die Miete nicht mehr zahlen konnte, kam Zawrel erstmals in die Kinderübernahmestelle der Stadt Wien, womit ein Jahre dauernder Weg durch Heime begann.

1941 kamen Friedrich und sein Bruder Kurt in die Fürsorgeanstalt am Spiegelgrund, wo sie unter anderem vom Arzt Heinrich Gross mit Medikamentenversuchen und sadistischen Methoden gequält wurde. Mehr als zehn Mal flüchtete Zawrel aus den Heimen, bis die Flücht 1944 gelang. Ohne Schulausbildung und Beruf scheiterte der Versuch, ein normales Leben zu führen. 

Goldenes Ehrenzeichen der Republik

Wegen Eigentumsdelikten kam Zawrel danach mehrmals wieder in Haft und wurde in diesem Zusammenhang 1975 ein zweites Mal Opfer des Gerichtsgutachters Heinrich Gross, der damals aus einem Gutachten über Zawrel aus der NS-Zeit zitierte. Zawrel wandte sich aus dem Gefägnis an die Medien und wurde nach einem anderen Gutachten letztlich entlassen.

Nach Zawrels Ausagen wurde Gross angeklagt, allerdings erst Ende der 1990er Jahre. Wegen angeblicher Demenz kam es aber nicht zum Prozess. Er starb 2005. Für seinen Beitrag zur Aufarbeitung der NS-Verbrechen am Spiegelgrund bekam Friedrich Zawrel das Goldene Verdienstzeichen der Stadt Wien und das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

FPÖ: "Nicht die Ewiggestrigen"

Die FPÖ gibt sich inzwischen übrigens auch milder: Man werde nicht weiter gegen die Benennung der Schule protestieren, sagte Landesparteisekretär Anton Mahdalik. Zawrel habe ein "unglaublich schweres" Leben gehabt. Die FPÖ würdige sehr wohl, dass er etwa dazu beigetragen habe, dass Gross angeklagt worden sei. "Wir sind nicht die Ewiggestrigen", beteuerte Mahdalik.

(APA/red.)

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