Österreichische Schulbücher sind schwer verständlich

In vielen Fällen sind die Texte in Schulbüchern um zwei bis drei Schulstufen zu schwierig, besagt eine Studie. Selbst die Unterlagen für die Sonderschulen sollen zu komplex sein.

SCHULPSYCHOLOGEN HELFEN BEI ZEUGNISANGST
SCHULPSYCHOLOGEN HELFEN BEI ZEUGNISANGST
(c) APA (Robert Jaeger)

Schulbücher in Österreich sind schwer verständlich. Das zeigt eine Untersuchung von 26 Unterrichtsbehelfen aus den Fächern Biologie, Geografie, Geschichte und Sachunterricht. So würden "teilweise beachtliche Satzlängen erreicht", in vielen Fällen seien die Texte um zwei bis drei Schulstufen zu schwer, erklärte Studienautorin Judith Leitner, die die Untersuchung im Rahmen ihrer Diplomarbeit beim Wiener Erziehungswissenschafter Richard Olechowski durchgeführt hat.

Leitner hat die Schulbücher mit Hilfe sogenannter Lesbarkeitsformeln untersucht, die vor allem objektiv feststellbare Textmerkmale wie etwa Satzlängen, Zahl mehrsilbiger Wörter etc. analysieren, und die Ergebnisse auf die entsprechende Schulstufe umgerechnet. Dabei zeigte sich, dass "die Schulbuchtexte auf sprachformaler Ebene den als gesichert geltenden Erkenntnissen der Verständlichkeits-Forschung kaum entsprechen", erklärte Leitner. "Fast alle untersuchten Schulbücher werden als schwer verständlich eingestuft". Es wurden durchschnittliche Satzlängen von bis zu 17,5 Wörtern festgestellt, Sätze mit mehr als 30 Wörtern seien keine Seltenheit.

Problem seit 20 Jahren bekannt

Die derzeit am Medienhaus Wien beschäftigte Kommunikations-Wissenschafterin verweist auf ähnliche Untersuchungen österreichischer Experten, die bereits vor 20 Jahren festgestellt haben, dass Schulbuchtexte zu kompliziert gestaltet sind. "Doch diese Erkenntnisse fanden offensichtlich keinen Eingang in die Schulbuchproduktion", was Leitner als "fahrlässig" bezeichnete. Denn die Verständlichkeit in Schulbüchern beeinflusse den Lernprozess positiv. Eine zu komplexe und komplizierte Darstellung von Sachverhalten führe dagegen zu einer Überlastung der Schüler und möglicherweise sogar zu einer negativen Einstellung gegenüber Schulbüchern und dem Wissenserwerb im Allgemeinen.

Was sagen die Schüler dazu?

In einer parallel durchgeführten Umfrage unter 217 Schülern an Haupt- und Sonderschulen gaben die Kinder an, in den schwierigeren Texten doppelt so viele Wörter nicht zu verstehen als in den einfacheren Texten. Letztere wurden auch von der Mehrheit der Schüler bevorzugt, weil sie einfacher zu verstehen seien. Allerdings sprachen sich auch viele Schüler für den schwierigeren Text aus, und begründeten dies etwa mit dem Interesse, das der Text hervorrief. Jedoch sei für solche Schulbücher die Hilfe von Lehrern oder Eltern notwendig.

Bei der Schülerbefragung zeigte sich weiters, dass Schulbüchern für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf kein gutes Zeugnis ausgestellt werden kann. "Selbst die für Sonderschulen approbierten Schulbücher sind für ihre Zielgruppe zu komplex und berücksichtigen die Bedürfnisse der Schüler kaum", so Leitner.

(APA/Red.)

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