Schulbeginn 2009: Mehr Schulversuche, kleine Reformen

Die Neue Mittelschule wird nun in allen Bundesländern erprobt. Die Sprachförderung wird bei Deutschproblemen auf Schüler ohne Migrationshintergrund ausgeweitet.

(c) APA (Robert Jäger)

WIEN(ewi/klaha). ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon stellt sich fast demonstrativ vor Claudia Schmied. Die Vorwürfe gegen die SPÖ-Ministerin im Zusammenhang mit ihrem früheren Job in der Kommunalkredit berühren nicht ihre Tätigkeit im Schulressort. Es gebe nun eine „konstruktive Gesprächsbasis“ mit ihr, so Amon, darunter falle die Einigung über die neue Matura; auch bei den Pädagogischen Hochschulen ziehe man an einem gemeinsamen Strang.

Bezüglich der Neuerungen zum Start dieses Schuljahrs bewegt sich Schmied in dem mit der ÖVP abgesteckten Rahmen:
•Die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl – 25 pro Klasse – wird auch auf die dritten Klassen der Volks- und Hauptschulen sowie der AHS ausgedehnt.
•Die Sprachförderung wird bei Deutschproblemen auf Schüler ohne Migrationshintergrund ausgeweitet.
•In der „Tagesbetreuung Neu“ sollen kleinere Gruppen als bisher betreut und gefördert werden.
•Die Schulpsychologen werden um 20 Prozent auf 180 aufgestockt. • Der Gesamtschulversuch Neue Mittelschule wird von 331 Klassen an 67 Standorten im abgelaufenen Schuljahr (dem ersten diesbezüglichen Schulversuchsjahr) auf nunmehr rund 800 Klassen an 244 Standorten ausgeweitet.

 

Schmied: „Tag der Freude“

Von einem „Tag der Freude“ sprach die Unterrichtsministerin am Montag im Zuge der Eröffnung einer weiteren Neuen Mittelschule in Wien. Die große Nachfrage der Eltern zeige, dass „großes Interesse an Bildungsinnovationen“ besteht. Weiters sei die Neue Mittelschule ein zentraler Beitrag zur finanziellen Entlastung der Eltern. Schmied rechnet damit, dass das gesetzlich vorgegebene Kontingent – es dürfen nur maximal zehn Prozent der Pflichtschulen in Neue Mittelschulen umgewandelt werden – angesichts der Nachfrage bereits im nächsten Schuljahr ausgeschöpft sein wird. Spätestens 2013 soll entschieden werden, ob der Schulversuch für 10- bis 14-Jährige zur Regelschule werden soll.

Zum Schulbeginn melden sich auch Schülervertreter: Der Verein Coole Schule fordert von Schmied die Umsetzung der „grundsätzlich positiven Reformpläne“. Das frei werdende Geld soll in die Senkung der Klassenschülerhöchstzahlen, mehr Stützlehrer und eine bessere Schulausstattung investieren werden, so Igor Mitschka, Obmann des Vereins. Oliver Möllner, Bundeschef der Schülerunion, begrüßt die Abschaffung von Landesschulräten, wenn durch das eingesparte Geld die Einführung eines „Bundesschulpartnerrates“, in dem Schüler, Lehrer und Eltern vertreten sein sollen, durchgesetzt werde. Beide Vertreter wollen mehr Mitsprache der Schüler, um zu verhindern, dass Debatten „an den Schülern vorbei geführt werden“.

Die Wiener Grünen schlagen eine Verlegung des täglichen Unterrichtsbeginns von 8.00 auf 9.00 Uhr vor. Dabei berufen sie sich auf Ergebnisse der Schlafforschung.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2009)

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