Eltern zahlen jährlich 283 Euro für Schulunternehmungen

Insgesamt schießen Eltern pro Jahr 855 Euro zum Schulbesuch zu, besagt eine Umfrage der AK. Die Kosten von Materialen und Nachhilfe schwanken nach Schultyp stark.

Kultur-, Sport- oder Sprachwochen sind naturgemäß nicht gratis.
Kultur-, Sport- oder Sprachwochen sind naturgemäß nicht gratis.
Kultur-, Sport- oder Sprachwochen sind naturgemäß nicht gratis. – (c) AFP

Eltern schießen im Schnitt pro Jahr und Kind 855 Euro zum Schulbesuch zu. Aufgewendet werden die Mittel etwa für Schulveranstaltungen, Schreibwaren und Materialien, Beiträge für Elternverein, Klassenkassa und Kopien sowie Selbstbehalte, Nachhilfe und EDV-Anschaffungen, zeigt eine am Mittwoch bei einer Pressekonferenz präsentierte Erhebung der Arbeiterkammer (AK).

Für die Studie führten 1300 Familien mit 2100 Kindern in Wien, Niederösterreich, dem Burgenland, Salzburg und Tirol Buch über ihre schulbezogenen Ausgaben. Diese sollten in die neun Kategorien Schreibwaren und Materialien allgemein bzw. fachspezifisch, Bekleidung und Schuhe (z.B. Hausschuhe, Turnkleidung, Werkstättenkleidung), Bücher und Medien, Computer/Tablet/EDV, Schulveranstaltungen, sonstige Beiträge und Selbstbehalte (Elternverein, Klassenkassa, Spindbeitrag, Kopiergeld, Schülerfreifahrt etc.), Nachhilfe während des Schuljahrs und Sonstiges (Spenden, Lehrergeschenke etc.) eingeordnet werden.

Kosten für Privatschulen nicht abgefragt

Nicht verzeichnet (weil extra abgefragt) werden durften die Kosten für den Besuch einer Privatschule bzw. einer Nachmittagsbetreuung oder eines Internats sowie für Freizeitaktivitäten wie etwa die Maturareise. Auch Kosten für Ferienbetreuung wurden nicht erhoben.

Größter Kostenpunkt waren die Schulveranstaltungen mit 283 Euro - allein auf die mehrtägigen wie Skikurse, Sport- oder Sprachwochen entfielen 236 Euro. An zweiter Stelle liegen die Kosten für die Schreibwaren und Materialien (allgemein und fachspezifisch zusammengerechnet) mit 148 Euro, gefolgt von den sonstigen Beiträgen und Selbstbehalten (112 Euro), Bekleidung und Schuhen (94 Euro) sowie Nachhilfe (92 Euro)

Je nach Schultyp schwanken die Ausgaben aber stark: Am geringsten sind sie in der Volksschule, wo nur selten Nachhilfe und nur wenige mehrtägige Schulveranstaltungen anfallen, mit 522 Euro. Die Neue Mittelschule liegt mit 833 Euro in etwa im Schnitt, die AHS-Unterstufen kommen auf 969 Euro, die berufsbildenden Schulen auf 1.176 und die AHS-Oberstufen auf 1.299 Euro.

Die von den Eltern eingeforderten Beiträge seien nicht immer gerechtfertigt, kritisierte AK-Präsident Rudi Kaske "Kostenexzesse": Beiträge für den Spind, für Kopien von Unterrichtsmaterialien bzw. für Werkmaterialien dürften nicht verlangt werden. "Der Wildwuchs sogenannter sonstiger Kosten muss überprüft werden, sonst wird die öffentliche Schule immer stärker in Richtung Privatschule gedrängt."

Erhöhung der Schulbeihilfen gefordert

Das sei auch ein Aufruf an die Elternvereine zum Aktivwerden, so Kaske. "Schulpartnerschaft heißt nicht: Die Schule legt fest." Dass sich dieses Engagement auszahle, habe man zuletzt bei den Schulspinden gesehen: Hier habe Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) nach langen Protesten der Eltern zuletzt klargestellt, dass es nicht deren Aufgabe sei, dafür zu bezahlen.

Weitere Forderungen der AK: Eine Erhöhung der Schulbeihilfen sowie deren Auszahlung bereits ab der neunten (derzeit zehnten) Schulstufe sowie ein Aus für die Verrechnung von Betreuungskosten während der Anwesenheitspflicht in den Ganztagsschulen (8.00 bis 16.00 Uhr). Außerdem müsse besser über die bestehenden Beihilfemöglichkeiten aufgeklärt werden - etwa die Hälfte der Befragten kannte diese überhaupt nicht.

Wiener Stadtschulrat: "raubt Bildungschancen"

Für den Wiener Stadtschulrat ist das inakzeptabel. "Jede Form versteckten Schulgeldes wirkt sozial selektiv, raubt Kindern Bildungschancen und ist deshalb abzulehnen", stellte Stadtschulratspräsident Jürgen Czernohorszky in einer ersten Reaktion fest.

Insgesamt sei es Tatsache, dass mitunter von Schulen eingehobene Geldbeiträge für diverse Aktivitäten ein Ausmaß angenommen hätten, dass für viele Eltern zu einer ökonomischen Belastung geworden sei, so Czernohorszky. "Wir als Wiener Stadtschulrat werden hier in enger Abstimmung mit den Schulpartnern weitere Maßnahmen andenken, um diese Kosten - wo immer möglich - weiter einzuschränken."

 

(APA)

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