Eltern und Lehrer zur Bildungsreform: "Pädagogischer Irrwitz"

Es sei "kein einziges Problem gelöst" worden durch die Bildungsreform, kritisiert eine breite Front aus Eltern-, Schüler-, Lehrer und Direktorenvertretern.

Bundeselternverband: Gernot Schreyer
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Bundeselternverband: Gernot Schreyer
APA/HELMUT FOHRINGER

Eine breite Front aus Eltern-, Schüler-, Lehrer- und
Direktorenvertretern kritisiert die von Regierung und Grünen
vereinbarte Bildungsreform, die diese Woche im Nationalrat
beschlossen werden soll. Bei einer Pressekonferenz am Montag in Wien
forderten sie eine geheime Abstimmung über die Materie und
appellierten an die Abgeordneten, "ohne jeden Klubzwang" darüber zu
entscheiden.

Mit dem Bildungspaket werde "kein einziges Problem gelöst",
erklärte der Vorsitzende des Bundeselternverbands an den mittleren
und höheren Schulen (BEV), Gernot Schreyer. Vielmehr bestehe eine
Menge ungelöster Probleme, etwa die Aufhebung der
Klassenschülerhöchstzahl, obwohl schon jetzt 40.000 Schüler der
AHS-Unterstufe in Klassen mit mehr als 25 Schülern sitzen.

Gerlinde Bernhard, stellvertretende Vorsitzende der
Lehrergewerkschaft für berufsbildende mittlere und höhere Schulen
(BMHS), bezeichnete die Möglichkeit, durch die geplante Aufhebung
der Eröffnungs- und Teilungszahlen mehr Schüler in die Klassen zu
stopfen, als "pädagogischen Irrwitz". Künftig obliegt die Klassen-
und Gruppengröße den Direktoren. Doch diese könnten nur "mit
gefesselten Händen entscheiden", nämlich anhand der zur Verfügung
stehenden Werteinheiten, und die seien in den vergangenen Jahren
immer weniger geworden, so Susanne Schmid vom Bundeselternverband.

"Lizenz, aus dem Leeren zu schöpfen"

Für Schreyer wird mit der Reform die Schuldemokratie demontiert,
"man spricht von Schulautonomie, meint aber Schulleiterautonomie".
Für starke Schulleiter bräuchte es aber auch eine starke
Schulpartnerschaft. Isabella Zins, stellvertretende Vorsitzende der
AHS-Direktoren Österreichs, sieht schon jetzt den administrativen
Aufwand für die Schulleiter sehr hoch, "Cluster nützen uns gar
nichts, wir brauchen ein mittleres Management". Keine Freude hat
Zins mit der künftigen Personalhoheit der Direktoren. Angesichts des
Lehrermangels sei dies eine "Lizenz, aus dem Leeren zu schöpfen".

Die Elternvertreter orten in der Reform "eine überbordende
Konzentration auf die Verwaltung, Pädagogik kommt dagegen nicht
vor". "Damit werden Mittel von der Lehre in Richtung Verwaltung
verschoben, auf Kosten unserer Kinder", sagte Schmid. Sie erwartet,
dass "die Qualität des Schulwesens dadurch dramatisch sinken wird".

Von Gesamtschule "entsetzt und erschüttert"

"Entsetzt und erschüttert" ist Schreyer über die im Reformpaket
enthaltene Möglichkeit, Modellregionen für die Gesamtschule
einzurichten. Dies sei nie Thema bei den Verhandlungen mit den
Schulpartnern gewesen, "das können wir als Elternverband nicht
akzeptieren. Zudem wisse niemand, "was in der Gesamtschule drinnen
ist": Es gebe keine Lehrpläne. Schreyer fragt sich daher, ob man
diese nach dem teuren Schema der Neuen Mittelschule mache. Für
Bundesschulsprecher Harald Zierfuß würden durch die "Einführung der
Gesamtschule durch die Hintertür" die Schüler zu
"Versuchskaninchen", obwohl internationale Vergleiche zeigen würden,
dass Systeme mit Gesamtschulen keine besseren Ergebnisse hätten.

Den Vorwurf des Bildungsministeriums, dass die Lehrergewerkschaft
dem Reformpaket zunächst zugestimmt habe, es nun aber kritisiere,
wies der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Herbert Weiß
zurück. Das könne nur daran liegen, dass Bildungsministerin Sonja
Hammerschmid (SPÖ) bei fast keinem der Gespräche dabei gewesen sei.
Er appellierte an die Abgeordneten, "nicht knapp vor der Wahl ein
Kuckucksei ins Nest zu legen". Sie könnten auch durch Anträge noch
Verbesserungen erreichen, etwa bei den Eröffnungs- und
Teilungszahlen Druck herausnehmen.

(APA)

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