Jeder achte Lehrer ist Burn-out-gefährdet

Der Anteil der Burn-out-gefährdeten Lehrer ist laut Gewerkschaft gestiegen. Lärm, schlechte Luft und wenig Rückzugsmöglichkeiten sind Belastungsfaktoren.

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(c) Clemens Fabry

Der Anteil an Burn-out-gefährdeten Lehrer ist laut einer Belastungsstudie gestiegen, gab die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) am Dienstag gemeinsam mit dem Sozialministerium und der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) bekannt. Aufholbedarf sieht man im Sozialministerium vor allem beim Umgang mit psychischen Belastungen an der Schule.

Europaweit ist der Umgang mit schwierigen Kunden, Schülern oder Patienten für Arbeitnehmer der psychosoziale Risikofaktor Nummer Eins. Über alle Branchen hinweg fühlen sich 58 Prozent dadurch belastet, hat eine 2014 durchgeführte Unternehmensumfrage (ESENER 2) der EU-OSHA gezeigt. Im Bildungs- und Sozialsektor liege der Anteil EU-weit sogar bei 76 Prozent, 70 Prozent seien es in Österreich, so Anna Ritzberger-Moser, Leiterin des Bereichs Arbeitsinspektion des Sozialministeriums bei einem Pressegespräch.

Zwölf Prozent sind gefährdet

Der Vergleich zweier 2014 und 2016 (rund 10.700 Befragte) von der GÖD und der Arge Burnout durchgeführten Belastungsstudien zeigt, dass an Pflichtschulen der Anteil der Burn-out-gefährdeten Lehrern von zehn auf rund zwölf Prozent gestiegen ist. Pädagogen hätten im Zuge einer Online-Befragung somit eine höhere Belastung angegeben als andere Berufsgruppen wie Ärzte, Richter und Angestellte, so Romana Deckenbacher von der GÖD.

"Hohe Lärmbelastung, schlechte Luftqualität, kaum Rückzugsmöglichkeiten und zu wenig Raum sind für alle, die in der Schule arbeiten, lernhemmend und können krank machen", erklärte Deckenbacher. Besonders hoch werde die Belastung an Neuen Mittelschulen (NMS) eingeschätzt, auch ältere Pädagogen ab 55 fühlen sich stärker belastet. Sie fordert daher eine besondere arbeitsmedizinische Berücksichtigung des Arbeitsumfeldes von Lehrern sowie ein Ende des "Kompetenzwirrwarrs".

Lärm, Platz, Belastungen

Die Arbeitsinspektion des Sozialministeriums ist an weiterführenden Schulen des Bundes sowie privaten Einrichtungen für die Kontrolle des Arbeitsschutzes zuständig, in den Pflichtschulen obliegt diese Aufgabe den Ländern, sagte Ritzberger-Moser. Ihre Sektion hat im vergangenen Jahr 91 Schulen überprüft. "Den größten Aufholbedarf gibt es beim Umgang mit psychischen Belastungen am Arbeitsplatz, Lärm, Ergonomie, fehlendem Platzangebot und der mangelhaften Präventivdienstbetreuung durch Sicherheitsfachkräfte und Arbeitsmediziner", so Ritzberger-Moser. Gesunde Arbeitsplätze sieht auch sie als Voraussetzung für guten Unterricht an.

"Lehrende sind entscheidend für die Vermittlung des Themas Sicherheit und Gesundheitsschutz an junge Menschen. Nur wenn Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Lehrenden ein Teil ihres Selbstverständnisses sind, werden sie es auch weitergeben können", betonte Franz Kaida, Leiter einer Arbeitsgruppe der Österreichischen ArbeitnehmerInnenschutzstrategie 2013 bis 2020 (ÖAS) des Sozialministeriums.

(APA)

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