Umfrage: Jeder dritte Schüler überfordert oder unterfordert

Nur für knapp zwei Drittel der Schüler passt das Niveau des Unterrichts. Schülervertreter fordern, dass Selbstständigkeit und Auftreten mehr gefördert werden – und orten Handlungsbedarf bei der Deutschförderung.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Während die einen nur mühsam zurecht kommen, langweilen sich die anderen: Für mehr als ein Drittel der Schüler an heimischen Schulen passt der Schwierigkeitsgrad des Unterricht nicht. Das zeigt eine Online-Umfrage der Schülerunion mit über 12.000 Befragten, die der „Presse“ exklusiv vorliegt.

Nur knapp zwei Drittel der Schüler – die meisten der Befragten besuchen eine AHS-Oberstufe oder eine BMHS – geben demnach an, dass das Niveau des Unterrichts für sie „super passt“. 22 Prozent sind dagegen überfordert – in den berufsbildenden Schulen sind es etwas mehr; in Wiener BMHS fühlen sich sogar 27 Prozent der Schüler überfordert. 13 Prozent der Befragten aller Schulen sind unterfordert – das wiederum gilt vermehrt für Schüler an Gymnasien.

„So kann es nicht weitergehen, wenn ein Drittel der Schüler sagt, dass der Unterricht sie nicht nach ihren Bedürfnissen fordert und fördert. Wenn man das auf alle Schüler hochrechnet, geht es um rund 385.000 Schüler“, sagt Bundesschulsprecher Harald Zierfuß, der von der ÖVP-nahen Schülerunion gestellt wird. Er fordert, dass Schulen, wenn es ihnen notwendig erscheint, eine äußere Leistungsdifferenzierung, etwa in Art von Leistungsgruppen, einführen dürfen.

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Auch mit den Inhalten sind die befragten Schüler nicht ganz zufrieden: Jene Kompetenzen, die sie als „am Wichtigsten fürs Leben“ einschätzen – Selbstständigkeit, überzeugendes Auftreten, Zeitmanagement und Organisation – würden im Unterricht nur teilweise vermittelt: Die befragten Schüler geben auf einer fünfteiligen Skala die Note zwei bis 2,5. An den BMHS sind sie zufriedener als an den Gymnasien.

„Da hängt viel von der Unterrichtsgestaltung ab, etwa mit Projektarbeit“, sagt Zierfuß. Projekte rangieren mit offenem Arbeiten bei den Schülern auch ganz vorne, was die beliebteste Unterrichtsform angeht. Frontalunterricht wird dabei nur vereinzelt genannt. Gleichzeitig geben die Schüler aber an, dass dieser knapp 70 Prozent ihres Unterrichts ausmacht.

 

Kaum Top-Noten für Lehrer

Bei der Lehrerausbildung ortet die Schülerunion ebenfalls Verbesserungspotenzial. Die meisten der befragten Schüler sind mit ihren Lehrern leidlich zufrieden – drei Viertel halten sie zumindest für eher gut ausgebildet, ein Viertel findet das kaum oder gar nicht. Dass die Lehrer pädagogisch und didaktisch absolut fit seien, meint allerdings nicht einmal jeder fünfte Schüler – wobei jene an den berufsbildenden Schulen eher Top-Noten geben als die Schüler an den Gymnasien. „Das heißt nicht, dass die Lehrer schlecht sind – aber es gibt unserer Meinung nach einiges zu tun, was Ausbildung oder Weiterbildung angeht“, sagt Zierfuß.

Nur zwölf Prozent der befragten Schüler orten keinen Handlungsbedarf, wenn es um Schüler mit Sprachbarrieren geht. Mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass hier mehr passieren muss; in Wien – wo für fast ein Drittel der Schüler Deutsch nicht die Erstsprache ist – noch mehr als im Schnitt. Für gute Lösungen halten mehr als 50 Prozent der befragten Schüler Sprachintensivkurse vor und während des Regelunterrichts, außerdem Buddysysteme und mehr Personal.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2017)

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