Schulerfolg trotz Armut wird seltener

Pisa-Sonderauswertung: In Österreich ist der Anteil der benachteiligten Kinder, die gute Leistungen erbringen, geringer geworden. Anderswo sieht das umgekehrt aus.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Kein besonders gutes Zeugnis stellt die jüngste Pisa-Sonderauswertung Österreich aus: Demnach ist der Anteil der benachteiligten Schüler, die bei dem internationalen Bildungsvergleich trotzdem solide Schulleistungen erbringen, von 2006 bis 2015 gesunken.
Als sozioökonomisch benachteiligt gelten Kinder, deren Eltern in puncto Bildung und Beruf zum unteren Viertel eines Landes gehören, auch das Vorhandensein von Büchern im Haushalt wird berücksichtigt. Jene Schüler, die trotz ihrer schlechten Startbedingungen bei Pisa in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften mindestens die Kompetenzstufe drei von sechs erreichen, gelten als resilient – also sozusagen als widerstandsfähig.

Ihr Anteil ist hierzulande rückläufig: 2006 erbrachten 28 Prozent der benachteiligten Schüler solide Leistungen, zuletzt waren es lediglich 23 Prozent. Das ist weniger als der OECD-Schnitt von 25 Prozent. Und auch weniger als in Deutschland. Dort ist die Entwicklung umgekehrt. Der Anteil der resilienten Schüler ist in den neun Jahren von 25 auf 32 Prozent gestiegen.

Besonders hoch ist der Anteil übrigens in den Pisa-Siegerregionen Hongkong und Macao, wo jeweils mehr als die Hälfte der benachteiligten Schüler gute Leistungen erbringt. In Europa liegt Estland mit 42 Prozent voran, gefolgt von Finnland mit 39 Prozent – allerdings lag Finnland neun Jahre davor schon bei 56 Prozent.

 

Sozialer Mix, Ganztagsschule

Interessant ist, wie man Resilienz in der Schule fördern kann – und was sich negativ auf die Leistungen von benachteiligten Schülern auswirkt. Laut OECD profitieren sie vom gemeinsamen Unterricht mit Schülern aus bessergestellten Familien – womöglich, weil die Schüler sich innerhalb der Gruppe positiv beeinflussen, weil Schulen mit bessergestellten Schülern bessere Lehrkräfte bekommen oder weil die schlechtergestellten Schüler an einer besseren Schule mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Ein zentraler Faktor für Resilienz ist auch das Schulklima. Kleinere Klassen und bessere Computerausstattung bringen dagegen nicht zwingend etwas, sondern lediglich dann, wenn sie den Lernprozess verbessern und zum positiven Klima in der Klasse beitragen. Schulaktivitäten außerhalb des Unterrichts – konkret etwa durch ganztägige Schulangebote – haben in einigen Ländern einen positiven Effekt, auch in Österreich.

Auf individueller Ebene nachteilig ist, wenn zu Hause nicht die Unterrichtssprache gesprochen wird. Mädchen haben etwas schlechtere Chancen als Burschen. Und wer aus einer besonders benachteiligten Familie stammt, erbringt tendenziell seltener solide Pisa-Leistungen. (APA/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2018)

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