Umgekehrte Integration: Dauerlösung gefordert

Nichtsonderschüler sollen weiterhin Integrationsklassen an Sonderschulen besuchen können. Der Landesschulrat schafft eine Übergangslösung. Neos und Liste Pilz fordern, das Modell ins Regelschulwesen zu holen.

Die umgekehrte Integration ist ein spezielles oberösterreichisches Modell: Dabei werden nicht Sonderschüler in Klassen an regulären Schulen geschickt, sondern umgekehrt.
Die umgekehrte Integration ist ein spezielles oberösterreichisches Modell: Dabei werden nicht Sonderschüler in Klassen an regulären Schulen geschickt, sondern umgekehrt.
Die umgekehrte Integration ist ein spezielles oberösterreichisches Modell: Dabei werden nicht Sonderschüler in Klassen an regulären Schulen geschickt, sondern umgekehrt. – (c) Clemens Fabry

Wien. Flankiert von rund zwei Dutzend Eltern, die zur Rettung der Integrationsklassen an Sonderschulen eigens aus Oberösterreich angereist waren, stellte Neos-Parteichef Matthias Strolz am Dienstagvormittag seine Position klar: Diese Klassen hätten „Symbolcharakter und Pioniercharakter“. „Deshalb ist es so wichtig, sie nicht abzudrehen.“ Zusammen mit der Liste Pilz und unterstützt von der SPÖ haben die Neos einen Entschließungsantrag eingebracht: Die Klassen sollen ins Regelschulwesen wandern.

Die umgekehrte Integration ist ein spezielles oberösterreichisches Modell: Dabei werden nicht Sonderschüler in Klassen an regulären Schulen geschickt, sondern umgekehrt. Kinder ohne Behinderung besuchen dann Integrationsklassen in Sonderschulen und lernen dort mit beeinträchtigten Kindern gemeinsam. 14 dieser Klassen gibt es in Oberösterreich, etwa in Wels, Steyr oder Gallneukirchen. In jeder Klasse sitzen 19 bis 24 Schüler, drei bis fünf von ihnen haben jeweils eine Beeinträchtigung.

Zuletzt wackelte allerdings das Modell, das seit mehr als 20 Jahren praktiziert wird. Denn diese Integrationsklassen sind ein Schulversuch. Und Schulversuche dürfen maximal an fünf Prozent der entsprechenden Schulklassen durchgeführt werden – eine Grenze, die schon länger überschritten war. In den Fokus geriet das offenbar erst im Vorjahr: Damals kam laut Landesschulrat ein Schreiben vom Bildungsministerium, sich an diese Obergrenze zu halten. Elf der 14 Klassen, die insgesamt rund 300 Kinder besuchen, waren bedroht.

 

Wirbel unter Eltern

Nach Wirbel unter Eltern und in der Landespolitik hat der Landesschulrat eine Übergangslösung gefunden, damit die umgekehrten Integrationsklassen auch im kommenden Schuljahr weiterlaufen können: Sie werden als dislozierte Klassen von regulären Schulen geführt, das sei alles bereits fixiert. „Wir machen die Reintegration damit weiter möglich“, sagt Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer (ÖVP) zur „Presse“. „Eltern, die ihre Kinder in diese Schulen schicken wollen, können und sollen das weiterhin tun.“ Auch für Enzenhofer wäre die ideale Lösung aber die, die Neos, Liste Pilz und die Eltern fordern: die Übernahme ins Regelschulwesen – die, wenn es nach Strolz geht, bis zum Sommer schaffbar sein müsste.

„Unser Ziel ist, dass eine nachhaltige Lösung gefunden wird“, sagt auch Mutter Barbara Hofer, die ihr Kind im Herbst in die Integrationsklasse in Steyr schicken will. „Dieser Schulversuch bringt den Kindern irrsinnig viel.“ Wichtig sei, dass beeinträchtigte Kinder dort Therapieangebote wahrnehmen können, die es teilweise auch nur an solchen Schulen gebe, dass sie gleichzeitig aber die Normalität der anderen Kinder sehen.

Für Strolz, der argwöhnt, dass es „finstere Kräfte in der Republik gibt, die sagen, die Sonderschule soll ,closed shop‘ bleiben“ – immerhin stehe im Regierungsprogramm die Stärkung der Sonderschule –, könnte das Modell über Oberösterreich hinaus ausstrahlen. „Sonderschulen zu schließen hielte ich unter den heutigen Bedingungen für den falschen Weg“, sagt er. Dadurch würde man viel an Infrastruktur und Know-how verlieren. „Sonderschulen sollen geöffnet und schrittweise in inklusive Schulstandorte umgewandelt werden.“

AUF EINEN BLICK

In Oberösterreich gibt es das Modell der umgekehrten Integration: Dabei werden an Sonderschulen Integrations-klassen eröffnet. An diesen Schulen gibt es Therapieangebote, die manche Kinder mit Beeinträchtigung brauchen. Jede Klasse hat 19 bis 24 Schüler, je drei bis fünf sind beeinträchtigt. Der Schulversuch wackelte, der Landesschulrat hat nun eine Übergangslösung gefunden. Neos und Liste Pilz fordern, dass das Modell ins Regelschulwesen kommt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2018)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Umgekehrte Integration: Dauerlösung gefordert

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.