Wissenschaftsrat drängt auf Exzellenzprogramm

Der Wissenschaftsrat will 100 Millionen Euro für ein Exzellenzprogramm, das Exzellenzcluster und Zukunftsprofessuren umfasst.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Bei der Umsetzung eines wissenschaftlichen Exzellenzprogrammes für Österreich sollten pro Jahr rund 100 Mio. Euro für Exzellenzcluster, Zukunftsprofessuren und Forschungsinfrastruktur aufgewendet werden, empfiehlt der Wissenschaftsrat (ÖWR) in einem am Montag veröffentlichten Papier. In den am Freitag präsentierten Budgetplänen für den Forschungsbereich schlägt sich die Empfehlung nicht nieder.

Ein groß angelegtes Programm zur gezielten Förderung exzellenter Wissenschaft wird von Vertretern von Forschungseinrichtungen bereits seit längerem gefordert. Auch im Regierungsprogramm ist es enthalten, ohne dass dort jedoch Details für dessen Umsetzung ausgeführt sind. Laut dem ÖWR sollten insgesamt 60 Mio. Euro jährlich in die beiden neuen, voneinander unabhängigen Förderlinien "Exzellenzcluster" und "Zukunftsprofessuren" fließen. Ergänzend bräuchte es dem Beratungsgremium der Bundesregierung zufolge 40 Mio. pro Jahr für Investitionen in Forschungsbauten, Labors oder Rechnerausstattung.

Exzellenzcluster einreichen

In einem ersten Schritt sollten demnach interessierte Forschungsgruppen aller Disziplinen Projektskizzen zur Bildung von "Exzellenzclustern" über eine Laufzeit von fünf bis sieben Jahren einbringen können. Ebenso sollen Konzepte zur Gründung von thematischen Schwerpunkten in Form der Zukunftsprofessuren eingereicht werden. Ergänzend dazu wären Ideen zu geplanten Infrastruktur-Investitionen zu formulieren.

Thematische Vorgaben brauche es nicht, bei der Vergabe dürfe man sich ausschließlich an "wissenschaftlichen Standards" orientieren. Ein Schwerpunkt der Cluster müsse auf der Zusammenarbeit herausragender Wissenschafter mit dem begabten Nachwuchs liegen. Kooperationen seien erwünscht, die Federführung bei Anträgen in allen Programmlinien sollte bei den Universitäten liegen. Als Ziel wird ausgegeben, "Talente für die Zukunft zu sichern".

Sieben bis zwölf Vollanträge

Sieben bis zwölf Konzepte für disziplin- oder institutionsübergreifende Exzellenzcluster sollten dann in einem weiteren Schritt zu einem Vollantrag eingeladen werden. Im Rahmen der Förderschiene "Zukunftsprofessuren" könnten das bis zu 50 Vollanträge sein. Für die zunächst auf fünf Jahre befristeten Stellen sollen strukturierte weitergehende Karriereoptionen - sogenannte "Tenure Track"-Modelle - für die vielversprechenden Wissenschafter erarbeitet werden. Die Universitäten müssen ein Konzept zu deren "Entfristung" vorlegen und Optionen aufzeigen, um das Forschungsgebiet in ihrer Strategie langfristig zu verankern.

Im Zuge des Exzellenzprogrammes müsse auf eine "klare Strukturierung" geachtet werden, da das heimische System der Forschungsförderung bereits durch eine "übertriebene Vielfalt von Fördertöpfen und Projektformen, die das gesamte Forschungssystem schwächen" gekennzeichnet sei, betont der ÖWR. Dem folgend sollte auch auf komplette Neugründungen, etwa von zusätzlichen Eliteforschungseinrichtung ähnlich dem Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg (NÖ), verzichtet werden.

Deutschland nicht als Vorbild

Ebenso wenig empfiehlt der ÖWR eine Ausrichtung am Vorbild Deutschland, wo die dortige Exzellenzinitiative für manche Institutionen eine "Label-Exzellenz" gebracht hat. Diese entsprach jedoch nicht immer der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der Einrichtungen. Eine derartiges System bringe zwar einen "Flagship- oder Leuchtturm-Effekt" mit sich. Die Folge sei aber eine Hierarchisierung der Forschungs- und Hochschullandschaft.

Laut den von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) präsentierten Budgetplänen, soll der FWF bis 2021 in Summe 110 Mio. Euro zusätzlich erhalten.

(APA)

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