Direktoren zu Kopftuchverbot: „Dann tue ich mir leichter“

Mädchen mit Kopftuch sind an Volksschulen eher Einzelfälle, sagen Direktoren. Die einen sind für ein Verbot, die anderen sind skeptisch.

Lehrerin mit Kopftuch in einer deutschen Schule gestelltes Foto Im sogenannten Kopftuchurteil des
Lehrerin mit Kopftuch in einer deutschen Schule gestelltes Foto Im sogenannten Kopftuchurteil des
Themenbild: Kopftuch/ Schule – (c) imago/epd (imago stock&people)

Wien. „Ich sehe das pragmatisch“, sagt Volksschuldirektorin Reinhilde Feitl zum geplanten Kopftuchverbot für Kindergartenkinder und Volksschülerinnen. „Wenn es das gibt, tue ich mir um einiges leichter bei Diskussionen mit den Eltern. Dann muss ich nicht lang und breit erklären, warum ich das an meiner Schule nicht will, sondern dann ist das laut Gesetz eben so.“ In den vergangenen Jahren habe es an ihrer Schule in Wien Favoriten aber keine Schülerinnen mit Kopftuch gegeben. „Das war kein Thema, obwohl viele aus muslimischen Familien kommen.“ Bei einem Fall vor längerer Zeit habe das Mädchen das Kopftuch nach einem Elterngespräch abgenommen.

Ähnlich ist es bei Brigitte Lässig, die in Währing eine Volksschule mit fast 100 Prozent Migrationshintergrund bei den Schülern leitet. „Ich finde es richtig, dass Mädchen in Kindergarten und Volksschule kein Kopftuch tragen.“ Das schreibe ja der Glaube nicht vor. Ein Verbot empfindet sie zwar als streng, Regeln kann sie aber etwas abgewinnen. „Wenn es das gibt, habe ich kein Problem, falls es einmal zu Diskussionen kommt.“ Auch an ihrer Schule habe es in den vergangenen Jahren aber keine Schülerin mit Kopftuch gegeben, obwohl viele Musliminnen seien. Ein älteres Mädchen, das zur Schuleinschreibung ein Tuch trug, sei nach einem Gespräch mit dem Vater ohne dieses in die Schule gekommen.

Auf Gespräche mit den Eltern setzt auch Petra Müller, die eine Volksschule in Wien Ottakring leitet. „Von Verboten halte ich nicht viel“, sagt sie. „Die Frage ist auch, wie das sanktioniert wird und von wem. Ich will das nicht sanktionieren.“ Bisher sei es stets gelungen, das Einvernehmen mit den Eltern zu erreichen. „Bei mir ist das Kopftuch momentan kein Thema. Die einzelnen Fälle afghanischer Mädchen, die sehr traditionell gekleidet und mit Kopftuch kamen, haben sich nach einem Elterngespräch gelöst.“ Sie kenne aber Volksschulen, wo Väter das Tuch vehementer einfordern. „Es sind aber im Volksschulbereich eher Einzelfälle.“

„Zahlenmäßig ist das Kopftuch nicht das Thema“, sagt der Direktor einer Volksschule im zehnten Bezirk, der anonym bleiben möchte. An seiner Schule tragen vier Mädchen ein Kopftuch, zwei Prozent der Schülerinnen. Die Schule versucht in diesen Fällen, die Eltern davon zu überzeugen, dass die Mädchen das Tuch abnehmen sollen. Manchmal klappt es, manchmal aber auch nicht. Das mit dem Zwang sei schwierig zu beurteilen. Die Eltern überzeugten die Kinder wohl vielmehr davon, dass eine gute Muslima eben ein Kopftuch trage. Ein Verbot sieht er differenziert: „Die Diskussionen erzeugen Druck. Damit kann sich im Integrationsbereich etwas bewegen. Doch wir lösen noch keine Probleme, nur weil diese Schülerinnen ohne Kopftuch kommen.“ Dazu brauche es andere Maßnahmen.

Mehr Unterstützung wie etwa Sozialarbeiter will daher Eva Mader, Direktorin einer Volksschule in Hernals. „Beratung und Unterstützung bringen langfristig viel mehr. Das sollen sie uns bloß nicht wegnehmen.“ Ihr sei natürlich lieber, wenn die Mädchen an ihrer Schule kein Kopftuch tragen. Gespräche mit Eltern hätten bei dem einen Mädchen, das dieses Jahr mit Tuch kam, gewirkt. Bei einem anderen im Vorjahr nicht. Ein Verbot sieht sie aber trotzdem (oder genau deshalb) kritisch: „Das erzeugt womöglich Widerstand bei den Eltern. Und das kann dem Kind schaden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.04.2018)

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