Viele Schüler sind Zeugen von Gewalt

Eine Schülerumfrage befeuert die Debatte über Gewalt an Schulen. Minister Faßmann will sich dem Thema noch intensiver widmen. Wiens runder Tisch findet im Lauf des Mai statt.

Lediglich 32 Prozent der Schüler geben an, dass sie in der Schule noch keine Gewalt miterlebt haben – verbal oder körperlich.
Lediglich 32 Prozent der Schüler geben an, dass sie in der Schule noch keine Gewalt miterlebt haben – verbal oder körperlich.
Lediglich 32 Prozent der Schüler geben an, dass sie in der Schule noch keine Gewalt miterlebt haben – verbal oder körperlich. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Es sind Zahlen, die die aktuelle Debatte über Gewalt an Schulen noch befeuern: Gut zwei Drittel der heimischen Oberstufenschüler haben in der Schule bereits Gewalt gegen Schüler oder Lehrer miterlebt. Knapp die Hälfte hat im schulischen Umfeld verbale Gewalt beobachtet, jeder fünfte Schüler auch körperliche Aggression.

Lediglich 32 Prozent der Schüler geben an, dass sie in der Schule noch nie Gewalt miterlebt haben. Das zeigt eine Onlinebefragung unter rund 30.000 Schülern vor allem aus Gymnasien und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen, die die Bundesschülervertretung (BSV) durchgeführt hat.

Angesichts dieser Ergebnisse, die am Dienstag in Salzburg präsentiert wurden, will Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) das Thema Gewalt in der Schule „noch intensiver behandeln“. Auch für Bundesschulsprecher Harald Zierfuß von der ÖVP-nahen Schülerunion ist Gewalt an Schulen „nach wie vor ein großes Thema“.

Primär richtete sich die erlebte verbale oder körperliche Gewalt gegen Mitschüler (44 Prozent). Aktionen, bei denen sowohl Schüler als auch Lehrer das Ziel waren, haben fast 22 Prozent der Schüler erlebt. Deutlich seltener wird berichtet, dass nur Lehrer betroffen waren (zwei Prozent).

 

Lehrer klagen über Gewalt

Vor allem über Letzteres – also Angriffe gegen Kollegen – hatten Lehrer in Wien zuletzt zunehmend öffentlich geklagt und damit eine allgemeinere Debatte über Gewalt an Schulen ausgelöst. Von Bespucken über Cybermobbing bis hin zu körperlichen Attacken reichten die Angriffe, hieß es seitens der Lehrergewerkschaft („Die Presse“ berichtete), die auch Schützenhilfe von der Wiener ÖVP bekam. Diese forderte Zahlen, Daten und Fakten über Gewalt in der Schule. Wiens Stadtschulratspräsident, Heinrich Himmer (SPÖ), kündigte daraufhin Ende März einen runden Tisch zum Thema an. Für die Lehrer solle außerdem Informationsmaterial zusammengefasst werden. „Viele wissen auch selbst nicht: Wie weit darf ich überhaupt gehen? Darf ich bestimmte Dinge überhaupt sanktionieren?“, sagte Himmer damals.

Wie „Die Presse“ erfahren hat, soll dieser runde Tisch zum Thema Gewalt in Schulen im Laufe des Mai stattfinden. Lehrer-, Schüler- und Elternvertreter sowie Sozialarbeiter und Polizei sollen dabei Maßnahmen erarbeiten, wie mit Gewalt in Schulen umgegangen werden soll.
Geht es nach den befragten Schülern, braucht es freilich nicht unbedingt neue Maßnahmen. Nur knapp jeder Fünfte wünscht sich laut der aktuellen Schülerumfrage Veränderungen, 82 Prozent sind mit den Maßnahmen zufrieden, mit denen derzeit Aggression und Gewalt begegnet wird.

 

Sommerferien kürzen

Sehr wohl Änderungen sollte es laut den Schülern bei den Inhalten geben, die gelehrt werden: Nahezu 80 Prozent wünschen sich in der Schule mehr Berufsorientierung, 43 Prozent wünschen sich mehr finanzielle Bildung oder Vermittlung wirtschaftlicher Grundkenntnisse. 20 Prozent fühlen sich in der Schule überfordert, zehn Prozent sind unterfordert – ähnliche Ergebnisse zeigte auch schon eine frühere Schülerumfrage, über die „Die Presse“ berichtete.

60 Prozent sind mit der Ferienregelung unzufrieden. Die von der Regierung geplante Einführung von Herbstferien begrüßen sie. Entgegen der Pläne Faßmanns, der dafür die schulautonomen Tage kürzen will, wünschen sich 70 Prozent der Schüler im Fall einer Einführung aber, dass die Sommerferien um drei Tage gekürzt werden. (APA/beba)

Auf einen Blick

Rund 30.000 Schüler hat die Bundesschülervertretung für ihre aktuelle Umfrage online befragt. Die Umfrage wurde nach den Osterferien durchgeführt, teilgenommen haben vor allem 14- bis 18-jährige Schüler aus dem AHS- und BMHS-Bereich. Ein Ergebnis der Umfrage: Zwei Drittel der befragten Schüler haben an der Schule bereits Gewalt gegen Schüler oder Lehrer miterlebt, vor allem verbale Gewalt.

Gewalt an Schulen ist zuletzt zunehmend Thema geworden, nachdem Lehrervertreter öffentlich über Gewalt gegen Kollegen klagten. Inzwischen hat der Wiener Stadtschulrat einen runden Tisch zum Thema einberufen, bei dem Lehrer, Schüler, Eltern, Polizei und Sozialarbeiter über Maßnahmen gegen Gewalt an Schulen sprechen sollen. Der runde Tisch soll im Lauf des Mai stattfinden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2018)

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