(Un)einheitliche Zentralmatura

BHS - warum Maschinenbauer und Kindergartenpädagogen teilweise dieselbe Mathematikmatura schreiben müssen.

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Themenbild: Zentralmatura
Themenbild: Zentralmatura – (c) APA/ROBERT JAEGER

Wien. Die heurige Mathematik-Zentralmatura fiel Schülern offenbar auch je nach Schultyp, den sie besuchen, unterschiedlich schwer. Laut Hochrechnungen des Bildungsministeriums wird es an Handelsakademien (HAK), an höheren land- und forstwirtschaftlichen Schulen (HLFS) sowie an humanberuflichen Schulen (HLW usw.) besonders viele Nicht genügend geben. Den Schülern der HTL dürfte die Reifeprüfung hingegen leicht gefallen sein. Der Grund dafür könnte am Aufbau der Matura liegen.

Die Zentralmatura soll für Vergleichbarkeit sorgen. Deshalb müssen alle Maturanten grundsätzlich die gleiche Matura schreiben. Das stellt das österreichische Schulsystem, das besonders differenziert ist, vor eine Herausforderung. Denn an HTL, HAK oder Bildungsanstalten für Elementarpädagogik wird absolut nicht das Gleiche gelehrt und gelernt. Dementsprechend ist auch die Anzahl der Mathematikstunden, die ein Schüler im Laufe der Jahre hat, extrem unterschiedlich. Die Matura ist (zum Teil) dennoch gleich.

Konkret gliedert sich die Mathematikmatura an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) in zwei Teile. Teil A und Teil B haben jeweils 24 Punkte. Teil A ist an allen BHS-Typen gleich. Diesmal mussten also HAK, HTL- und Kindergartenschüler sechs völlig idente Beispiele beantworten.

 

Fünf verschiedene Reifeprüfungen

Für eine positive Note braucht ein Schüler mindestens 23 Punkte – und zwar egal, ob diese Punkte aus Teil A oder B stammen. Das macht die Zentralmatura, könnte man meinen, für HTL-Schüler, die einen tiefergehenden Mathematikunterricht genossen haben, verhältnismäßig leicht. Im Bildungsministerium gibt man allerdings zu bedenken, dass die Schüler stets mit Teil B, in dem die schulformspezifischen Aufgaben überprüft werden, besser vertraut sind.

Es gab heuer bei der Mathematikmatura fünf unterschiedliche B-Teile – je einen für die Handelsakademien, für die humanberuflichen Schulen, für die Bildungsanstalten für Elementarpädagogik sowie zwei verschiedene Aufgabenhefte an den HTL. Immerhin gibt es hier von Chemie bis Innenarchitektur unterschiedlichste Zweige. Im Vorjahr gab es allein in der HTL noch fünf verschiedene B-Teile. Während die Matura also noch zentraler wird, werden die Rufe nach einer teilzentralen Matura lauter (siehe Artikel oben).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.05.2018)

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