Schumpeter-Handelsakademie: „Ich wurde durch das Coaching sehr ehrgeizig“

In Hietzing werden begabte Schüler zu unternehmerischem Denken hingeführt. Doch auch Kreativworkshops oder ein Schnuppersezierkurs werden besucht.

(c) Teresa Zötl

WIEN. Entrepreneurship: Das ist in den Schumpeter-Klassen der Bundeshandelsakademie Wien 13 nicht nur ein Schlagwort, sondern durchgängig gelebtes Leitmotiv. „Wir wollen die Schüler zu unternehmerischem Denken und Handeln hinführen“, betont Anneliese Rotter. Sie unterrichtet an der HAK Wien 13 und ist für die Schumpeter-Klassen zuständig.

Um dieses Ziel zu erreichen, geht man hier besondere Wege: Die Teilnahme an „extracurricularen Arbeitsgemeinschaften“ soll den Horizont erweitern, so Direktorin Christine Werdenich. Die Themenpalette ist breit und reicht von einem Schnuppersezierkurs an der Medizinischen Universität bis zu Kreativworkshops oder einer Auseinandersetzung über den richtigen Umgang mit Hunden. Das verpflichtende Belegen von Freigegenständen (sechs Wochenstunden in fünf Schuljahren) soll den Schülern nicht nur mehr Kenntnisse bringen, sondern auch die Fähigkeit zu Zeitmanagement schulen.

Weitere Besonderheiten dieser HAK: Ein Betriebspraktikum ist verpflichtend im Ausland zu absolvieren, die Schüler schreiben drei Jahresfacharbeiten, eine in einer Fremdsprache. Alle diese zusätzlichen Aktivitäten werden in einer Portfoliomappe dokumentiert. Hier findet sich auch eine individuelle Zielvereinbarung zwischen jedem Schüler und einem Lehrer.

Eine dieser Lehrerinnen ist Erika Hammerl. In der individuellen Zielvereinbarung werden nicht nur schulische, sondern auch private Ziele – wie etwa das Vorhaben, in der Freizeit mehr Sport zu betreiben – festgehalten, erzählt sie. Grundsätzlich müsse man sich dieses Coaching „wie ein firmeninternes Coaching“ vorstellen: Persönlichkeitsbildung sei hier ebenso Thema wie Social Skills, das Erlernen von Führungsverhalten und die Tools, die man dazu benötigt.

 

Leistung ist nichts Negatives

„Ich habe durch das Coaching gelernt, weiterzudenken. Ich habe erkannt, dass ich mir aus diesen fünf Jahren möglichst viel herausholen muss“, sagt Antonia Zeman (18), die die fünfte Klasse besucht. „Und ich bin durch das Coaching sehr ehrgeizig geworden“, sagt die Schülerin. Die Freude am Lernen ist ein einendes Element zwischen den Schülern.

So schätzt es Valentin Mayerhofer (15), Schüler der zweiten Klasse, dass man in einer Schumpeter-Klasse von den Gleichaltrigen nicht schief angeschaut werde, wenn man gute Leistungen erbringt. Im Gegenteil: Arbeitet bei einem Projekt jemand nicht mit vollem Einsatz mit, wird er von den anderen animiert, sich mehr zu engagieren.

Die Schüler werden hier von den Lehrern aber nicht nur angehalten, leistungsorientiert zu sein, sie müssen auch einen Gutteil ihrer Freizeit in ihre Ausbildung investieren. Jede Woche müssen beispielsweise fünf Stunden an außerschulischen Aktivitäten protokolliert werden – die Möglichkeiten reichen hier vom Durchackern von Wirtschaftsartikeln bis zu Theaterbesuchen.

Um dieses Pensum gut zu bewältigen, werden in diese Klassen nur leistungsstarke Jugendliche aufgenommen. Wer eine Schumpeter-Klasse besuchen möchte, muss über ein Zeugnis mit gutem oder ausgezeichnetem Erfolg verfügen oder eine entsprechende Empfehlung seines bisherigen Klassenvorstands vorweisen können und zudem ein psychologisches Testverfahren sowie ein Aufnahmegespräch absolvieren.

Dennoch betont Rotter: Es handle sich hier nicht um Hochbegabtenklassen. Das Lehrerteam bemühe sich vielmehr um Begabungsförderung für interessierte und lernstarke Schüler. Maximal 24 Schüler können seit mittlerweile zehn Jahren eine solche Klasse besuchen, doch es wird nicht zwangsweise bis zu dieser Zahl aufgefüllt, sagt die Direktorin. Die Klasse von Christopher Zajac (17) besuchen derzeit 19 Schüler – zwei absolvieren gerade ein Auslandssemester. Diese kleine Klassengröße sei schon sehr angenehm, betont der Schüler.

Matthias Gaeta (19) hat in der dritten Klasse ein Auslandssemester in Australien absolviert. Das Nachlernen des Stoffs sei zwar schon eine Herausforderung gewesen, dennoch möchte er den Aufenthalt in der Fremde nicht missen. Man werde einfach offener, aufgeschlossener, betont er. Sein Studium würde er gerne an einer englischen Uni absolvieren.

 

Wie Dienstzeugnisse

Generell tendieren die Absolventen der Schumpeter-HAK zu einem Universitätsstudium, sagt Rotter, doch längst nicht alle entscheiden sich für die Wirtschaftsuniversität. Während der Schulzeit werde durch die zusätzlichen Angebote und Aktivitäten in so viele Bereiche hineingeschnuppert, da ergeben sich auch viele andere Möglichkeiten. Immer wieder würden sich Maturanten für ein Medizin- oder Jusstudium entscheiden.

Wo auch immer sich die Schumpeter-Schüler bewerben: Die Portfoliomappe leistet dabei gute Dienste. Immer mehr Ausbildungsanbieter verlangen neben den Schulzeugnissen auch Nachweise außerschulischer Aktivitäten. Die Schumpeter-Schüler können hier mit ihrer Mappe einiges vorweisen. Hier ist nicht nur die Teilnahme an den „extracurricularen Arbeitsgemeinschaften“ dokumentiert, sondern auch Sprach- und EDV-Zertifikate, Auslandsaufenthalte, Betriebspraktika und die verbalen Beurteilungen, welche die Schüler in diesen Klassen ebenfalls erhalten. Abgefasst sind diese wie Dienstzeugnisse.

www.bhakwien13.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2010)

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