"Patriotische" Schüler besetzen Schule in Griechenland

Mehrere hundert Schüler gingen auf die Straße, um dagegen zu demonstrieren, dass sich das Nachbarland künftig "Nord-Mazedonien" nennen soll. Womöglich wurden sie von der "Goldenen Morgenröte" dazu motiviert. Auch Gegenproteste fanden statt.

In Griechenland sorgt die Besetzung von Schulgebäuden im Zuge des Namensstreits mit Mazedonien für politische Diskussionen.
In Griechenland sorgt die Besetzung von Schulgebäuden im Zuge des Namensstreits mit Mazedonien für politische Diskussionen.
In Griechenland sorgt die Besetzung von Schulgebäuden im Zuge des Namensstreits mit Mazedonien für politische Diskussionen. – imago/ZUMA Press

In Griechenland sorgt die Besetzung von Schulgebäuden im Zuge des Namensstreits mit Mazedonien für politische Diskussionen. Nationalistische Schülergruppen halten mehrere Bildungseinrichtungen okkupiert, um gegen die von beiden Staaten angestrebte Lösung zu protestieren. Ende der vergangenen Woche waren laut griechischem Unterrichtsministerium fast 15 Prozent der Bildungseinrichtungen betroffen. Es gibt aber auch Gegendemonstrationen.

Am Donnerstag waren in der nordgriechischen Metropole Thessaloniki etwa 1500 Schüler auf die Straße gegangen, um dagegen zu demonstrieren, dass sich das Nachbarland künftig "Nord-Mazedonien" nennen soll. Die Burschen und Mädchen trugen griechische Fahnen und andere nationale Symbole mit sich. Skandiert wurden Parolen wie "Makedonien ist griechisch" oder "Finger weg von Makedonien".

"Goldene Morgenröte" als Drahtzieher?

Der Großteil der Anwesenden bezeichnete den Protest als "patriotisch motiviert". Es wird vermutet, dass die Schüler von Rechtsextremisten und Ultranationalisten zu solchen Kundgebungen und den Schulbesetzungen angestiftet werden. Als Drahtzieher dürfte unter anderem die neonazistische "Goldene Morgenröte" aktiv sein.

In Athen wurden daher Ende der vergangenen Woche von linksorientierten Schülerorganisationen Kundgebungen gegen die Präsenz von Rechtsextremen und Nationalisten in den Schulen abgehalten. Dabei wurden Rufe wie "Faschisten, Nationalisten und Neonazis raus!" laut.

Die größte Oppositionspartei, die konservative "Nea Dimokratia" bekämpft zwar die Absprache der Regierung des linkspopulistischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras mit Skopje, stellte aber klar, dass sie die Schulbesetzungen nicht billigt. Diese sorgten bereits für einen heftigen Schlagabtausch zwischen Tsipras' "Syriza"-Partei und der "Nea Dimokratia" von Oppositionsführer Kiriakos Mitsotakis. Die Regierung wirft den Konservativen gefährliche nationalistische Agitation vor. "Nea Dimokratia" betont ihrerseits, dass Syriza in der Vergangenheit Gebäudebesetzungen linksorientierter Aktivisten befürwortet und damit Sympathien dafür geschaffen habe.

Einigung auf "Republik Nord-Mazedonien"

Bürgerschutzministerin Olga Gerovasili rief unterdessen im Parlament alle demokratischen Parteien Griechenlands dazu auf, rechtsextremistische Interventionen in den Schulen zu stoppen.

Mazedonien hatte im Juni mit Griechenland eine Lösung des jahrelangen Namensstreites vereinbart. Das Land soll künftig den Namen "Republik Nord-Mazedonien" tragen. Im Parlament von Skopje ist derzeit das Verfahren zu der entsprechenden Verfassungsänderung im Gange, obwohl die nationalkonservative Opposition lange Stimmung gegen das Abkommen gemacht hatte. Den Ankündigungen nach soll es bis Ende Jänner abgeschlossen werden.

Die griechische Bevölkerung wiederum ist in dem Namensstreit seit langem tief gespalten. Hinter der seit Jahrzehnten schwelenden Diskussion steht die auch von Nationalisten geschürte Furcht, der Nachbarstaat könnte mit der Landesbezeichnung Mazedonien Ansprüche auf die nordgriechische Provinz Makedonien erheben.

(APA)

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