Rückkehr der Ziffernnoten: Opposition gibt Regierung "Nicht genügend"

Die Opposition spricht mit Blick auf den Beschluss des Pädagogik-Pakets von "inhaltsleerer Symbolpolitik" und "einem Rückschritt ins 20. Jahrhundert". Die Regierung lobt das Ende linker Bildungspolitik.

Bildungsminister Heinz Faßmann verteidigt die Reform im Parlament
Bildungsminister Heinz Faßmann verteidigt die Reform im Parlament
Rückkehr der Ziffernnoten: Opposition gibt Regierung "Nicht genügend" – APA/ROLAND SCHLAGER

Das Pädagogik-Paket ist am Mittwoch im Nationalrat bei der Opposition durchgefallen. Vor allem die Wiedereinführung der Ziffernnoten und des Sitzenbleibens erhielt von SPÖ, NEOS und Liste jetzt ein klares "Nicht genügend". Die ÖVP verteidigte die Vorhaben, die FPÖ sah das Ende einer linken Bildungspolitik.

Zwar erkannte SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid auch positive Aspekte im Pädagogik-Paket, etwa freiwilliges zehntes Schuljahr und verpflichtender Förderunterricht, der Rest sei jedoch "ein Rückschritt ins 20. Jahrhundert". "Was sagt Ihnen 'Befriedigend'? Nicht wirklich viel", meinte sie in Richtung Regierungsfraktionen zu den Ziffernnoten. Das Paket sei ideologische Parteipolitik auf dem Rücken der Kinder.

"Inhaltsleere Symbolpolitik"

"Natürlich ist unsere Entscheidung, die wir hier treffen, eine politische Entscheidung", belehrte Rudolf Taschner von der ÖVP seine Vorrednerin - "denn es behandelt die Polis", sei also eine Entscheidung für die Gesellschaft. Mit Ziffernnoten werde "eine klare und präzise Aussage getroffen", den Lehrern komme dabei eine "gutachterliche Tätigkeit" zu. Zudem sei das Paket "eigentlich nur ein Gerüst", das noch mit Leben erfüllt werde.

"Dass wir im Schulsystem längst was machen müssen, da sind wir uns einig", bekannte Douglas Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS). Was allerdings nicht genüge, seien "Retro-Schritte", sprach er ebenfalls die Wiedereinführung der Ziffernnoten an. Er sieht darin "inhaltsleere Symbolpolitik", vielmehr müsse man den Pädagoginnen und Pädagogen vor Ort vertrauen und ihnen die pädagogische Autonomie geben.

"Abseits von Kuschel- und Wohlfühl-Pädagogik"

Der freiheitliche Abgeordnete Wendelin Mölzer sah in seinem Redebeitrag vor allem die "sozialistische Bildungspolitik" mit verantwortlich, dass Kinder in der Schule schlecht abschneiden. Mit dem Pädagogik-Paket habe man eine Kursumkehr geschafft und den Weg einer "ideologiemotivierten Schulpolitik" verlassen, "abseits von Kuschel- und Wohlfühl-Pädagogik im 68er-Stil".

Für Stephanie Cox von der Liste Jetzt (vormals Liste Pilz) ist eine "positive Grundhaltung gegenüber dem Lernen" ein wichtiges Element für das Erlernen von Neuem - und weniger Ziffernnoten und Sitzenbleiben. Sie forderte Empathie, Kreativität und Lösungskompetenz ein - "was die Regierung im Moment macht, erinnert mich eher an Law and Order". Der Druck auf Lehrer, Schüler und Eltern werde damit erhöht.

Das Pädagogik-Paket bringt an Volksschulen die Wiedereinführung von Ziffernnoten und des Sitzenbleibens ab der zweiten Klasse. An den Neuen Mittelschulen (NMS), die das "Neue" aus dem Namen verlieren, wird es ab der sechsten Schulstufe (2. Klasse) zwei unterschiedliche Leistungsniveaus ("Standard" und "Standard-AHS") geben, und zwar mit zwei einander überlappenden Notenskalen. Schulautonom erhalten die NMS die Möglichkeit, zur Leistungsdifferenzierung ab der sechsten Schulstufe in Deutsch, Mathe und Englisch dauerhafte Gruppen einzurichten.

(APA)

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