ÖVP-Lehrergewerkschafter zu türkis-blauer Bildungspolitik: "Da war viel Blödsinn"

ÖVP-Lehrergewerkschafter Paul Kimberger kritisiert türkis-blaue Reformen wie die Deutschklassen und die Ziffernnoten.

ÖVP-Lehrergewerkschafter Paul Kimberger.
ÖVP-Lehrergewerkschafter Paul Kimberger.
ÖVP-Lehrergewerkschafter Paul Kimberger. – (c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Wien. „Da waren gute Sachen, und da war viel Blödsinn im alten Regierungsprogramm.“ Diese Aussage über die Bildungspolitik von Türkis-Blau ist durchaus überraschend – vor allem, wenn man den Absender kennt. Das hat der ÖVP-Pflichtschullehrergewerkschafter Paul Kimberger gesagt, wie der „Kurier“ berichtet. Auch Ex-Minister Heinz Faßmann sei laut Kimberger „mit einigem nicht glücklich“ gewesen.

Der Lehrergewerkschafter selbst hadert offenbar mit zwei sehr prominenten türkis-blauen Bildungsprojekten: mit der Wiedereinführung der Ziffernnoten in der Volksschule und mit der Umsetzung der Deutschklassen. Kritik an den Deutschklassen – sie müssen von Schülern, die nicht gut genug Deutsch sprechen, besucht werden – übte Kimberger schon früher. Die Reform sei „in den Sand gesetzt“ worden, monierte er vor einem Jahr in der „Presse“. Die Regierung schraubte noch daran und beschloss das Gesetz inklusive kleiner Adaptierungen.

Kimberger hält die Reform dennoch für „nicht funktionsfähig“. Denn die aktuelle Regelung führe dazu, dass Kinder, die die Deutschklasse verlassen und in eine Regelklasse umsteigen dürfen, jegliche Sprachförderung verlieren. Die Schüler verfügen dann nämlich nicht mehr über den Status a.o. (außerordentliche Schüler). Damit fallen sie in das normale Benotungsschema und werden aufgrund ihrer noch immer ausbaufähigen Deutschkenntnisse negativ beurteilt.

 

Schule soll über Noten entscheiden

Mit der neuen Bildungsministerin, Iris Rauskala, will Kimberger über Änderungen bei der Beurteilung reden. Eigentlich müssen ab nächstem Schuljahr verpflichtend Ziffernnoten im Zeugnis stehen: ab dem Abschlusszeugnis der zweiten Klasse Volksschule. Davon hält Kimberger wenig. In den ersten beiden Schulstufen soll die Entscheidung darüber, ob verbal oder mit Ziffern benotet wird, allein bei den Schulen liegen.

Trotz der beiden Kritikpunkte hätte Kimberger Heinz Faßmann gern noch länger in der Ministerrolle gesehen. Es habe auch viele gute Maßnahmen gegeben, und der Minister habe „immer ein Ohr für uns Gewerkschafter“ gehabt. (j. n.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2019)

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