Schule: Deutschklassen bleiben, Time-out kommt

Die neue Bildungsministerin Iris Eliisa Rauskala hält an Projekten ihres Vorgängers Heinz Faßmann (ÖVP) fest. Als Übergangsressortchefin will sie gestalten, wo es notwendig ist – und verwalten, wo das reicht.

Die neue Bildungsministerin Iris Rauskala bei ihrer ersten Pressekonferenz.
Die neue Bildungsministerin Iris Rauskala bei ihrer ersten Pressekonferenz.
Die neue Bildungsministerin Iris Rauskala bei ihrer ersten Pressekonferenz. – (c) APA/GEORG HOCHMUTH

Wien. Es war eine Art Kennenlernen mit der neuen Bildungsministerin. Und Iris Rauskala, bis vor wenigen Tagen noch Spitzenbeamtin, nutzte ihren ersten Auftritt an der Spitze des Ressorts, um ihr Amtsverständnis zu skizzieren: „Wir haben den Auftrag, uns darum zu kümmern, dass in der Zeit der Übergangsregierung die Dinge weiterhin gut laufen.“ Das heißt: „Dass wir gestalten, wo es notwendig ist und verwalten, wo das reicht.“

Etwas konkreter ließ die neue Ministerin durchblicken, dass sie an Projekten festhalten wird, die ihr Vorgänger Heinz Faßmann (ÖVP) angestoßen hat. Der Bereich brauche „vor allem Kontinuität und Stabilität“, sagte Rauskala bei der Präsentation der Zentralmaturaergebnisse. „Es wäre nicht gut möglich, so etwas wie einen Supertanker Bildungssystem auf Stopp zu stellen.“

Darüber, dass die neue Finanzierung des Ganztagsschulausbaus durch einen ÖVP-FPÖ-Initiativantrag im Parlament wie geplant umgesetzt werden soll, ist Rauskala froh. Das von Faßmann ausgearbeitete neue Modell – das unter anderem Geld für bestehende Betreuungsplätze bringen soll – hätte noch vom Ministerrat dem Parlament zugewiesen werden müssen.

Ansonsten gebe es „eine riesige Latte“ an Projekten, an denen weiter gearbeitet werde. Während es für die Unis etwa um die nächste Budgetperiode gehe, müssten für den Schulbereich die Vorbereitungen für den Ethikunterricht geleistet werden, es gehe weiter mit der Lehrplanentwicklung, ebenso wie mit dem Thema, wie mit Gewalt an Schulen umgegangen wird.

So sollen etwa die sogenannten Time-out-Gruppen für Problemschüler, die Faßmann nach dem Spuckvorfall in der HTL Ottakring angekündigt hatte, wie geplant in Pilotprojekten ausprobiert werden. Auch bei den Deutschförderklassen soll es bleiben, sagt Rauskala. Sie habe „keine Überlegungen, davon abzuweichen“. Umso mehr, da diese Reform bis dato noch gar nicht ganz in den Schulen angekommen sei: Erst ab Herbst gibt es einen standardisierten Test für Deutsch, auch der einheitliche Lehrplan ist noch nicht überall umgesetzt. Mit der Gewerkschaft – die zuletzt wieder heftige Kritik äußerte – will sie bald reden.

Was die drei Monate Probezeit für Junglehrer angeht, die Wiens Bildungsdirektor Heinrich Himmer (SPÖ) zuletzt angeregt hat, ist Rauskala dagegen skeptisch: „So einfach geht das gar nicht“, sagte die Ministerin. Dafür brauche es ihrer Meinung nach nämlich – anders als von Himmer argumentiert – entsprechende legistische Maßnahmen. Und das sei in der Übergangsphase schwierig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2019)

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