Kolmann: „Strafe für Schulschwänzen greift zu kurz"

Die Bundesschulsprecherin von der ÖVP-nahen Schülerunion schlägt SPÖ-Ministerin Schmied Alternative zu Stufenplan vor.

Strafe fuer Schulschwaenzen greift
Strafe fuer Schulschwaenzen greift
Conny Kolmann – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

[WIEN] Naturgemäß in der eigenen Partei, aber auch beim Koalitionspartner ÖVP erntet SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied viel Zustimmung mit ihrem „Stufenplan" für Strafen fürs Schulschwänzen: 440 Euro sollen Eltern demnach zahlen, wenn ihre Kinder wiederholt in der Schule fehlen, so ihr Vorschlag, den die Regierung schon bald fixieren will. Relevant werden soll eine Geldstrafe aber erst ab zehn Tagen oder 60 Stunden, die ein Schüler unentschuldigt fehlt - und nach diversen Maßnahmen von Pflichtgesprächen zwischen Schülern, Eltern und Lehrern bis zur Einbeziehung von Schulpsychologen.

Für Bundesschulsprecherin Conny Kolmann von der ÖVP-nahen Schülerunion sind das dennoch keine guten Aussichten: „Eine Strafe für Schulschwänzen greift zu kurz und ist bestenfalls der letzte Ausweg", sagt sie im Interview mit der „Presse". Sie vermisst vor allem eine „Ursachenforschung". „Schüler gehen ja nicht deshalb nicht in die Schule, weil es ihnen gerade nicht taugt. Sondern da stecken meist Probleme wie die Angst vor einem Fach oder allgemeines Nichtmitkommen dahinter." Auch „Stress mit den Eltern" sei oft ein Grund.

Konkret schweben Kolmann folgende Maßnahmen vor:

► Mehr Sozialarbeiter an Schulen: Statt Schulpsychologen würden sich gerade „Problemschüler" lieber Sozialarbeitern anvertrauen. „Da ist die Hemmschwelle niedriger." Deren Zahl solle daher „deutlich" angehoben werden.

► Besser ausgebildete Lehrer: Künftige Lehrer sollten eigens für „Ursachenforschung", aber auch die Gruppendynamik in Klassen ausgebildet werden. Hier sieht Kolmann noch große Mängel.

► Neue „Vereinbarungskultur": An jeder Schule sollten eigene, strengere Regeln darüber entstehen, wie mit Schulschwänzern zu verfahren ist. Schüler, Eltern und Lehrer sollten sich besser an solche Regeln halten.

„Eine Strafe, die sich viele Eltern gar nicht leisten können, behebt das Problem nicht an der Wurzel", sagt Kolmann, die ihre Vorschläge demnächst auch noch bei einem Treffen mit Schmied durchsetzen will.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2012)

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