Bildung: Österreich fällt weiter zurück

Laut OECD-Studie habe Bildung in Österreich keine Priorität. Bildungsausgaben sinken - entgegen dem internationalen Trend. Um die Effizienz des Systems ist es schlecht bestellt. Um die Absolventenzahlen ebenso.

Symbolbild
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(c) FABRY Clemens

Wien/Chs. Erfolgsverwöhnt ist Österreich, was die Ergebnisse bei internationalen Bildungsvergleichen (Stichwort PISA) anlangt, ohnehin schon lange nicht mehr. Der am Dienstag vorgelegte OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick“ stellt der heimischen Politik erneut schlechte Noten aus: Die Bildung habe in Österreich keine Priorität, vor allem im Hochschulsektor werde das Land weiter zurückfallen – so lauten die zentralen Schlussfolgerungen im Bericht.

Gemessen am BIP sind die Bildungsausgaben in Österreich nicht nur generell verhältnismäßig niedrig. Sie sind während der vergangenen Jahre sogar stark gesunken: von 6,2 Prozent im Jahr 1995 auf 5,4Prozent im Jahr 2008. Vor allem im Schulbereich gingen die Ausgaben zurück. In drei Vierteln der Länder verlief der Trend genau umgekehrt: Die Ausgaben für den Bildungssektor stiegen dort stärker als das BIP. Besonders hoch sind sie in Chile, Dänemark und Island. Laut OECD erlaubt das „Rückschlüsse darüber, in welchem Ausmaß ein Land Bildung Priorität einräumt“.

Speziell für den Hochschulbereich zeichnet die OECD kein positives Bild: Obwohl die Zahl der Absolventen steige, werde Österreich im Ländervergleich weiter zurückfallen. Während es anderswo einen „dynamischeren Ausbau der höheren Bildung gegeben hat“, herrsche hierzulande gerade bei der Spitzenqualifikation „noch Nachholbedarf“, sagt OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher.

OECD-Studie: Die Ergebnisse im Detail

Studie belegt Effizienzproblem

Derzeit liegt der Anteil der Hochschulabsolventen in Österreich in der Altersgruppe von 25 bis 64Jahren bei nur 19Prozent. Der OECD-Schnitt beträgt 30Prozent. Die Prognose: Auch in Zukunft werden in Österreich, im Gegensatz zu anderen Staaten, nicht wesentlich mehr Akademiker „nachrücken“. Weiterer Kritikpunkt: In Österreich ist jeder fünfte 15- bis 19-Jährige nicht mehr in Ausbildung – in anderen Ländern sind bis zu 90Prozent dieser Altersgruppe noch im System.

Welcher Partei die Daten in die Hände spielen, ist schwer zu sagen. Die OECD-Studie eignet sich seit jeher bestens für politisch motivierte (Fehl-)Interpretationen: So stellt sich die Frage, wie relevant das BIP als Referenzpunkt für die Qualität des Bildungssystems überhaupt ist. Denn: Umgerechnet auf die Schüler- bzw. Studentenzahl liegen die österreichischen Bildungsausgaben nicht unter, sondern deutlich über dem Schnitt (siehe Grafik). Im Jahr 2008 betrugen sie 11.852 Dollar (8685 Euro) pro Person. Der OECD-Schnitt liegt bei 8831 Dollar (6472 Euro). Das nährt die Kritik, das System arbeite nicht effizient.

Zudem – und dieses Argument führt die ÖVP ins Treffen – sind die Bildungsausgaben am BIP nur deshalb so niedrig, weil die private Beteiligung fehlt. Misst man nur staatliche Ausgaben (5,2 Prozent), liegt Österreich sogar leicht über dem Durchschnitt (5 Prozent). Es sind die privaten Bildungsinvestitionen (Stichwort Studiengebühr, Schulgeld), bei denen Österreich mit nur 0,2 Prozent aber klar unter dem Schnitt von 0,9 Prozent liegt.

 

Gute Gehälter für Akademiker

Und auch über die niedrige Akademikerquote lässt sich streiten: Die einen – vorwiegend aus dem linken Lager – meinen, dass diese das Fehlen der sozialen Durchlässigkeit im Bildungssystem belege. Andere führen ins Treffen, dass viele Bildungswege in Österreich nicht mit akademischem Abschluss enden – in anderen Ländern schon.

Positive Bilanz aus der OECD-Studie zieht übrigens Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ): So liege die Klassengröße bei 19,8 Kindern in der Volksschule sowie bei 22,6 Kindern in der AHS – und damit besser als der OECD-Schnitt. Auch der in Österreich gut ausgebaute berufsbildende Bereich habe gut abgeschnitten, sagt Schmied.

Und: In kaum einem anderen Land genießen Akademiker einen so hohen Lebensstandard und so hohe Gehälter wie in Österreich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2011)

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