Zentralmatura wird um ein Jahr verschoben

Der für 2014 geplante Start der Zentralmatura wird nun doch um ein Jahr verschoben. Die Kritik von Schülern, Lehrern, Eltern und Experten dürfte zu groß geworden sein.

Zentralmatura wird Jahr verschoben
Zentralmatura wird Jahr verschoben
(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Der Start der standardisierten Reifeprüfung wird um ein Jahr verschoben. Das hat Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) nach einem Schulpartnergipfel gemeinsam mit den Bildungssprechern Werner Amon (ÖVP) und Elmar Mayer (SPÖ) am Montag in einer Pressekonferenz bekanntgegeben. An den AHS wird es damit erst ab 2015 und an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) ab 2016 bei den Klausuren einheitliche Maturaaufgaben in den Fächern Deutsch, Mathematik und den Fremdsprachen geben.

Allerdings sollen jene Standorte, die sich bereits ausreichend vorbereitet fühlen, wie bisher geplant 2014 (AHS) bzw. 2015 (BHS) mit der neuen Reifeprüfung beginnen können. Dabei müssen jeweils zwei Drittel der Eltern-, Schüler- und Lehrervertreter der Schule zustimmen. Noch vor dem Sommer sollen Initiativanträge ins Parlament eingebracht werden, in denen die Details geregelt werden, kündigte Schmied an.

Die Ministerin hatte, wie auch Amon, eine Verschiebung bisher stets dezidiert ausgeschlossen. Dass die Schulen nun doch ein Jahr Aufschub erhalten, begründete Schmied damit, dass es noch immer Standorte gebe, wo Schüler, Eltern und Lehrer warnten, dass die Vorbereitungen nicht zeitgerecht abgeschlossen werden könnten. Andere hingegen seien bereits startklar. Am Wochenende habe sie nun mit Amon und Mayer eine Lösung gesucht, "die beiden Gegebenheiten gerecht wird".

Schmied: "Vielleicht ein Zeichen von Stärke"

Claudia Schmied verteidigte die Verschiebung der Zentralmatura, immerhin seien 45.000 Schüler betroffen. "Vielleicht ist es auch ein Zeichen von Stärke zu sagen: Ich nehme die Sorgen ernst." Eine weitere Verschiebung schloss Schmied allerdings aus: "Wir müssen jetzt an diesem Termin festhalten." Dafür forderte sie auch die Mithilfe der Lehrer: Ich erwarte mir jetzt auch von allen Lehrerinnen und Lehrern, dass sie das Thema ernst nehmen."

In dem zusätzlichen Jahr zur Vorbereitung seien alle Beteiligten - vom Ministerium und den Landesschulräten bis hin zu den einzelnen Schulstandorten - bei der Umsetzung gefordert. "Ich denke, das müsste jetzt gut zu schaffen sein", betonte Schmied.

Bifie: Verschiebung wäre nicht nötig

Laut Christian Dorninger, dem interimistischen Direktor des für die österreichweit einheitlichen Klausuren zuständigen Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), sollten im Laufe eines Jahres bereits bis zu 90 Prozent der betroffenen Lehrer durch Fortbildungsmaßnahmen zur Zentralmatura erreicht werden. Aus seiner Sicht wäre die Verschiebung gar nicht nötig gewesen. "Jetzt haben wir mehr Zeit, aber in Wirklichkeit ist das Programm seit letzter Woche voll angelaufen."

Schmied hob hervor, dass mit dem "Optionenmodell" nicht nur dem unterschiedlichen Vorbereitungsniveau an den einzelnen Standorten Rechnung getragen, sondern auch klar gezeigt werde, dass man die Meinung der Schulpartner ernst nehme. Die Entscheidungen an den einzelnen Schulen über einen freiwilligen früheren Start sollen nun möglichst schnell getroffen werden, spätestmöglicher Zeitpunkt ist laut Schmied zum Ende der siebenten Klasse AHS, wenn die Schüler die Themen für die vorwissenschaftliche Arbeit festlegen müssen.

Elternvereine: "Erfolg der Schulpartner"

Als "Erfolg der Schulpartner" wertet der Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen die einjährige Verschiebung der Zentralmatura. Dies sei "eine absolut zielführende Entscheidung", hieß es in einer Aussendung.

Eine "Neuauflage" der Matura neu werde man "sicherlich genau verfolgen und kritisch beobachten", so Vorsitzender Theodor Saverschel bei der Pressekonferenz der Unterrichtsministerin. Seiner Ansicht nach gibt es Bereiche wie die Fremdsprachen, die schon jetzt gut vorbereitet seien. In anderen wie der Mathematik sei jedoch auch der neue Zeitplan "sehr enthusiastisch, weil noch viel zu tun ist".

Bundesschulsprecherin in Feierlaune

In Feierlaune zeigte sich Bundesschulsprecherin Conny Kolmann von der VP-nahen Schülerunion. Gerade der Druck der Schülervertreter mit einer Bürgerinitiative habe zum Umdenken im Unterrichtsministerium geführt. "Dabei möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass gerade unser Vorschlag, die Schulstandorte entscheiden zu lassen umgesetzt wird", so Kolmann im Rahmen der Pressekonferenz. "Dies ist ein Erfolg für alle Schülervertreter und Schüler in ganz Österreich, die gemeinsam Unterschriften gesammelt haben und für die Verschiebung gekämpft haben."

Verhalten optimistisch zeigte sich der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eckehard Quin. "Durch das eine Jahr Aufschub ist das Problem nicht gelöst, aber es ist notwendig, um die Probleme zu lösen." Aus seiner Sicht ist noch viel Vorbereitung nötig. Der neue Zeitplan sei dann einhaltbar, wenn es "die notwendigen Festlegungen gibt", forderte er etwa Präzisierungen zur Leistungsbeurteilung. "Wir werden fleißig arbeiten müssen."

Grüne fordern Rücktritt von Schmied

Die Grünen fordern Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) anlässlich der Verschiebung der Zentralmatura zum Rücktritt auf. Die Entscheidung der Ministerin sei "eine fatale Fehlentscheidung", so der Grüne Bildungssprecher Harald Walser in einer Aussendung. Schmied sei nun mit zwei zentralen Reformen - der gemeinsamen Schule und der Zentralmatura - gescheitert: "Sie sollte die Konsequenzen ziehen und das Feld räumen."

In Anspielung auf die "überschwängliche Freude der ÖVP-nahen Interessensvertretungen über die abgeblasene Zentralmatura" sieht Walser die "Bildungsblockierer triumphieren - zum Schaden des Bildungssystems":"Der Kleingeist gewinnt die Oberhand über den Reformwillen. Und die Ministerin lässt sich auf offener Bühne von den Blockieren hinrichten." Dies sei "die Bankrotterklärung der rot-schwarzen Bildungspolitik". Von der eigenen Partei habe Schmied keine Unterstützung erhalten, von der ÖVP sei sie "bis aufs Messer bekämpf worden".

FPÖ und BZÖ: "Richtige Entscheidung"

Als einen "Sieg der Vernunft" wertet FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz die Verschiebung der Zentralmatura um ein Jahr. Die FPÖ habe dies bereits angesichts der knappen Vorbereitungszeit für Schüler und Lehrer wiederholt gefordert. "Was außerdem noch gefragt ist, ist die umfassende Veröffentlichung der Ergebnisse der ersten Zentralmatura-Probeläufe", so Rosenkranz in einer Aussendung.

Als "notwendigen Schritt" bezeichnete BZÖ-Bildungssprecherin Ursula Haubner die Verschiebung. Die vorangegangenen Diskussionen hätten "bereits gezeigt, dass es sich bei den Vorbereitungen zur Zentralmatura um eine Husch-Pfusch Aktion gehandelt hat", so Haubner in einer Aussendung.

Hintergrund zur Zentralmatura

Bei der Zentralmatura sollten ab 2014 an den AHS und ab 2015 an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) alle Schüler am selben Tag idente Aufgaben in Deutsch, Mathematik und den Fremdsprachen lösen. Die Fragen werden vom Bifie erstellt, das den Lehrern auch einen Bewertungsschlüssel vorgibt. Neben den zentralen Klausuren besteht die neue Reifeprüfung aus zwei weiteren, voneinander unabhängigen Säulen: Zusätzlich muss jeder Schüler eigenständig außerhalb der Unterrichtszeit eine vorwissenschaftliche Arbeit (an den BHS: Diplomarbeit) erstellen und präsentieren. Bei der mündlichen Prüfung können die Schulstandorte eigene Schwerpunkte setzen: Die Lehrer eines Faches einigen sich dabei auf einen Themenpool, aus dem die Prüflinge ihre Aufgabe ziehen.

 

(APA/Red.)

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