Forderung nach PISA-Kontrolle: Institutsleiter wehrt sich

Nach Angriffen schießt der Chef des PISA-Instituts Bifie, Günter Haider, zurück: Attacken seien persönlich motiviert. Der PISA-Test 2009 sei korrekt abgelaufen, eine Kontrolle würde er nicht fürchten.

(c) Clemens Fabry

Wien. Es ist vor allem ein Kampf unter Experten, der jetzt einen neuen Höhepunkt erreicht. Nach Attacken auf das österreichische PISA-Institut, das Bifie, setzt sich dessen Leiter Günter Haider zur Wehr: Angriffe, wonach das Bifie Daten zum PISA-Test 2009 nicht freigebe, würden jeder Grundlage entbehren, sagt er der „Presse“. Sämtliche Daten stünden sogar auf der Homepage der OECD, die PISA international koordiniert, bereit. Nur einzelne Daten sind von der OECD – auf Veranlassung des Bifie – „geschwärzt“ worden; das Institut argumentiert mit dem Datenschutz. Welche Schulen und Schüler 2009 teilgenommen haben, wurde verschlüsselt und kann von Experten von außerhalb des Bifie derzeit nicht nachvollzogen werden.

 

„Bestgeprüfte Studie“

Doch für die Freigabe solcher Daten sei gar nicht das Bifie zuständig, betont Haider; nur Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) oder der wissenschaftliche Beirat des Bifie könnten diese zulassen. Kommt es doch noch zu einer PISA-Kontrolle durch externe Experten, sähe Haider dies gelassen: „PISA ist die bestgeprüfte Studie. Die OECD hat sich bisher meines Wissens nicht verrechnet“, so der PISA-Österreich-Chef.

Davor hatte etwa der unabhängige Statistiker Erich Neuwirth auf eine Überprüfung von PISA 2009 gedrängt: Es könnte bei dem Test zu Fehlern gekommen sein, das Österreich-Ergebnis also eventuell etwas besser sein als Ende 2010 präsentiert: Damals waren „Horrorzahlen“ veröffentlicht worden; Österreichs Schüler sind im internationalen Vergleich vor allem beim Lesen abgerutscht.

Vor dem Test hatten Schülervertreter die PISA-Teilnehmer zum Boykott aufgerufen – unter anderem wegen geplanter Änderungen bei den schulautonomen Tagen. Außerdem könnten „Risikoschüler“ überrepräsentiert gewesen sein, so eine Befürchtung, die neben Neuwirth auch Vertreter von Vorarlberg, Tirol, Oberösterreich und Niederösterreich geäußert haben.

Schon PISA 2000 wurde nachträglich korrigiert: Ein Expertenteam um Neuwirth hatte den Test im Auftrag der damaligen Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) geprüft, das Team stellte Unregelmäßigkeiten bei der Schülerauswahl fest. Die OECD korrigierte die Österreich-Ergebnisse daraufhin um 15 Punkte nach unten. Den PISA-Test hatte damals das Bifie-Vorgängerinstitut abgewickelt.

Dass PISA Österreich – und damit das Bifie – nun neuerlich in der Kritik steht, dahinter vermutet Haider aber vor allem eine persönliche Attacke Neuwirths, Details lässt er offen. Für Haider steht aber fest: „Seine (Neuwirths, Anm.) Anschuldigungen haben keine Substanz.“ Das Bifie arbeite korrekt und nach dem letzten wissenschaftlichen Stand, betont Haider. Zudem teste das Bifie zwar Österreichs PISA-Teilnehmer. Die Daten leite es aber an die OECD weiter, diese sei für PISA-Zahlen und PISA-Bericht zuständig. Das Bifie fasse den Bericht „nur“ zusammen.

Auch Vermutungen, insbesondere bei ÖVP und FPÖ, das Bifie liefere SPÖ-Ministerin Schmied gern Argumente für ihre Bildungspolitik – etwa für eine gemeinsame Schule bis 14 Jahre –, weist Haider zurück: „Es wäre absurd zu glauben, wir würden aus Gefälligkeit gegenüber der Ministerin oder einer Partei PISA-Ergebnisse manipulieren.“ Haider ist für eine gemeinsame Schule, betont aber seine fachliche Unabhängigkeit.

 

ÖVP: Parlamentarische Anfrage

Die ÖVP stellte nun eine parlamentarische Anfrage zur Zusammensetzung und Leistung des Bifie. Immerhin kassierte es vom Staat zuletzt 13 Mio. Euro im Jahr, unter anderem für Arbeiten zu PISA, zum Lesetest Pirls und zu den heimischen Bildungsstandards. Die Antworten Schmieds stehen noch aus. Die Ministerin verteidigt aber das Bifie: Es arbeite nach internationalen Grundsätzen, bei PISA nach den OECD-Regeln. Eine PISA-Kontrolle lehnte Schmied bisher ab.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2011)

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