Diplomarbeit: So funktioniert die Plagiatsprüfung

Unis verlassen sich bei der Prüfung von Abschlussarbeiten nicht auf menschliche Kontrolle. Plagiatsprogramme helfen, Schummeleien aufzudecken. Ab acht Wörtern in Folge aus einer Quelle schlägt die Software Alarm.

Symbolbild
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(c) Clemens Fabry

Wien. Dass es mitunter mühsamer sein kann, ein gutes Plagiat zu schaffen, als eine Abschlussarbeit selbst zu verfassen, das wusste Umberto Eco schon in einer Zeit, in der Professoren ganz ohne technische Hilfsmittel auskommen mussten. Seit der Einführung elektronischer Software zur Plagiatskontrolle wurden die Chancen, unentdeckt abzuschreiben, weiter deutlich verringert. Doch wie funktioniert die digitale Plagiatsprüfung, und was steckt hinter dem mythenumrankten Computersystem?

Nach dem Hochladen der Abschlussarbeit erfolgt ein Abgleich der Arbeit mit allen Texten, die elektronisch verfügbar sind, erklärt Brigitte Kopp, als Studienpräses der Universität Wien für Plagiatskontrolle an Österreichs größter Hochschule zuständig. Für diesen Vorgang bedient sich die Universität spezieller Plagiatsprogramme wie Ephorus und iThenticate. Diese Wunderwaffen im Kampf gegen studentische Schummelei beziehen in den Textvergleich nicht nur alle digitalisierten Bücher und elektronischen Zeitschriften der Universität mit ein, sondern generell alle Dokumente, die im Internet oder bei einem der großen Verlagshäuser in elektronischer Form existieren. Zusätzlich dazu werden seit Einführung der flächendeckenden digitalen Plagiatsprüfung im Jahr 2008 alle studentischen Abschlussarbeiten der Universität Wien elektronisch gespeichert und ebenfalls auf Gemeinsamkeiten abgeglichen.

Auch Stilbrüche machen stutzig

Binnen 24 Stunden landet der Prüfbericht des Programms am Computer der zuständigen Studienprogrammleitung. Sobald mehr als acht Wörter in Folge aus einer Quelle in der Arbeit vorkommen, schlägt die Software Alarm: Textgleichheiten werden markiert, und die Originalquelle der betreffenden Stelle wird angezeigt. Eine Schwierigkeit bei der Anwendung des Programms besteht darin, dass auch Zitate als Gemeinsamkeiten ausgewiesen werden. Daher muss jede angezeigte Gleichheit vom Studienprogrammleiter genau unter die Lupe genommen werden. Jedes Zitat wird hinsichtlich korrekter Zitierweise überprüft.

Neben elektronischer Kontrolle spielt daher die menschliche Überprüfung immer noch eine bedeutende Rolle. Margarete Grandner, Studienprogrammleiterin am Institut für Internationale Entwicklung, legt zudem ein Augenmerk auf das Gesamtbild der Arbeit: „Eine aufmerksame Leserin machen Stilbrüche im Text ebenso stutzig wie Absätze von blendendem Englisch in einer sonst eher holprigen englischsprachigen Arbeit.“ Kommt die Studienprogrammleitung nach Abschluss der Plagiatsprüfung zu dem Ergebnis, dass kein Plagiat vorliegt, kann der Betreuer an die Beurteilung der Abschlussarbeit schreiten. Bei kleineren Mängeln in der Zitierweise wird die Arbeit unter Rücksprache mit dem Betreuer an den Verfasser zur Überarbeitung zurückgegeben. Wurde jedoch derart dreist kopiert, dass eine Chance zur Verbesserung als nicht gerechtfertigt erscheint, muss der Student noch einmal mit einem neuen Thema von vorn beginnen.

Kopien bei sieben von 20.000 Arbeiten

Die Zahl dieser Fälle ist nicht zuletzt aufgrund starker Bewusstseinsbildung schon während des Studiums jedoch ohnehin sehr gering. Seit 2008 wurden an der Universität Wien 20.000 Arbeiten kontrolliert – davon wurden 120 zur Überarbeitung zurückgewiesen und nur sieben als Plagiat bewertet. Für jene sieben Studenten, die sich beim Schummeln zu ungeschickt angestellt hatten, hieß es: zurück an den Start. Der Hochschule wurden sie jedoch nicht verwiesen. Im Gegensatz zu anderen Ländern sieht der österreichische Gesetzgeber eine derart drastische Sanktion aufgrund eines Plagiats nicht vor.

Auf einen Blick

Plagiatsprüfung. Seit dem Jahr 2008 ist die elektronische Überprüfung von wissenschaftlichen Abschlussarbeiten an Österreichs Unis Pflicht. Mittels Programmen wie Ephorus und iThenticate werden Arbeiten auf Textgleichheiten mit Texten aus dem Internet, elektronisch verfügbaren Büchern, Zeitschriften und Abschlussarbeiten untersucht. Aufgespürte Passagen werden dann von der Studienprogrammleitung überprüft.
Wenige Fälle. An der Universität Wien wurden seit Einführung der elektronischen Plagiatskontrolle rund 20.000 Arbeiten untersucht. 120 waren auffällig, nur sieben waren aber echte Plagiate. Für Studenten, die erwischt werden, heißt es: zurück an den Start.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2012)

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