Wo, bitte, geht's hier zur Karriereleiter?

Netzwerke. Die Zeiten, in denen ein akademischer Titel Garantie für einen guten Posten war, sind vorbei. In Studenten- Netzwerken wird man geschult, bekommt Praktika – und knüpft vor allem Kontakte.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Dass ein Uni-Abschluss nicht gleich bedeutet, dass sich die Personalchefs um einen reißen, weiß man als Teil der viel strapazierten „Generation Praktikum“ nur allzu gut. Es hilft also, bereits während des Studiums Pluspunkte zu sammeln. Denn kaum ein Personalverantwortlicher achtet bei Bewerbern nicht auch auf die Aktivitäten außerhalb des Studiums. Schließlich bedeutet Engagement in Studentenorganisationen intensive Praxiserfahrung, oft auch den Austausch mit interessanten Persönlichkeiten und die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. „UniLive“ stellt die wichtigsten Studenten-Netzwerke vor.

Österreichischer Cartellverband (ÖCV)

Ist der Österreichische Cartellverband (ÖCV) ein Netzwerk? Präsident Alexander Preyer überlegt, stimmt schließlich zu. "Wir sind ein Netzwerk, das auf vier Grundwerten basiert: Religion, Vaterland, Wissenschaft und Lebensfreundschaft."
Und wohl auch auf der Überzeugung, dass Mittelmaß für seine (bislang ausschließlich männlichen) Mitglieder nicht gut genug ist. "Der ÖCV kann seine Wirkung auf die Gesellschaft nur dann aufrechterhalten, wenn unsere Mitglieder auch in Zukunft in einflussreichen Positionen tätig sind", steht auf der Homepage seiner 1972 geschaffenen Bildungsakademie zu lesen.
Bis in die Nachkriegszeit war es quasi selbstverständlich, als höherer Staatsbeamter dem ÖCV anzugehören. Bis in die Ära Busek kamen alle ÖVP-Bundesparteichefs aus dem CV. Heute sind wirklich prominente Mitglieder des größten katholischen Studenten- und Absolventenverbandes schon seltener - von Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl einmal abgesehen. Ist die Rolle des ÖCV nun also Geschichte? "Ich bin überzeugt, dass es nach einem kleinen Durchhänger wieder steil bergauf geht", meint Preyer dazu im Gespräch mit "UniLive". Schließlich spielt der Leistungsgedanke weiterhin eine wichtige Rolle.
"Die Bildungsakademie", steht auf der CV-Homepage weiter, "sieht es daher auch als ihre Aufgabe an, allen Cartellern die Möglichkeit zur Verbesserung ihrer Qualifikationen zu geben, um es damit dem Einzelnen zu erleichtern, sich im Berufsleben durchzusetzen." Konkret durch Schulungen, etwa in NLP- (Neurolinguistische Programmierung) oder Rhetorik. Durch das Engagement in einer der 46 ÖCV-Verbindungen lernen die Studenten zu organisieren. Und bekommen die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. Schließlich hat der ÖCV 12.500 Mitglieder, davon nur 2000 Studenten. Auch Prominenz aus Wirtschaft und Politik können sich im intimen Rahmen treffen - bei wissenschaftlichen Vorträgen.

AIESEC (Assoc. Internat. des Etudiants en Sciences Economiques)

Mit mehr als 22.000 aktiven Mitgliedern in mehr als 95 Ländern ist AIESEC (Association Internationale des Etudiants en Sciences Economiques et Sociales) die weltweit größte von Studenten geführte Organisation. In Österreich gibt es derzeit vier Standorte (Wien, Linz, Graz, Innsbruck) und insgesamt 200 Mitglieder.

Ziel von AIESEC ist „die Ausbildung von verantwortungsbewussten jungen Menschen, die heute und in ihren zukünftigen Positionen einen Beitrag zur positiven Gestaltung der Gesellschaft leisten.“ Im Mittelpunkt dieser Bemühungen steht seit mehr als 50 Jahren das Auslandspraktikum, das jährlich etwa 4000 Mitglieder antreten. Die Fähigkeiten, wie sie von den „Führungspersönlichkeiten von morgen“ (Selbstbeschreibung) erwartet werden, lernen AIESEC-Mitglieder theoretisch in Seminaren (Themen: Projekt- oder Team-Management, Motivation und Kommunikation, Präsentationstechniken etc.) und praktisch durch die aktive Mitarbeit im jeweiligen lokalen Verein, beim Organisieren kleinerer Projekte bis zu internationaler Konferenzen oder sogar als Vorstandsmitglied. Zusätzlich veranstaltet AIESEC jedes Jahr 350 Konferenzen, manche auch gemeinsam mit Unternehmen oder Partnerorganisationen wie der auf die Fortbildung von Studenten technischer Berufe spezialisierten IAESTE (siehe Artikel unten).

Kontakt zu möglichen späteren Arbeitgebern soll das „AIESEC Talent Development Program“ herstellen. Es bietet Unternehmen Zugang zu einem weltweiten Pool von Studenten und jungen Absolventen und ist – wie AIESEC stolz betont – auf die Bedürfnisse der Firmen zugeschnitten.

Mit Ende des Studiums muss die „AIESEC Experience“ – so bezeichnet es die Organisation, wenn man die beiden „Phasen“ (Teamleader, Auslandspraktikum) durchlaufen hat – nicht zu Ende sein. Mittlerweile besteht durch das weltweite Alumni-Netzwerk die Möglichkeit, weiterhin mit AIESEC in Verbindung zu bleiben.

Uni Management Club (UNIMC)

In der Tochterorganisation des Management Clubs sind rund 300 wirtschaftlich interessierte Studenten aller Fakultäten und Universitäten aktiv. Der ehrenamtlich von Studenten geführte UNIMC organisiert unter anderem regelmäßige Diskussionsveranstaltungen und Treffen mit Führungskräften aus Österreichs 500 größten Unternehmen. Eine Mitgliedschaft für Studenten kostet 20 Euro pro Jahr. Dafür bekommt man zum Beispiel Karrieretipps von Managern vom Kaliber eines Mirko Kovats.

Bei der jährlich stattfindenden „Zukunftskonferenz“, der „win2“, geht es vor allem darum, Kontakte zu knüpfen. Und so stehen dabei nicht nur Podiumsgespräche zwischen so unterschiedlichen Diskutanten wie etwa Staatsoperndirektor Ioan Holender, Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb und Soravia-Geschäftsführer Erwin Soravia auf dem Programm. Es werden auch Intensiv-Workshops mit Partnerfirmen angeboten. Oder Freizeitveranstaltungen wie Atmen und Kicken unter Anleitung von Shaolin-Mönchen, Morgensport mit dem Bundesheer oder auch Lachmuskel-Training mit den „Seminarren“.

IAESTE, Board of European Students of Technology (BEST)

Schon seit 1949 versorgt die IAESTE (International Association for Exchange of Students for Technical Experience) Studenten aller technischen und naturwissenschaftlichen Fachrichtungen mit Praktikumsplätzen in aller Welt. Die Palette reicht dabei von Agrarberufen wie Weinbau bis zur Erdölbranche. Die von Studenten geführte IAESTE hat 57 Mitglieds- und 34 kooperierende Staaten, die Praktikumsstellen für Studenten aus den anderen Ländern anbieten. Dauer: Zwischen vier Wochen und einem Jahr. Wie viele Stellen ein Land anbietet, wird auf einer jährlichen Konferenz, ähnlich einem Basar, entschieden. Bei der IAESTE-Firmenmesse präsentieren sich Unternehmen und werben um Mitarbeiter.

Auch wenn BEST ebenfalls internationale Praktika vermittelt, ist das nicht der Schwerpunkt dieser Organisation. Sondern vielmehr, das Verständnis für andere Kulturen zu fördern – auch in Hinblick darauf, später in einem anderen Land zu arbeiten. Der Verein organisiert dazu mehrwöchige akademische Kurse oder Austausch-Treffen, bei denen Studenten eine zu ihren Studien komplementäre Ausbildung bekommen.

Austrian Medical Students Association (AMSA)

Nicht stressig und schon gar nicht unpersönlich – bei der Austrian Medical Students Association (AMSA) steht die „soziale Seite des Menschen“ im Zentrum. Sie ist eine von 92 nationalen Mitgliedsorganisationen der International Federation of Medical Students' Associations (IFMSA), die die internationale Zusammenarbeit zwischen Medizinstudenten fördert. AMSA veranstaltet Workshops, betreibt das Teddybären-Krankenhaus, das Kindern die Angst vor Ärzten nehmen soll. Derzeit betreibt sie fünf Projekte: •Famulatur-Austausch: Unterstützung bei der unkomplizierten Suche nach einem Praxisplatz im Ausland.
Forschungsprojekte: Organisatorische Unterstützung bei der Teilnahme an einem Forschungsprojekt im Ausland.
Public Health: Medizinstudenten sollen auf die Wichtigkeit von Entwicklungshilfe aufmerksam gemacht werden und die Möglichkeit bekommen, auf diesem Gebiet Auslandserfahrung zu sammeln.
•Reproductive Health: Prävention bei HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten.
Human Rights and Peace: Humanitäre Hilfe in Krisenregionen, Flüchtlingshilfe.

European Law Students' Association (ELSA)

Die European Law Students' Association (ELSA) ist eine Wiener Institution. Hier wurde sie 1981 von Jus-Studenten aus Österreich, Ungarn, Polen und dem damaligen Westdeutschland gegründet, mit dem Ziel Kontakte zu anderen Studenten des Fachs in ganz Europa zu ermöglichen. ELSA ist heute die weltweit größte Organisation junger Juristen und zählt mehr als 30.000 Mitglieder in 36 Staaten.
Neben Vortragsreihen, Exkursionen, internationalen Fachgruppen zu speziellen juristischen Fragen und STEP (dem Austauschprogramm für internationale Praktika) veranstaltet ELSA auch die „Austrian Moot Court Competition“. Dabei treten Studenten-Teams in einer fiktiven Gerichtsverhandlung gegeneinander an. Wer vor dem (professionellen) Richtersenat am besten argumentiert, gewinnt. Vielleicht noch spannender als die Verhandlung ist die vierwöchige Vorbereitungsphase. Dabei werden die Studenten von den größten heimischen Rechtsanwaltskanzleien beraten. Und nicht selten erhalten die künftigen Anwälte in der Folge dort ein Praktikum oder nach Abschluss des Studiums gar eine fixe Stelle.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2007)

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