Professoren: Geliebt, gefürchtet, geduldet

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Es gibt sie in jeder Fasson – mit unterschiedlichsten Vor- und Nachteilen für die Studierenden. Während der eine nur zu gern Kommentare zu seinen TV-Auftritten hört, muss man sich bei der anderen rechtfertigen, weil man lieber auf Reisen geht, statt den unbezahlten Praktikumsjob zu machen. „UniLive“ hat die geläufigsten Professorentypen identifiziert.
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Der Kumpel

Er wäre selbst noch gern Student. Wer das ausnützen will, muss allerdings mit Bourdieu auf die Couch.



Die fleckige Ledercouch in seiner Wohnung hat schon viele Studierende kommen und gehen gesehen. Denn spätestens im zweiten Semester war jeder seiner Studenten einmal beim Kumpel zu Hause. Sei es zur Vorbesprechung der Seminararbeit, zur Nachbesprechung des Referats oder zur allgemeinen Besprechung allgemeiner wissenschaftlicher Fragen.
Dabei wollen wir dem Kumpel nicht einmal irgendwelche zweideutigen Absichten unterstellen. Er wäre nur so gern selbst wieder Student. Und vermisst die Zeiten, in denen seine Wohnung noch Wohngemeinschaft war. Eine, in der tetrapakweise Rotwein getrunken, stangenweise Zigaretten geraucht und stundenlang über Bourdieu diskutiert wurde. Auf der fleckigen Couch, versteht sich.
Als Student können einem diese Sehnsüchte durchaus zugutekommen. Wer, wenn nicht der Kumpel hat Verständnis, wenn es gestern Nacht wieder einmal ein bisschen zu lang geworden ist, um im Seminar aufzutauchen (vor allem, wenn man die Partynacht um etwas Bourdieu erweitert). Professionelle Distanz gibt es dafür beim Kumpel keine. Absagen auch nicht. Wer eingeladen wird, kommt. (beba)
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Typischer Satz

"Ihr könnt für die Nachbesprechung auch gern alle zu mir nach Hause kommen."
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Die Mentorin

Sie versucht Studierende zu unterstützen, wo sie nur kann. Und übertreibt es bisweilen mit ihrer Fürsorge.



Sie beantwortet jede E-Mail-Anfrage umfassend, sie liest Seminararbeiten gewissenhaft von Anfang bis zum Ende, und sie würde niemals eine Sprechstunde ausfallen lassen. Die Mentorin hält viel von persönlichem Kontakt zwischen Professoren und Studierenden.
Dem Credo „Das beste Service für die Studierenden“ hat sie sich nach ihren Forschungsaufenthalten an amerikanischen Universitäten verschrieben. Sie will gemeinsam mit ihren Studenten das Beste erreichen. Ihre Seminare sind anspruchsvoll und arbeitsintensiv. Wer sich dort gut schlägt, kann auf ihre Unterstützung zählen – auch bei außeruniversitären Dingen. So nützt die Mentorin, die selbst auch in der Privatwirtschaft tätig ist, ihre guten Kontakte gerne, um Studierenden einen Praktikumsplatz zu verschaffen. Oft sind es leider unbezahlte Jobs. Hauptsache Erfahrung sammeln, sagt die Professorin.
Solange Studierende das ähnlich sehen, steht einer guten Zusammenarbeit mit der fürsorglichen Mentorin nichts im Wege. Doch wer Ferien und Reisen dem von ihr verschafften Praktikumsmarathon vorzieht, der darf nicht auf Verständnis hoffen. (j. n.)
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Typischer Satz

"Die Firma kann leider nichts zahlen, aber für Ihre Karriere wäre das wirklich sehr wertvoll."
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Der Dinosaurier

Hinter seinem Bücherstapel fühlt er sich am wohlsten. E-Mails hält er für eine überschätzte Erfindung.



Auf dem alten Holzschreibtisch stapeln sich Bücher, Zeitschriften und vergilbtes Papier. Eine gläserne, grüne Tischlampe sorgt für schummriges Licht im Büro. Der alte Professor selbst sitzt etwas verloren in seinem großen Lederstuhl.
Der Dinosaurier fühlt sich nirgends wohler als in seinem Büro. Es sitzt hier ständig. In Pension zu gehen kommt für diesen Typ Professor nicht in frage. Zu wichtig sind ihm seine Bücher. Mit dem Kontakt zu den Studierenden ist das so eine Sache: Der Dinosaurier stellt sich zwar gern in den gut gefüllten Hörsaal, um sein Wissen weiterzugeben – ausschließlich frontal natürlich. Sonst korrespondiert er aber lieber mit Mitgliedern der Akademien der Wissenschaften als mit Studenten. Elektronische Post ist ohnehin überbewertet. Wer den Professor dringend erreichen will, hat bei seiner Sekretärin anzurufen.
Wer als Nachwuchsforscher doch einen Draht zum Dinosaurier findet, der hat quasi den Jackpot geknackt. Niemand ist in der Universität so gut verwurzelt wie er. Wer sich Kontakte zur Wirtschaft erwartet, ist aber natürlich fehl am Platz. Es geht um Bildung – nicht um Ausbildung. (j. n.)
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Typischer Satz

"Also Frau Kollegin, elektronische Post brauchen Sie mir nicht zu schicken, die empfange ich nicht."
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Er stellt keine großen Anforderungen. Kann er auch gar nicht, denn sonst würde sein Hörsaal leer bleiben.



Ausreden hat er schon zuhauf gehört. Ohne mit der Wimper zu zucken, hört er sich Geschichten über abgestürzte Computer, ausgefallene Züge und kranke Mütter an, wenn die Studenten zu ihm kommen und ihm ihr Leid klagen. Und weil er eben der Verständnisvolle ist, gibt er stets noch eine neue Deadline für die Arbeit oder einen neuen Prüfungstermin aus. Er will den Studenten keine Steine in den Weg legen, denn er weiß, wie schwer sie es haben.
Zumindest sagt er das so. Ganz altruistisch ist sein Verständnis gegenüber nachlässigen Studierenden nämlich nicht. Denn seine Lehrveranstaltungen sind meist fad, er ist kein großes rhetorisches Talent, und er unterrichtet obendrauf meist Randgegenstände, die bestenfalls für den Wahlfachkorb taugen. Die Studenten muss er daher mit anderen Mitteln anlocken.
Der Verständnisvolle kündigt also schon im Vorhinein an, dass die Prüfungen sicher nicht schwierig sein werden, dass er bei den Arbeiten eigentlich alle Themen akzeptiert und dass er kein Problem darin sieht, wenn die Studenten sich für sein Fach nicht grenzenlos begeistern können. Kein Wunder: Er selbst tut es ja auch nicht. (rovi)
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Typischer Satz

"Die Prüfung wird nicht schwierig sein, ganz sicher nicht, wir plaudern einfach nur ein bisschen."
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Der Superstar

Seine Lehrveranstaltungen sind inspirierend und wissenschaftlich top. Sofern sie stattfinden.



Ja, es stimmt: Superstars gibt es nicht nur in Film und Fernsehen, sondern auch an österreichischen Unis. Wobei: Das eine muss das andere ja nicht ausschließen.
Denn was dem Superstar beinahe noch mehr Spaß macht, als sich von seinen Studierenden anhimmeln zu lassen, ist, sich nach einer TV-Debatte von seinen Studierenden anhimmeln zu lassen. Wobei: Der universitäre Superstar ist natürlich nicht nur telegen. Er ist auch verdammt klug. Auf jeden Fall ist er eine Koryphäe seines Fachs. Er ist der wissenschaftliche Leuchtturm des Instituts. Und kann das alles nebenbei eben noch ganz gut rüberbringen. Um nicht zu sagen: Er kann sich (und seine zahlreichen Bücher) gut vermarkten.
Was das für den Studenten heißt: Nun, die Lehrveranstaltungen beim Superstar sind inspirierend, fesselnd und von einer wissenschaftlichen Qualität, die man an manchen Instituten eher suchen muss. Sofern sie wirklich stattfinden. Denn bei all seinen Engagements – von der TV-Debatte über den Expertenrat der Regierung bis zu den vielen Symposien in Oxford und Cambridge – kommt das Lehren für den Superstar dann doch an zweiter Stelle. (beba)
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Typischer Satz

"Ich muss die Prüfung leider verschieben, der Bundeskanzler hat mich in seinen Expertenrat berufen."
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Die Zuchtmeisterin

Sie selbst kam nur durch Disziplin so weit. Der Drill regiert ihre Vorlesungen. Eine harte, gute Schule.



Privatleben hat sie keines. Die wissenschaftliche Karriere ging stets vor. Es war nicht einfach, als eine der ersten Frauen im Land eine Professorenstelle zu bekleiden. Es forderte Disziplin, Durchhaltevermögen und Durchsetzungskraft. Das Gleiche fordert die Zuchtmeisterin von ihren Studierenden.
Ihre Sprechstunde ist ungefähr so beliebt wie ein Termin zur Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Mit einem Kater nach dem Studentenheimfest in die frühmorgendliche Vorlesung zu gehen, wird man nicht einmal für den Bruchteil einer Sekunde erwägen. Sie würde es bemerken und ihre berühmte Standpauke halten: Bei dieser Einstellung solle man es sich ernsthaft überlegen, das Studium bleiben zu lassen. Dieser Satz ist in den unterschiedlichsten Ausprägungen zu ihrem Markenzeichen geworden. Kein Studierender wird sich je erdreisten, mit ihr um Noten zu feilschen. Das Wort Mitleid kennt sie nicht. Was sie sagt, ist Gesetz.
Doch selbst die Zuchtmeisterin hat ihre Fans. Denn wer ihre harte Schule durchlebt, der hat viel gelernt. Wer in ihren Vorlesungen sogar positiv auffällt, dem könnte sie zu einer steilen – wenn auch harten – Karriere verhelfen. (j. n.)
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Typischer Satz

"Bei dieser Leistung sollten Sie sich ernsthaft überlegen, das Studium bleiben zu lassen."
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