Kluge Köpfe: Wie intelligent müssen Studenten sein?

Ein Intelligenzquotient (IQ) von 130 ist noch keine Garantie für Erfolg im Studium. Laut Experten sind es vor allem sogenannte Soft Skills, die den Unterschied ausmachen: Über Intelligenz an Österreichs Unis.

(c) AP (Alessandro Della Bella)

Es gibt fünf Vögel und nur drei Würmer. Wie viele Vögel bekommen keinen Wurm? Diese Frage können 96 Prozent der Kinder vor dem Schuleintritt beantworten. Und welches Rätsel sollte für angehende Studenten kein geistiger Stolperstein sein? Diese Frage will niemand beantworten. Denn die Komponenten, die den Studienerfolg ausmachen, sind vielfältig. Rein kognitive Fähigkeiten reichen jedenfalls nicht aus. Aber: „Es ist natürlich so, dass nicht jeder die intellektuelle Kapazität hat zu studieren,“ sagt die Psychologin Vera Fischof vom Verein Mensa (siehe Artikel unten).

So restriktiv ist Eva Maria Adlmann, Psychologin an der Uni Wien, nicht. Sie setzt die Rolle der „social skills“ bei manchen Fächern ebenso hoch an wie die der Intelligenz. Motivation, die Fähigkeit zu lernen und Interesse an einem Fach können viel ausgleichen. Der Standpunkt der Psychologin: Alles ist förderbar. Außerdem sei der Intelligenzquotient (IQ) immer abhängig davon, womit er gemessen wird. Und auch Hochbegabte bräuchten Interesse und Motivation.

Trotzdem ist unbestritten, dass Intelligenz in einigen Fächern eine größere Rolle spielen als in anderen. Denn während das Medizinstudium großteils als stures auswendig Lernen abqualifiziert wird, und beim Sportstudium dem Vernehmen nach der Geist eine geringe Rolle spielt, muss man bei anderen Fächern optimale Problemlösungen finden.

 

Ehrfurcht vor Jus und Physik

Für Harald Rindler, Dekan der Fakultät für Mathematik in Wien, ist klar, dass bei manchen Studenten die analytische Begabung nicht ausreicht. Häufiger behindere aber mangelnde Frustrations-Toleranz oder Ausdauer den Studenten.

Es gibt wohl nur wenige Maturanten, die sich jedes Studium zutrauen. Viele werden von dem Zweifel geplagt, sie seien nicht klug genug für manche Fächer. Angst und Ehrfurcht haben viele etwa vor den Studienrichtungen Jus, Physik oder Mathematik. Besonders, wenn die Noten in der Schule nicht die besten waren. Oft ist aber die Schulleistung kein Indikator für den Erfolg im Studium: „Manche Vorzugsschüler haben beim Mathematikstudium überraschende Probleme. Manche, die in der Mittelschule schlecht waren erweisen sich als höchst begabt. Leider studieren viele potenziell Begabte gar nicht Mathematik, weil sie in der Mittelschule durch unbegabte Lehrer ein völlig falsches Bild von Mathematik haben“, sagt Dekan Rindler.

Auch die Psychologin Adlmann glaubt, dass Maturanten sich bei der Wahl des Studiums auf die eigenen Schulleistungen besinnen. Sie vertraut auf Lehrer und Schüler: „Jeder für sich selbst weiß schon, wo seine Fähigkeiten liegen.“

 

„Normalos“ am erfolgreichsten?

Doch selbst wenn ein hoher IQ beim Studieren nicht unbedingt notwendig ist – die Universitäten werben immer stärker um die „hellsten Köpfe“. Für Aufsehen sorgte zuletzt die Uni Freiburg, die mit einem umstrittenen Mittel die intelligentesten Studenten anlocken will: Wer einen IQ von mehr als 130 nachweist, dem wird die Studiengebühr erlassen.

Ob das eine intelligente Idee im Wettbewerb um den besten Forschernachwuchs ist, ist strittig. Auch in Österreich wird künftig mehr um hochbegabte Studenten gestritten werden. Wer zum Beispiel künftig an der selbsternannten Elite-Uni I.S.T Austria im niederösterreichischen Maria Gugging studiert, ist noch unklar.

Ein extrem hoher IQ bringt aber nicht nur Vorteile in Studium und Berufsleben. Denn allzu hohe Intelligenz führt in praktischen Entscheidungssituationen zu Zaudern, Zweifel und Unschlüssigkeit. Aber Hochbegabte ziehen ihr Studium zügiger durch als Normalbegabte. Sie sind schon als Schüler sehr leistungsorientiert, das setzt sich auch im Studium fort. Ganz oben auf der Karriereleiter sind aber meist Normalbegabte zu finden.

www.mensa.de

INTELLIGENZTEST

Zwei Prozent der Bevölkerung gelten als hochbegabt und haben einen IQ von mindestens 130. Institute wie das Wifi oder das BFI bieten Tests vor der Studienwahl an. Ein IQ-Test mit Beratungsgespräch kostet rund 80 Euro. Gratis ist der IQ-Test auf www.welt.de

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2008)

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