Thomas Brezina: „Einfach mal irgendwas hinschreiben“

Kinderbuchautor und Kultfigur Thomas Brezina darüber, was man gegen Schreibblockaden bei der Abschlussarbeit tun kann. Und warum er sein erstes Studium rasch hingeschmissen hat.

(c) Voithofer Valerie

Sie sind für viele Ihrer früheren Leser eine Art Kultfigur. Wie fühlt sich das an?
Thomas Brezina: Ich habe das erst in den letzten zwei Jahren mehr mitbekommen. Und ich freue mich darüber. Im Endeffekt ist das die höchste Auszeichnung, die ich bekommen kann.

Andererseits gibt es manche, die Sie als Autor nicht ganz ernst nehmen. Tut das weh?
Heute nicht mehr. In den Anfangszeiten immer. Es gab Zeiten, in denen ich von Kindern Anerkennung bekommen habe, aber von Erwachsenen nicht. Und als erwachsener Mensch wünscht man sich auch, dass Erwachsene einen anerkennen.

Sie haben mehr als 500 Bücher geschrieben. Ist das Fließbandproduktion?
Das ist Schaffensdrang. Und nicht, dass ich mich mit ihm vergleichen will, aber man muss einmal sehen, was Shakespeare in seinem Leben geschaffen hat. Er hat in Hexametern Theaterstücke geschrieben, in einem Wahnsinnstempo. Charles Dickens genauso.

Manche Studenten würden das auch gerne können.
Kreatives Schreiben ist natürlich etwas anderes als eine Bachelorarbeit, für die man sehr viele Fakten zusammentragen muss. Mein Tipp lautet aber immer: Wenn das Anfangen schwerfällt, irgendwas hinschreiben. Einfach anfangen, man kann nachher alles verbessern.

Man sollte am Anfang also ein bisschen milder sein mit sich selbst?
Ja. Ja! Wenn man einen Absatz hinschreibt und sich nicht sofort sagt, dass das der größte Blödsinn ist, bringt das normalerweise das Schreiben in Gang. Das Zweite ist, sich Tagesziele zu setzen. Und eine Minute pro Tag, an der man die Augen zumacht und sich vorstellt, wie toll es sein wird, wenn alles fertig ist.

Und wenn nichts mehr weitergeht?
Dann geht man spazieren.

Eine Abschlussarbeit haben Sie nie geschrieben – obwohl Sie begonnen haben zu studieren.
Meine Eltern wollten immer, dass ich studiere. Für meinen Vater war der größte Traum, dass er seinen Söhnen das Studium finanzieren kann, denn er selbst musste es sich verdienen. Daher habe ich nach der Matura natürlich auch nach einem Studium gesucht.

Und Sie haben eines gefunden: Veterinärmedizin. Warum haben Sie das dann so rasch hingeschmissen?
Das ist ein medizinisches Studium.

War Ihnen das nicht klar?
Nein, ich habe immer die Fernsehserie „Der Doktor und das liebe Vieh“ geschaut und dachte, so geht das. Mein Vater war Arzt, von ihm habe ich immer nur über die Patienten gehört und wie er ihnen geholfen hat, also über die Schicksale – aber nichts über die medizinische Arbeit dahinter.

Wann genau wussten Sie, dass das nichts wird mit Veterinärmedizin?
So banal es klingt: Als wir die ersten Regenwürmer sezierten, habe ich gewusst: Nein.


Sie haben dann umgesattelt auf Theaterwissenschaften. Aber auch nicht abgeschlossen.
Nein. Ich war lang auf der Uni, habe immer wieder studiert, da und dort was gemacht und habe es auch interessant gefunden.

Hat der Erfolg das Studium gekillt?
Ich habe damals schon geschrieben und gleichzeitig als Puppenspieler beim Fernsehen gearbeitet. Der Chef ist eines Tages zu mir gekommen und hat gesagt: „Theaterwissenschaft ist ein brotloses Studium. Sie brauchen eine praktische Ausbildung.“ Er hat mir eine Stelle als Regieassistent angeboten. Nach einem Jahr war ich Regisseur beim Kinderfernsehen.

Wie kam es eigentlich zur Fortsetzung der Knickerbocker als Erwachsene?
Als ich eines Tages überlegt habe, was ich als Nächstes schreibe, ist mir das eingefallen. Nach zwei Kapiteln war der Zweifel so groß, dass ich auf Facebook gefragt habe, ob ich es machen soll. Und es waren innerhalb kürzester Zeit hunderte Antworten da.

Nun ist schon der zweite Teil der erwachsenen Knickerbocker erschienen. Ist die Nostalgie der früheren Leser so groß?
Es scheint so zu sein, dass die Nostalgie groß ist. Aber gleichzeitig war die Neugier extrem groß, was aus vier Menschen, die man als Kinderhelden erlebt hat, im Leben wird. Und ich habe über soziale Medien ja auch die Leser einbezogen. Das hat gut funktioniert. 

Info

Thomas Brezina ist Autor der Knickerbockerbande und von Tom Turbo. Dieser Tage ist der zweite Band der Knickerbocker als Erwachsene erschienen: „Knickerbocker4immer – Schatten der Zukunft.“

("UniLive", Print-Ausgabe, 26.09.2018)

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