ÖH macht gegen Zugangsbeschränkungen mobil

Die ÖH will sich gegen Zugangsbeschränkungen mit "allen Mitteln" zur Wehr setzen und für einen "offenen Hochschulzugang" kämpfen.

macht gegen Zugangsbeschraenkungen mobil
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(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) macht vorsorglich gegen weitere Zugangsbeschränkungen mobil: "Wir werden uns gegen diese Entwicklungen mit allen Mitteln zur Wehr setzen und für einen offenen Hochschulzugang kämpfen", kündigte der ÖH-Vorsitzende Martin Schott (Fachschaftslisten, FLÖ) in einer Aussendung am Donnerstag an. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) steht laut eigenen Aussagen bereits kurz vor einer Einigung mit SP-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl über Beschränkungen in einigen Massenfächern. "Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie die Regierung die Bildungschancen junger Menschen zerstört", kündigt die ÖH an.

Die SP-nahen Studentenvertreter werfen Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) Verrat an der Jugend vor: "Dieser Umfaller von Faymann für Zugangsbeschränkungen stellt einen klaren Vertrauensbruch seitens der SPÖ dar", kritisiert der Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) in einer Aussendung und appelliert an die Parteispitze, nicht zuzustimmen. "Ansonsten kann sich die SPÖ, mit Blick auf den Bundesparteitag, auf Einiges gefasst machen", warnt VSStÖ-Vorsitzende Jessica Müller. Die SP-Studenten verweisen wie auch Andreas Mailath-Pokorny, Präsident des Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen (BSA), auf den gültigen SPÖ-Parteitagsbeschluss für einen offenen Hochschulzugang.

Töchterle hat für das Studienjahr 2013/14 einen Testlauf für die geplante Studienplatzfinanzierung angekündigt, bei der die Unis pro Student eine nach Fächern gestaffelte Summe erhalten sollen. Dazu sollen auch in einigen Massenfächern Platzbeschränkungen eingeführt werden. Als Kandidaten gelten die zwanzig beliebtesten Studien: Jus, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Anglistik, Pädagogik, Germanistik, Architektur, Geschichte, Biologie, Informatik, Wirtschaftsrecht, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie, Geografie, Humanmedizin, Dolmetsch, Betriebswirtschaft, Publizistik, Mathematik, Politikwissenschaft und Pharmazie. Wie die "Presse" (Donnerstagausgabe) berichtete soll die Entscheidung für den Testlauf der Studienplatzfinanzierung nun auf die Fächer Architektur, Biologie, Informatik, Pharmazie und Wirtschaftswissenschaften gefallen sein. Die Entscheidung, ob die Fächer bei mehr Interessenten als Plätzen beschränkt werden, sollen laut Bericht die Senate der Unis selbst treffen können.

Im Wissenschaftsministerium betont man gegenüber der APA, dass derzeit mit Kuntzl an den Feinabstimmungen gearbeitet werde. Dabei sei "außer Streit gestellt, dass es österreichweit nicht weniger Studienplätze geben soll. Es geht in erster Linie um eine Verbesserung der Studienqualität in stark nachgefragten Fächern." Details würden erst bekanntgegeben, wenn die Einigung erzielt ist.

ÖH empört über Fächerauswahl

Die ÖH empört sich schon jetzt speziell über die kolportierte Fächerauswahl: Es sei "ein Schlag ins Gesicht für angehende Studenten", dass mit Biologie und Pharmazie nun auch Fächer beschränkt werden könnten, die als Ausweichstudien für jene bekannt waren, die am Aufnahmetest für Medizin gescheitert sind. "Die voraussichtliche Beschränkung von Informatik, zeigt außerdem wie willkürlich gehandelt wird, wurde doch bis vor kurzem noch versucht die Studierendenzahlen der MINT Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik, Anm.) zu erhöhen." Auch die Studentenvertreter der Technischen Uni Wien verweisen auf den Widerspruch zur MINT-Kampagne des Ministeriums.

Die ÖH an der Uni Wien sieht in der Fächerwahl indes erste Folgen des geplanten neuen Uni-Finanzierungsmodells: "Teurere Studienrichtungen werden beschränkt, dafür werden die, die vermeintlich zu wenig Drittmittel lukrieren oder deren Marktwert als zu gering eingeschätzt wird, abgeschafft."

Derzeit gibt es bereits in Human-, Zahn- und Veterinärmedizin und an den Kunstunis Beschränkungen, außerdem an den wissenschaftlichen Unis in den Fächern Psychologie und Publizistik. Mit Pharmazie und Biologie gab es für weitere Fächer aus den Top 20 der beliebtesten Fächer bereits in den Studienjahren von 2005/06 bis und 2006/07 Beschränkungen, für Betriebswirtschaftslehre noch ein Jahr länger. Für Architektur gab es bereits 2010 Pläne für Platzbeschränkungen, die allerdings am Widerstand der SPÖ gescheitert waren.

(APA)

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