"Seid's angrennt?": Demo gegen Ende des Uni-Ministeriums

Mehrere tausend Studierende gingen gegen die Auflösung des Ressort auf die Straße. In Graz besetzten Studenten den Landtag.

Studenten wollen Uni-Ministerium zurück
Studenten wollen Uni-Ministerium zurück
Studenten wollen Uni-Ministerium zurück – (c) APA/HELMUT FOHRINGER

Wien. Das hätte wohl sogar Ex-Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle gefallen: Die Studenten der Wiener Universität für Bodenkultur rücken zum großen Protest gegen die umstrittene Abschaffung des Wissenschaftsministerium mit der Uni-eignen Blasmusikkapelle inklusive Traktor an. Ihre Musik geht allerdings rasch in den ohrenbetäubenden Pfiffen der rund 10.000 Studierenden unter, die am Dienstagabend aus mehreren Richtungen durch die Innenstadt zum Ministerium am Minoritenplatz zogen.

Die Szenerie mutet fast paradox an: Die Studierenden, die sonst mit ihrer Kritik am Uni-Ministerium nicht sparten, wollen nun gerade dieses zurück. Mehr noch: Es ist zweifellos einer der größeren Studierendenproteste der vergangenen Jahre. Fast schon werden Erinnerungen an die vier Jahre zurückliegenden Audimax-Proteste wach. Neben den von damals bekannten Slogans „Wessen Uni? Unsere Uni!“ hört man „Wessen Wissenschaft? Unsere Wissenschaft! Wessen Ministerium? Unser Ministerium!“ Ein Sarg aus Pappe, schwarze Flaggen und allerlei mehr oder weniger kreative Plakate sind zu sehen.

''Heinzi, buuuuh!'': Mehrere tausend Studenten bei Demo für Uni-Ressort

"Heinzi, buuuuuh!"

„Seid's wo angrennt?“, fragen Teilnehmer via Transparent, andere verkünden den „Winterschlussverkauf – Minus 100 Prozent auf Wissenschaft“, wieder andere fordern in Anlehnung an ÖVP-Chef Michael Spindelegger „Befreit die Wissenschaft von den Fesseln der Wirtschaft“. Das viel fotografierte „Heinzi, duas ned!“-Plakat, mit dem die Studenten Bundespräsident Heinz Fischer noch am Montag überreden wollten, die Regierung nicht anzugeloben, ist mittlerweile überklebt. „Heinz, buh!“ ist nun zu lesen.

Insgesamt scheinen durch die Zusammenlegung mit dem Wirtschaftsministerium Befürchtungen geschürt, dass die Unis künftig noch weniger Budget zur Verfügung haben („Gemeinsam gegen Sparpolitik!) und dass die Ökonomisierung voran schreitet („It's Science, not Finance, Stupid!). Auch in anderen Uni-Städten von Innsbruck über Salzburg bis Graz gingen mehrere tausende Studierende auf die Straße.

Grazer besetzen Landtag

Nach der Demo vor der Universität zog am Dienstag eine Gruppe von Kundgebungsteilnehmern in die Grazer Innenstadt und gelangten unbehelligt in den Landtag, wo eben eine Sondersitzung beendet worden war. Laut Polizei waren rund 150 Personen in die Landstube gegen 17.45 Uhr eingedrungen und hatten dort u.a. eine Gedenkminute für das "verstorbene Wissenschaftsministerium" abgehalten.

Die ÖH Uni Innsbruck hat das Ministerium "zu Grabe getragen". Neben knapp über 100 teils in Schwarz gewandeten Studenten nahm auch Rektor Tillmann Märk an der "Trauerzeremonie" teil, bei beim Sarg und dem Grabstein mit der Aufschrift "Hier ruht in Unfrieden: Das BMWF" Blumen niederlegt wurden. Märk beklagte die Abschaffung eines Ressorts, das vor 43 Jahren "Politiker mit Weitsicht und Visionen" ins Leben gerufen hatten.

Uni-Rektoren legen nach

Die Studenten wissen die Rektoren dieses Mal jedenfalls auf ihrer Seite. Boku-Chef Martin Gerzabek schwang sich am Nachmittag auf den Anhänger des besagten Traktors, um zu seinen Studierenden zu sprechen. Er gab wie zahlreiche seiner Kollegen den Nachmittag vorlesungsfrei. Die Rektoren, die ihre Unis aus Protest schwarz beflaggen ließen, wollen heute nachlegen: In einer Pressekonferenz wird gerade wiedergewählte Rektorenchef Heinrich Schmidinger den Druck auf die Regierung weiter erhöhen.

Auch die Studenten haben nicht vor, klein beizugeben und drohen bereits mit Protesten vor dem künftigen Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium. „In Zukunft gehen wir eben zum Stubenring“, kündigten die Sprecher am Minoritenplatz an. "Vielleicht werden sie es noch bereuen, die zwei Ministerien zusammengelegt zu haben."

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