Berufswunsch: Superjournalist

Reicht ein Publizistik-Studium zur steilen Karriere? Werden alle Journalisten fürstlich bezahlt? „UniLive“ fragte nach Ausbildungswegen und Arbeitsmöglichkeiten für die Aufdecker der Zukunft.

Traum-Arbeitsplatz vieler Publizistik-Studenten: Das ZIB-Studio.
Traum-Arbeitsplatz vieler Publizistik-Studenten: Das ZIB-Studio.
(c) APA (Barbara Gindl)

Wirtschaftskrise und damit verbundene Kündigungswellen in der Medienbranche können echte Idealisten nicht beeindrucken: Nach wie vor strömen unzählige Studenten an Österreichs Fachhochschulen und Universitäten, um irgendwann den selbst erwählten Traumberuf des Journalisten ausüben zu können. Der Weg dorthin ist gerade in Zeiten wie diesen alles andere als einfach.

Welche Ausbildung ist eigentlich die einzige wahre? Und ist die Fachhochschule wirklich besser als die Universität? Auf welche Arbeitsbedingungen muss man sich später einstellen? „UniLive“ suchte nach Antworten.

 

1Der typische Journalist ist Studienabbrecher.

Die typische Biografie eines österreichischen Journalisten sieht, laut Journalisten-ReportI (2007), folgendermaßen aus: Zwei Drittel aller Journalisten verfügen über keinen Hochschulabschluss. Der durchschnittliche Journalist ist 40,2 Jahre alt und männlich. Bloß 42 Prozent in der Branche sind Frauen. Knapp 70 Prozent sind zwischen 30 und 49 Jahre alt. Lediglich 14 Prozent sind jünger als 29, älter als 50 sind 18 Prozent. Von den etwa 7100 heimischen Journalisten arbeiten 67 Prozent in Printmedien, 17 Prozent beim Radio, zehn Prozent beim TV.

Besonders Jugendliche, die den Beruf ergreifen wollen, interessieren sich mehrheitlich, zu 57,8 Prozent, für das Kulturressort einer Zeitung. Aber auch Außenpolitik (44,3) und Innenpolitik (34,9) sind gefragt. Die wenigsten wollen im Wirtschaftsressort einer Zeitung arbeiten. Nur rund jeder achte Berufseinsteiger kann sich vorstellen, in einem Ressort zu arbeiten, welches Ökonomie zum Schwerpunkt hat, wie eine Untersuchung zu Berufswünschen von Andy Kaltenbrunner, der früher selbst Journalist war, und Daniela Kraus vom Medienhaus Wien 2007 ergeben hat. Die Realität sieht anders aus: Denn die meisten Journalisten arbeiten in den Bereichen Chronik, Wirtschaft und Politik. Die wenigsten hingegen widmen sich der Kultur.

 

2Auslangen? Ja, richtig. Reich werden? Eher nein.

Wer wirklich reich werden will, sollte einen anderen Berufszweig einschlagen. Und das trotz regelmäßig auftauchender Gerüchte über Märchengehälter von ORF-Aushängeschildern und Magazinjournalisten (laut Branchenmagazin „Der Journalist“ soll „profil“-Chefredakteur Christian Rainer monatlich 27.800 Euro verdienen; Rainer dementiert). Im Printbereich liegen die Einstiegsgehälter für Aspiranten bei 1856 Euro (brutto, 15-mal jährlich). Redakteure verdienen Anfangs 2293 Euro. Freie Mitarbeiter erhalten pro 1000 Anschläge 22,11 Euro. Allerdings: Journalisten verdienen mit durchschnittlich 2216 Euro netto und 45,2 Arbeitsstunden in der Woche mehr als der Durchschnittsösterreicher mit 1600 Euro pro Monat bei 39,1 Wochenstunden.

 

3Publizistik-Studium ist keine Berufsausbildung.

Zwar sind die ersten Semester an der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Uni Wien relativ theoretisch. Man erfährt viel über Medientheorie, lernt, welchen Teil der Wirklichkeit die Medien abbilden und wie Nachrichten zustande kommen. Wer die Praxis vermisst, muss dann doch nicht allzu lange warten. Bereits im zweiten Studienjahr sind praktische Übungen vorgesehen. Dort lehren (teils prominente) Vortragende aus der medialen Realität. Die Lehrenden arbeiten beim ORF, schreiben für Zeitungen oder stammen aus der PR-Branche. Der Nachteil daran: Die Übungen sind meist völlig überfüllt, die Möglichkeiten, sich in die journalistische Realität einzuarbeiten, daher auch beschränkt.

Dass das Publizistik-Studium nicht praxisnah ist, will der Wiener Kommunikationswissenschaftler Fritz Hausjell so allerdings nicht gelten lassen. „In den vergangenen Jahren hat sich auf diesem Gebiet doch einiges verändert. Noch mehr Praxisnähe halte ich nicht für sinnvoll.“ Diese will er lieber den Fachhochschulen überlassen (siehe Abschnitt 4). Ob man nach sechs Semestern Publizistik und einem Bachelor-Abschluss jedoch wirklich für den Journalistenberuf in den Bereichen Print, Hörfunk, Fernsehen oder Multimedia qualifiziert ist, darf bezweifelt werden.

In Redaktionen gern gesehen sind Studenten, die ein Fachstudium absolviert haben. Zu den Favoriten vieler Chefredakteure gehören Rechts-, Wirtschafts- und Politikwissenschaftler. Tatsächlich haben aber 29 Prozent der Journalisten, die einen akademischen Titel tragen, Publizistik studiert, zehn Prozent Germanistik, neun Prozent Politik, wie der Journalisten-Report 2008 zeigt.

 

4Zu wenig Plätze an den

 

Fachhochschulen.

Besser haben es da die Absolventen der Fachhochschule für Journalismus in Wien. Als das Studium 2003 eingeführt wurde, schloss man nach vier Jahren mit dem Magister FH ab. Seit einigen Semestern wird nur mehr ein Bachelor-Studium angeboten. Wohl auch deswegen, weil die Medienbranche nur begrenzt neue Journalisten aufnehmen kann. Der Vorteil der FH: Das System ist verschult, man lernt im Zuge des Studiums überdies viele Vortragende aus der Praxis persönlich kennen. Immer wieder schaffen es Lehrende, ihren Schützlingen über die Vermittlung von Praktika Kontakte in der Branche zu verschaffen. Bewähren müssen sie sich freilich selbst.

Doch auch an der FH wird Theorie gelehrt. Der Praxis wird jedoch eindeutig der Vorrang gegeben – etwa in Schreibwerkstätten, beim Produzieren von Radiosendungen oder Fernsehbeiträgen. Den Jungjournalisten bieten sich viele Möglichkeiten. Christine I., 23 und Absolventin der FH, arbeitet heute bei einer großen Tageszeitung. Stünde sie noch einmal vor der Qual der Wahl, würde sie sich erneut für das FH-Studium entscheiden. Allerdings: An der FH muss man sich bewerben, wird allenfalls zu einem Test und einem Hearing eingeladen. Treffen sich dann Glück und Können zum richtigen Zeitpunkt, ist man einer von etwa 30 Auserwählten eines Jahrgangs.

 

5Manche Häuser bilden selbst Nachwuchs aus.

Auch an der Katholischen Medienakademie kann man den Beruf des Journalisten erlernen. An 50 Tagen werden – verteilt über zwei Jahre – Kurse und Praktika angeboten. Doch müssen die Bewerber hier ebenso vorher Tests absolvieren, etwa zehn bis 14 Personen werden in das Ausbildungsprogramm aufgenommen. Manche Häuser bilden ihren journalistischen Nachwuchs aber auch selbst aus. Dazu gehören etwa „Die Presse“ und das Amtsblatt der Republik, die „Wiener Zeitung“, die regelmäßig eine Lehrredaktion abhalten.

www.diepresse.com/lehrredaktion

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2009)

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