Eklat an der Boku: Partyspaß oder Uni-Lobbying?

Ingela Bruner ist nach 643 Jahren österreichischer Universitäts-Geschichte die erste Frau an der Spitze einer Hohen Schule. Nun ist sie durch anonyme Vorwürfe unter Beschuss geraten.

INAUGURATION DER BOKU REKTORIN INGELA BRUNER
INAUGURATION DER BOKU REKTORIN INGELA BRUNER
(c) APA (ROBERT JAEGER)

WIEN. 2007 ist der Lebenstraum erreicht: Ingela Bruner ist Rektorin der Universität für Bodenkultur, sie ist nach 643 Jahren österreichischer Universitätsgeschichte die erste Frau an der Spitze einer Hohen Schule. Selbst das erlauchte Gremium der 21 Rektoren muss seinen Namen ändern: von Rektorenkonferenz (da ist keine weibliche Vertreterin vorgesehen) in Universitätenkonferenz.

Jahresanfang 2009: Ein Schreiben zirkuliert an der Bodenkultur-Uni, gerichtet an Rektorat, Universitätsrat, Senat und Betriebsrat. Von „unqualifizierten Seilschaften“ der Rektorin ist da die Rede, von einer undurchschaubaren Finanzsituation und von weiteren ähnlich deftigen Anschuldigungen.

„Das ist ein anonymes Papier; ich habe es nicht einmal vor mir liegen“, sagt Ingela Bruner im Gespräch mit der „Presse“. Vizerektor Lothar Matzenauer, für Personal und Recht zuständig, hält den Inhalt für „nicht nachvollziehbar“, es sei von A bis Z „ein aufgelegter Unsinn“. Er könne sich nicht vorstellen, wer der Autor ist. Bruner vermutet eine Einzelperson außerhalb der Universität, andere sehen die Autorenschaft an der Boku-Basis. Gezeichnet ist der zweiseitige Brief mit „Pro Boku“. Und einigen Medien wurde er auch zuspielt.

Ingela Bruner war die Kandidatin des Senats, der sie gegen den Willen des Uni-Rats als Rektorin durchgesetzt hat. Ausschlaggebend war damals freilich die Unzufriedenheit des Boku-Lehrkörpers mit dem amtierenden Rektor Hubert Dürrstein, der erst gar nicht auf den Dreiervorschlag für die Rektorwahl gesetzt wurde. Mit einer Frau an der ersten Stelle setzte man zudem noch den Uni-Rat unter Zugzwang. Jede Attacke gegen sie stärkt Ingela Bruner nur noch; auch heute noch, wird doch Kritik als letztes Aufbegehren gegen die Eroberung einer Männerbastion, eben des Rektorenamts, gewertet.

 

Aufgeblähte Verwaltung

Nun die Kritik von „Pro Boku“ im Einzelnen: Mehr als 40 Stellen sollen derzeit unbesetzt sein, „die dadurch eingesparten Mittel werden vermutlich zweckentfremdend verwendet“. Das Rektoratssekretariat wurde von 1,5 auf vier Stellen aufgefettet, dazu komme eine aufgeblähte Verwaltung, die pro Jahr zusätzlich 1,5 Millionen Euro koste. Die Drittmittelerträge sollen massiv eingebrochen sein. Es gebe keine Uni-Strategie, keinen Entwicklungsplan und die Rektorin, die die ganze Macht an sich reiße, sei nur noch auf Partys und in den Medien zu finden.

Und zuletzt: Sie plane den kostspieligen Umzug des Rektorats vom Zierlerhaus ins Hauptgebäude. Dabei hat man gerade Rektor Dürrstein den Auszug aus dem Haupthaus als Abgehobenheit angelastet und kritisiert. „Alle wissen: Ich bin bei der Basis“, sagt Ingela Bruner. Das derzeitige Rektorat sei „wirklich isoliert“ gelegen, sagt auch Vizerektor Matzenauer.

„Es gibt Differenzen im Haus, ohne Frage“, sagt Matzenauer und fügt sogleich hinzu, dass diese ja nicht unbedingt schlecht sein müssen. Zu den sogenannten Sachthemen stellt er fest: Der Drittmittelrückgang sei „ganz klar“, weil im Vorjahr das siebente EU-Rahmenprogramm begonnen habe und da erst die Anträge formuliert bzw. eingereicht wurden. Zudem habe die Wirtschaftsflaute einige Aufträge, etwa von Mautner Markhof für die Lebensmittelwirtschaft, beeinträchtigt. Und zu den neuen Posten im Verwaltungsbereich: Gediegene Stellen, so das strategische Controlling, gab es früher noch nicht. Zudem sei festgestellt worden, dass die Boku mit nur acht Prozent einen äußerst geringen Verwaltungskostenanteil aufweise. Einen Vorwurf münzt der Vizerektor aber in einen Vorteil um: Wenn sich Ingela Bruner stets bei außerhäusigen Veranstaltungen bewege, zeige das nur, wie sehr sie für ihre Uni Lobbying betreibe.

Die Vorwürfe sind jedenfalls auf dem Tisch. Und sie sorgen für uniinternen Gesprächsstoff.

ZUR PERSON

Ingela Bruner (56) war nach ihrem Studium in Kanada und Wien Assistentin an der TU Wien, dann in der OMV, von 1995 bis 1998 Vizepräsidentin (ab 1996 alleinige Leiterin) der Donau-Uni Krems, weiters Direktorin für die OMV-Forschung und Uni-Rat an der Uni für Veterinärmedizin. Seit 2007 ist sie Bodenkultur-Rektorin.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2009)

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