Qualifiziertes Personal für die Lehrerausbildung fehlt

An den Unis und an den Pädagogischen Hochschulen gebe es zu wenig Personalressourcen, sagt der Qualitätssicherungsrat.

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(c) Die Presse (Fabry)

Der Qualitätssicherungsrat für Pädagoginnen- und Pädagogenbildung empfiehlt in seinem ersten Jahresbericht die "Schaffung von klareren Entscheidungs- und Verantwortungsstrukturen" und sieht sowohl quantitativ als auch qualitativ zu wenig Personalressourcen an Pädagogischen Hochschulen (PH) und Unis. Nicht sofort, aber langfristig hält man eine Zusammenführung der Einrichtungen für sinnvoll.

Bisher wurden Lehrer für Volks, Haupt-, Sonder-, Berufs- und Polytechnische Schulen an PH ausgebildet, die Lehrer für AHS und BMHS an Universitäten. Die neue Lehrerausbildung sieht u.a. Aufnahmeverfahren für alle angehenden Lehramtsstudenten vor, wie es sie bisher nur an den PH gab. Auch ein Masterabschluss ist künftig Pflicht. Dabei können nur noch Volksschullehrer ausschließlich an den PH ausgebildet werden, bei allen anderen sind auf Masterniveau zumindest Kooperationen mit Unis Pflicht. Erste Unis haben schon 2014/15 mit der Umstellung begonnen, spätestens 2015/16 ist die Umstellung der Ausbildung für Volksschullehrer geplant. Bis 2016 soll die Ausbildung für Sekundarstufenlehrer folgen.

Der sechsköpfige Rat unter Vorsitz des Religionspädagogen und ehemaligen ÖVP-Bundesrats Andreas Schnider begleitet die Umsetzung der neuen Ausbildung, nimmt Stellung zu Studienplänen und soll auch die personellen Voraussetzungen an den Einrichtungen überprüfen.

"Unterausstattung wichtiger Bereiche"

An den Unis ortet der Rat aufgrund des "in der Vergangenheit zu geringen Stellenwerts" der Lehrerausbildung nach wie vor eine "Unterausstattung wichtiger Bereiche" - etwa in den Fachdidaktiken, den professionsorientierten Bildungswissenschaften bzw. in der pädagogisch-praktischen Ausbildung. PH wiederum würden nur "in Ansätzen über eine tertiäre Kultur" verfügen.

Dabei sei das Glas keineswegs nur halb leer, betonte Rats-Mitglied Roland Fischer bei einer Pressekonferenz am Montag. "Was sich in den letzten fünf Jahren getan hat, ist beeindruckend", verwies der Mathematik-Didaktiker auf die Umstellung auf die Bologna-Architektur, die Verlängerung der Ausbildung sowie den Beginn einer gemeinsamen Ausbildung im Sekundarstufenbereich.

Ohne die entsprechende Personalentwicklung sei all das aber nur eine "halbe Sache": "Wir brauchen in manchen Bereichen mehr Personal, aber auch Personal, das besser ist in Hinblick auf die Verknüpfung von Praxisorientierung und Wissenschaftlichkeit", so Fischer.

Institutionelle Probleme

Aber auch institutionell gebe es noch Probleme: An den Unis seien lange Zeit Instanzen für die Lehrerausbildung zuständig gewesen, für die dieser Bereich nicht der wichtigste gewesen sei: Die Fachwissenschaften hätten sich primär um die Angelegenheiten der jeweiligen Fachwissenschaft gekümmert, gleiches gelte für die Bildungswissenschaften. Das habe sich zwar mit der Schaffung eigener Fakultäten bzw. Schools of Education etwas geändert - aber wer am Ende eine Professur erhalte, würden nach wie vor nicht diese Fakultäten selbst entscheiden. An den PH mangelt es laut Schnider wiederum an der Kultur von Berufungskommissionen etwa für Professuren sowie an forschungsorientierten Strukturen.

Weiteres Anliegen des Rats ist die Schaffung von Möglichkeiten, an den Volksschulen in den kreativen Fächern bzw. im Turnen Fachlehrer einzusetzen. Dies könne in mehreren Formen geschehen, so Fischer: Derzeit sieht die neue Primarstufenausbildung die Belegung von Schwerpunkten wie etwa Mathematik, Sprachdidaktik oder eben diese kreativen Fächer vor. Fachlehrer an den Volksschulen könnten etwa jene Pädagogen werden, die solch eine Schwerpunktausbildung sowie noch eine Zusatzqualifikation absolvieren oder Sekundarstufenlehrer dieser Fächer mit Zusatzausbildung.

Zusammenführung von PH und Uni

Offen steht der Rat einer langfristigen Zusammenführung von PH und Uni gegenüber. "Das wäre jedenfalls eine vernünftige Perspektive", meinte Fischer. Der bisher gewählte Weg der Trennung sei aber trotzdem richtig gewesen: "Wenn man vor fünf Jahren gesagt hätte, wir integrieren das, wären viele positive Dinge an den Unis wie etwa die Schools of Education nicht geschehen. Die Unis haben gesagt: 'Wir müssen etwas tun, weil es gibt eine Alternative'."

Schnider will das aber nicht zu rasch entscheiden. Das gewählte Modell sei eine "gute Schrittfolge". Er wisse auch noch nicht, wie ein künftiges ideales Modell aussehen solle: "Aber eine gemeinsame institutionelle Klammer wäre schon sinnvoll."

Für Fischer ist es "keinesfalls akzeptabel, dass wir a la longue eine Hierarchie weiterführen, die da die 'höheren Universitäten' und dort die 'niedrigen PH' vorsieht. Wir können nicht akzeptieren, dass Lehrerausbildung an Institutionen stattfindet, die nicht zu höchsten akademischen Weihen führen können".

(APA)

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