Medizintest soll überarbeitet werden

Nachdem Männer bei der Aufnahmeprüfung zum Medizinstudium erneut besser abgeschnitten haben, fordern Gesundheits- und Wissenschaftsministerium Änderungen.

AUFNAHMETEST FUeR DAS MEDIZINSTUDIUM
AUFNAHMETEST FUeR DAS MEDIZINSTUDIUM
Aufnahmeprüfung zum Medizinstudium – APA/ROLAND SCHLAGER

Wien. Für 9848 Bewerber gab es dieser Tage schlechte Nachrichten: Ihr Traum vom Medizinstudium in Österreich ist (zumindest vorerst) geplatzt. Für 1561 andere Kandidaten gab es hingegen Grund zur Freude: Sie dürfen im Herbst mit ihrer Ausbildung zum Mediziner beginnen. Unter den Glücklichen sind heuer mehr Frauen als Männer (51 versus 49 Prozent) – und dennoch wird erneut über die Benachteiligung des weiblichen Geschlechts diskutiert.

An der am 3. Juli in ganz Österreich abgehaltenen einheitlichen Aufnahmeprüfung haben nämlich deutlich mehr Frauen als Männer teilgenommen (58 versus 42 Prozent). Da nun lediglich 51 Prozent der Studienanfänger weiblich sind, ist klar, dass die männlichen Bewerber den Test neuerlich besser bewältigten (diese Tendenz ist seit Jahren zu beobachten). Nicht an allen Unis zeichnet sich die Kluft zwischen den Geschlechtern übrigens gleich deutlich ab. Während an der Medizin-Universität Wien und der Uni Linz der Frauenanteil unter den Prüfungskandidaten mit 59 Prozent ident war, ist die Erfolgsquote an den beiden Standorten höchst unterschiedlich: In Wien sind 54 Prozent der Aufgenommenen weiblich, in Linz sind es nur 45 Prozent (siehe Grafik).

Erklärungen für diesen Unterschied gibt es (noch) keine. Die Medizin-Unis erhoffen sich aber, durch Detailauswertungen der Ergebnisse welche zu finden. So könnte beispielsweise die schulische Vorbildung der Kandidaten oder die soziale Herkunft das unterschiedliche Abschneiden erklären.

 

„Ein persönliches Anliegen“

In die politische Diskussion dürften die Ergebnisse neuerlich Bewegung bringen: Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ), die schon im Vorjahr eine Überarbeitung des Aufnahmetests gefordert hat, pocht nun erneut darauf: Es sei ihr „als Frau und Medizinerin ein persönliches Anliegen“, den Gender Gap bei der Aufnahmeprüfung zum Medizinstudium zu schließen, sagt sie zur „Presse“. Sie werde diesbezüglich das Gespräch mit dem zuständigen Wissenschaftsminister, Reinhold Mitterlehner (ÖVP), suchen.

In dessen Ressort ist man mehr als gesprächsbereit: „Auch das Wissenschaftsministerium will die festgestellten Geschlechterunterschiede weiter verringern und das Aufnahmeverfahren dementsprechend weiterentwickeln“, heißt es auf Anfrage der „Presse“. Man werde das bei den im Herbst startenden Leistungsvereinbarungs-Verhandlungen mit den Unis ansprechen.

Der Test würde damit nicht das erste Mal wegen des (zu) schlechten Abschneidens der Frauen adaptiert. Diese Änderungen haben die Geschlechterkluft im Vergleich zu früher schon deutlich verringert. Dass heuer erstmals auch soziale Kompetenzen getestet wurden, dürfte hingegen keine Rolle für die Erfolgschancen von Frauen und Männern gespielt haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2015)

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